Wacken 2018 - Der Liveblog

Wacken 2018 - Der Liveblog

shz.de berichtet live vom Metal-Festival in Wacken.

    Auf der Wackinger Stage lassen Cemican alte mexikanische Kultur wieder aufleben. Mit Flöte und einem interessanten Percussion-Instrument, das wie eine übergroße hölzerne Trübe aussieht.

    Und Kreativität auf die Metal-Szene bezogen … (2/2)
     
    Jede Szene steht für gewisse Vorstellungen, die damit auch einen Rahmen für kreative Praktiken stellen. Nicht zuletzt deshalb gibt es zahlreiche Musikstile, denn sonst würden wir immer nur von Musik reden, nicht aber von Genres wie Metal, Hardcore, Punk, Hip Hop etc. Gleichermaßen versuchen Künstler auch immer wieder, solche Grenzen auszuloten und mit der Kombination unterschiedlicher Stile Neues zu erschaffen.
    Was bedeutet DIY-Faktor?

    Wofür steht D.I.Y. in der Hardcore-Szene? (1/2)

    D.I.Y. steht für „Do it yourself“ und beschreibt ganz allgemein das Selbermachen von Objekten und Strukturen. Man macht sich also nicht abhängig von industriellen Vorgaben, sondern versucht mit eigenen Ideen aus den verfügbaren Mitteln etwas zu gestalten. In der der Hardcore-Szene, die historisch aus dem Punk hervorgegangen ist, überträgt sich dieses Verständnis besonders auf die Organisation von Konzerten, die Herstellung und den Vertrieb von Tonträgern und Merchandise.

    Wofür steht D.I.Y. in der Hardcore-Szene? (2/2)
     
    Teil dieses Selbstverständnisses ist der Anspruch an Autonomie. In der Punk- und Hardcore-Szene ist dieser D.I.Y.-Ethos ausgeprägter und präsenter als in der Metal-Szene, was geschichtlich auch mit der ideellen Verbindung der Punk- und Hardcore-Szene mit gesellschaftlichen Bewegungen zusammenhängt, die sich u.a. gegen kapitalistische Zwänge positionierten.
    Das Wacken Open Air geht 2019 in eine weitere Runde. Vom 1. bis 3. August verwandelt sich der Acker wieder in das Holy Wackenland.
     
    Der Ticketverkauf startet wie immer in der Nacht zu Montag, 6. August. Kaufen könnt ihr sie hier.
    Gibt es schon Ergebnisse?
    Helfer ziehen positive Bilanz des Wacken-Festivals 2018. Wie in den vergangenen Jahren blieb es trotz der 75.000 Besucher und Tausenden Helfern ruhig auf dem Gelände.
    Rund 3000 Rettungseinsätze verzeichnet DRK in diesem Jahr. Dabei blieben große Einsätze aus.
    Alle Metal-Fans tranken während der Hitze ausreichend, cremten sich ein und trugen Kopfbedeckungen gegen die knallende Sonne.

    Am meisten Sorgen hatte sich im Vorfeld - wegen der extremem Trockenheit - die Feuerwehr gemacht. Doch Brände blieben aus. "Die Flächen wurden immer wieder bewässert und die Feuerwehr hat Löschsand verteilt. Die Maßnahmen wurden von den Besuchern sehr gut angenommen", sagt Christof Leim, Moderator der Pressekonferenz.
    Die Anzahl der Straftaten ist sogar zurückgegangen.
     
    Die Polizei konnte eine Diebesbande festsetzen, die sich auf dem Gelände herumtrieb. Ansonsten hatten die Beamten sogar genug Zeit, zwei verirrten Mädels zu ihrem Zelt zurückzuhelfen.
    Dieses Jahr nicht auf dem Wacken Open Air: Die Band Doch Chkae aus Kambodscha. Die Geschichte der jungen Musiker könnte Stoff für einen Hollywood-Film hergeben. Die Jugendlichen, die ihr Leben bisher mit Müllsammeln verbracht haben, finden mit Metal eine Art Ventil - und eine Möglichkeit, aus einem Alltag auszubrechen, der härter ist als ihre Musik.
     
    Aber für ein Visum nach Deutschland reicht es für die Waisenjungen aus dem Slum nicht. Sie sind für die deutschen Behörden offenbar zu arm, um ihre Musik auch auf dem WOA aufführen zu dürfen. Sie bekommen keine Visa für den Besuch – obwohl alle Unterlagen fristgemäß eingereicht wurden, wie das Portal www.metal1.info berichtet. Die angebliche Begründung: Die vier Waisen hätten nicht ausreichend soziale, wirtschaftliche und familäre Bindungen an ihr Heimatland.
     
     

    Die Jungs gründeten die Band, nachdem ihr Betreuer sie 2014 mit auf ein Metal-Konzert nahm. Mit ihrer Musik mit Texten auf Khmer (Landessprache in Kambodscha) beeindruckten sie sogar die Veranstalter von Wacken. Prompt folgte die Einladung, auf dem Festival in diesem Jahr zu spielen. In Deutschland zu spielen, wäre ein Traum für die jungen Musiker, wie sie in einer Dokumentation verraten.

    Auf Nachfrage von shz.de erzählte Anna Walter aus der Promotionsabteilung des Festivals, die Veranstalter würden die Band sehr gerne im nächsten Jahr erneut einladen – auf die Arbeit der Behörden hätten sie natürlich keinen Einfluss.

    Die Dokumentation „Slumdog Metal“ über die Geschichte der Band, können die Wacken-Besucher aber schon in diesem Jahr sehen. Sie soll am Mittwoch im Moviefield auf dem Wacken Open Air gezeigt werden.

     

    Die ersten Bands fürs große Jubiläums Jahr stehen bereits fest. Ganz vorne mit dabei sind Demons & Wizards.
     
    Des Weiteren sind bereits dabei:
    Parkway Drive
    Sabaton
    Airbourne
    Meshuggah
    Krokus
    Dark Funeral
    Avatar
    Within Temptation
    Rose Tattoo
    Powerwolf
     
    Helfer ziehen eine positive Bilanz des Wacken-Festivals 2018. Wie in den vergangenen Jahren blieb es trotz der 75.000 Besucher und Tausenden Helfern ruhig auf dem Gelände.
    Rund 3000 Rettungseinsätze verzeichnet das DRK in diesem Jahr. Dabei blieben große Einsätze aus. Alle Metal-Fans tranken während der Hitze ausreichend, cremten sich ein und trugen Kopfbedeckungen gegen die knallende Sonne.
     
    Am meisten Sorgen hatte sich im Vorfeld - wegen der extremem Trockenheit- die Feuerwehr gemacht. Doch Brände blieben aus. "Die Flächen wurden immer wieder bewässert und die Feuerwehr hat Löschsand verteilt. Die Maßnahmen wurden von den Besuchern sehr gut angenommen", sagt Christof Leim, Moderator der Pressekonferenz.
     
    Die Anzahl der Straftaten ist sogar zurückgegangen. Die Polizei konnte eine Diebesbande festsetzen, die sich auf dem Gelände herumtrieb. Ansonsten hatten die Beamten sogar genug Zeit, zwei verirrten Mädels zu ihrem Zelt zurückzuhelfen.
     
    Na, wer ist das?
     
    Meinem nächsten Interviewpartner habe ich gefragt, ob ich als Reporterin, die auch campt, eigentlich mit gekämmte Haaren zum Interview erscheinen sollte. Er zeigt auf seine Frisur. "Hab ich doch auch nicht."
     
    Na, mit wem habe ich wohl gesprochen? 
    Kleiner Tipp: Castrop-Rauxel.
    Okay, der Tipp hat es euch leicht gemacht. Ich traf Sushi alias Sebastian Biesler von Eskimo Callboy. Zusammen mit seinem Bandkollegen Kevin kam Sushi gerade vom Kochen. Fans konnten im Vorfeld ein gemeinsamenes Kochen mit Muskern ersteigern. Die Stars suchten dabei das Menü aus. Bei Eskimo Callboy sollte es Currywurst mit Pommes geben, verriet im Vorfeld eine Mitarbeiterin. Sushi selbst beschrieb das Menü ein bisschen anders:
     
    "Es gab Bratwurst mit Kartoffelstampf, Möhrchen und eine Currysoße. Und das ganze haben wir so arrangiert, das man aus jedem Gericht theoretisch ein Geschlechtsorgan machen konnte. Wir haben mit Melonenvaginas gestartet und am Ende gab es karamelisierte Banane." 
    Als ich meinen Kollegen davon erzählt habe, dass ich jemanden von Eskimo Calboy treffen werde, gab es im Grunde drei Reaktionen: Ey, die machen kranken Scheiß, da wäre ich gerne dabei. Oder: Hey, die machen kranken Scheiß, das finde ich nicht so gut. Oder: Hey, die machen kranken Scheiß....glaube ich. Aber eigentlich kenne ich nur den einen aus dem Fernsehen.
    Ihr seid eine Band, die polarisiert. Gefällt euch das?
     
    "Man muss eine Meinung haben, das finde ich wichtig. Es gibt eine ganze Menge Leute, die uns nicht mögen, eine ganze Menge, die und gut finden und bestimmt auch welche, die sich nur wegen unserem verrücken Schlagzeugen mit uns auseinandersetzen (Anm. d. Red.: Schlagzeuger David hatte vor kurzem bei der TV-Sendung Bachelorette und dem RTL-Dschungelcamp mitgemacht.) Aber eigentlich sind wir ganz zufrieden."
    In den Kommentaren zu euren Videos stehen manchmal komische Sachen. Lest ihr eigentlich Kommentare im Netz?
     
    "Bei YouTube lese ich die Kommentare mittlerweile nicht mehr. Aber auf Facebook lese ich tatsächlich die Kommentare. Das finde ich sogar ganz lustig. Man liest ziemlich viele böse Kommentare. Die like ich grundsätzlich alle durch."
     
    Die bösen Kommentare?
     
    "Nur die bösen Kommentare. Manchmal kommentiere ich das auch, wenn es totaler Schwachsinn ist. Aber im Grunde sollte man sich das nicht so zu Herzen nehmen."
    "Man sollte vielleicht aufhören zu sagen, eine Band ist scheiße. Denn im Endeffekt hat das eine ganze Menge mit Geschmack zu tun", findet Sushi.Was man auch bedenken sollte, so der Core-Metaler: Hinter Musikmachen stecke eine ganze Menge Arbeit.
    Zwei Kommentare habe ich mir herausgeschrieben: "Eskimo Callboy, die sind mir einfach zu gay geworden". Und "Eskimo Callboy, ich vermisse die alten Zeiten. Die sind mir einfach zu ernst geworden." Ich würde mit dir gerne über Veränderungen sprechen. Als Künstler will man vielleicht nicht ständig dasselbe machen - aber genau das nehmen die Fans einem oft übel, oder?
     
    "Jein. Ich bin halt selber so ein Typ, ich bin mit Slipknot und Korn großgeworden. Die haben sich auch verändert und ich kann mit gewissen Dingen nichts mehr anfangen. Aber ich setzte mich damit auseinander und das ist auch okay. Und was die beiden Kommentare angeht: Das ist ja einfach nicht richtig. Gay, naja, das ist nicht mal was schlimmes. Sollen sie doch reden. Und das es zu ernst geworden ist: Naja, als Band will man nicht immer das machen, womit man angefangen hat."
    Kleine Offenlegung, unter welchen Bedingungen ich hier das Interview abtippe: Meine Sitznachbarn, offenbar gute Freunde, fangen in Bierlaune an sich zu befummeln. Als ich einwerfe "Treibt es nicht zu bunt, die Presse ist anwesend", schleicht sich einer der beiden von hinten an und knutsch mich ab. That's Metal!
    Weiter geht es mit meinem Gespräch mit Sushi von Eskimo Callboy (die besagte Sitznachbarn übrigens nicht kennen. Ihre Reaktion darauf, als ich ihnen von der Band erzähle: "Eskimo ja? Haben die Schneekanonen dabei? Bitte sag, dass sie Schneekanonen dabei haben!")
     
    In meinem Gespräch geht es immer noch um Veränderungen.
     
    "Na klar versucht man als Band immer eine große Menge an Zuhörern anzusprechen", sagt Sushi. 
    "Als Band ist man immer in der Situation, dass man sich weiterentwickeln möchte", sagt Sushi. "Wir waren immer eine Partyband. Aber wir haben einfach mehr zu erzählen. Deshalb sind wir vielleicht in einigen Dingen ernster geworden."
    Das heißt, ihr seid Mainstream geworden?
     
    "Mainstream ist immer so ein böses Wort. Letzendlich machen doch alle irgendwie Mainstream.  Mainstream heißt einfach nur, dass man eine Menge Leute anspricht. Mainstream heißt, dass du etwas so besonders gut macht, das es vielen Leuten gefällt. Ich finde, wenn du auf einer großen Bühne spielst, wie zu Beispiel in Wacken, bist du auf gewisse Weise Mainstream. Eigentlich ist das alles Quatsch"
     
    Mainstream ist kein böses Wort für dich?
     
    "Prinzipiell nicht, nein. Ja, natürlich hat das ein negativen Unterton. Aber jeder entwickelt sich in eine bestimmte Richtung. und am Ende ist wichtig, dass du mit dem glücklich bist, was du tust."
    Und seid ihr glücklich?
     
    "Ja, in jedem Fall. Wir könne zufrieden sein und hoffen, dass wir das noch einpaar Jährchen machen. Es ist schon toll wenn man aus einer Spinnerei eine Band herauszieht, die jetzt auf dem Wacken auftritt. Das hätte keiner von uns gedacht. "
     
     
    Was ist für die Zukunft geplant?
     
    "Wir gehen erst mal wieder auf Tour. Außerdem sind wir gerade im Studio und versuchen noch mal einen drauf zu legen." 
    Sushi (l.) und Kevin vo. Eskimo Callboy.
     
    Das war's mit meinem Gespräch mit Sushi von Eskimo Callboy. Ob die sechs Männer wirklich zu Mainstream geworden sind, oder immer noch ordentlich Wumms mitbringen, erlebt ihr heute um 0.15 Uhr an der Louder Stage. 
    So meine Lieben. Mein kurzer Schnack mit der Klofrau offenbart: "Noch zehn Minuten, dann ist Burkhard da. Dann ist Feierabend." Ich gönne es der Frau und verabschiede mich ebenfalls, auch im Namen des Tickerteams, für heute. Wir sind noch ein bisschen unterwegs und feiern. Kommt gut durch die Nacht.
    Dröhnender Bass, headbangende Metal-Fans - das war einmal. Heute heißt es einpacken und den Weg nach Hause antreten.
     
    Doch nicht nur für die Metals-Fans müssen ihre Siebensachen mitnehmen auch die Container, Essenstände und die Technik müssen wieder abgebaut werden.
     
    Im Vorwege habe ich ein Interview mit dem Produktionsleiter Stefan Mohnen geführt. Er hat mir erzählt, wie viele Hände und Technik nötig sind, um einen Acker in das Holy Land zu verwandeln. Ab Sonntagmorgen nach dem letzten Konzert läuft das ganze praktisch rückwärts ab.
     
     
    „Seit rund zwei Wochen laufen die Aufbauarbeiten“, sagt Produktionsleiter Stefan Mohnen. Zunächst wurden die Container, einige Zelte und Zäune aufgestellt.
     
    Inzwischen ist die heiße Phase eingeläutet im wahrsten Sinne des Wortes. Bei 30 Grad schleppen die Helfer tonnenweise Technik, Bühnenteile und Kabel.
    Ingesamt werden zu den bereits vier Kilometern fest installierte sechs weitere Kilometer flexible Stromleitung verlegt, 286 Verteilerkästen sowie unzählige Lampen aufgestellt. „Kaum ein Festival hat so viel Sicherheitsbeleuchtung“, sagt Mohnen.
     
    Gearbeitet wird von 8 bis 20 Uhr trotz der Hitze. „Wir sind bei den Aufbauzeiten geblieben und haben versucht, den Wohlfühlfaktor mit kühlen Getränken, Mützen, Sonnencreme und einem kühlen Feierabendbier zu erhöhen.“ Die Zahl von Sonnenstichen und Hitzekollapsen hielt sich in Grenzen. „Wir achten sehr darauf, dass die Arbeitssicherheit eingehalten wird. Auch wenn das heißt, bei mehr als 30 Grad ein T-Shirt zu tragen.“
     
    Nach all den Jahren sind die Helfer ein eingespieltes Team. Die Grundstruktur des Aufbaus ist seit Jahren, die gleiche. Dennoch überprüfen wir den Aufbau jedes Jahr, denn es gibt immer wieder kleine Änderungen.“ In diesem Jahr stellt das E-Sport-Zelt Mohnen und sein Team vor Herausforderungen. „Da sich das Zelt in einem sehr frequentierten Bereich befindet, müssen wir genügend Fluchtwege haben, die nicht mit den Verkehrswegen kollidieren. Die Bebauung ist sehr eng dort, das erschwert die Entfluchtung.“
     
    Wenn alles steht, heißt es Lampen einleuchten und Soundcheck, bevor am Donnerstag das Infield gestürmt wird. „50 bis 60 Techniker sind an den großen Bühnen im Einsatz und kümmern sich um den technisch reibungslosen Ablauf.“ Viele unter ihnen sind schon seit Jahren mit dabei. „Inzwischen läuft das alles ganz geschmeidig“, sagt Mohnen
    Guten Morgen, liebe Gemeinde! Unsere letzte Nacht war nochmal fetzig mit Helloween und Eskimo Callboy. Danach waren wir ziemlich fertig, aber auch dafür gibt es ein Rezept: Duschen. Um drei Uhr nachts. Eiskalt, weil irgendwas mit der Technik nicht stimmte. What don't kill you make you more strong! 🤘
    Auch auf dem VIP-Campingplatz lichten sich die Reihen.
     
    Wir packen zusammen und wünschen euch schon einmal eine gute Heimreise.
    Mein persönliches Fazit vom Wacken 2018 lässt sich im Übrigen so zusammfassen:
     
    1) Unterschätze keine alten Männer
    Zum ersten Mal habe ich Judas Priest gesehen - und war schwer begeistert. Gesang und Gitarre - was für ein Fest!
     
    2) Wetter ist Mist.
     
    3) Guck nicht nur auf die großen Namen
    Das Schöne an Festivals ist ja, dass man einfach durch die Gegend stromert, bei guten Auftritten kleben bleibt und so Bands für sich entdeckt. Gerade bei Wacken, das eine große Breite der Genrepalette abdeckt, kommt man oft in den Genuss von Zeug, das man sonst nie hören würde. Das macht einfach Spaß. Am wohlsten habe ich mich übrigens bei den Bühnen W:E:T und Headbangers gefühlt. Da hat es schön gescheppert.
     
    4) Bringt den Leuten Manieren bei
    Wer durch ein Konzertpublikum laufen muss (wegen Bier, Pipi, Luft holen, etc. - alles verständlich) sollte doch bitte seine Mitmenschen auf sein Begehr aufmerksam machen. Sprich: Ein Auf-die-Schulter-Tippen und ein freundliches "Darf ich mal durch" ist doch nicht so schwer. Stattdessen pflügen manche durch die Menge und schwupps hat man einen Ellenbogen im Gesicht. Das ist nicht Metal, das ist asozial. Lässt das mal.
     
    5) Aber sonst: Alles gut. Was für ein Fest. Nächstes Jahr wieder! 
    So vier Tage Wacken sind geschafft und auch bin geschafft. Trotz gemütlichem Bett zu Hause bin ich ziemlich platt von der vielen Lauferei, der brennenden Sonne, der ständigen Geräuschkulisse und der sich durch alle Wege schiebende Menschenmassen.
     
    Dennoch bin ich positiv überrascht. Generell ist das Festivalgelände sehr sauber. Permanent sind Müllsammler unterwegs. Die Toiletten werden regelmäßig gereinigt. Im Pressebereich gab es sogar Spülklos - somit bin ich um den Besuch eines Dixi Klos herum gekommen.
     
    Wie mir bereits im Vorwege erzählt wurde, sind alle sehr freundlich und hilfsbereit, sobald man orientierungslos in der Gegend herum steht.
     
    Auch das Alkohollevel der Metaller hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Zumindest auf dem Gelände hielt es sich meist im Rahmen. Erschrocken war ich jedoch von meinem Besuch im Dorf. Eine einzige Sauf-Veranstaltung. Kaum einer trug ein Wackenband und schien auch nur im geringsten an der Musik interessiert zu sein. Hauptsache es gab Bier und Schnaps zu günstigen Preisen. Dazu dröhnten Charts aus den Lautsprechern der meisten Buden. Für mich hatte das nur wirklich gar nichts mit dem Festival zu tun.
     
    Wacken ist eine eingeschworene Gemeinde, in der jeder so sein kann, wie er will. Ich hatte das Gefühl, dass Wacken für die Fans eine Auszeit von der Gesellschaft ist, in der sie mit ihrem Musikgeschmack und Kleidungsstil nicht immer akzeptiert werden. Wacken bietet ihnen die Möglichkeit dies alles auszuleben und Anerkennung von anderen Metallern zu bekommen.
     
    Ich glaube, dies ist auch einer der Gründe, warum sie sich so gegen die Kommerzialisierung stemmen, denn diese bringt genau die Leute nach Wacken vor denen sie "geflohen" sind.
     
    Für mich war es sehr interessant dieses Treiben einmal aus der Nähe zu sehen. Stylingstipps werde ich dabei nicht mitnehmen und auch mein Musikgeschmack hat sich nicht erweitert. Musik, bei der ich so gut wie nie auch nur ein Wort verstehe und außer mit dem Kopf zu schütteln headbangen nicht wirklich tanzen kann, ist dann doch nicht meins.
     
    Aber wer weiß, vielleicht komme ich nächstes Jahr wieder. 

    Abreisetag im Wackinger Village: Auf dem Gelände sieht es mehr und mehr aus wie in einer Geisterstadt. Bis auf die Helfer, die das Festival in seine Einzelteile zerlegen.

    Auch die Wasteland Warriors packen zusammen. Gleich geht es zurück nach Leipzig.

    Hier kommt noch das Abschieds-Video unserer beiden Wacken-Videoreporter. Svenja und Kevin haben sich einen Showdown geliefert.
     
    Nach vier Tagen noch mein persönliches Fazit vom WOA: Ich war fasziniert von den vielen verschiedenen Ideen, die die Musiker auf die Bühne bringen. Gestern habe ich noch die Band Alien Weaponry aus Neuseeland gesehen, die teilweise auf Maori singen. Ich habe martialische Mexikaner und fröhliche Finnen gehört. Neue Bands zu entdecken, die sonst nicht unbedingt in Richtung Norddeutschland touren würden, macht beim WOA wirklich Spaß. Und zwischendurch habe ich es geschafft, die Bands zu sehen, die ich fest auf dem Zettel hatte. Ein paar Mal kam es aber leider zu Überschneidungen.
    Wacken ohne Schlamm ist auch von der Stimmung ganz anders - auch wenn der Staub einem schon zu schaffen macht. Meine Gummistiefel kommen ungetragen wieder nach Hause - und auch die Jacke hatte ich umsonst eingepackt. Gut so. 
    Ein Wacken ohne Schlamm wünsche ich mir auch fürs nächste Jahr! 
     
     
    Das Festival ist vorbei - doch wer das WOA vermisst, kann noch einen virtuellen Rundgang in 360-Grad über Camp und Infield machen, den mein Kollege Marc Schulz aufgenommen hat. Wir hoffen, das hilft ein wenig über den Trennungsschmerz hinweg und sagen Tschüß aus Wacken. Bis nächstes Jahr - Rain or Shine. Euer Team von shz.de
     
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