Wacken 2018 - Der Liveblog

Wacken 2018 - Der Liveblog

shz.de berichtet live vom Metal-Festival in Wacken.

    Guten Morgen! ☀️Tag vier ist angebrochen und heute sind es um diese Uhrzeit nur 24 Grad. Gestärkt mache ich mich jetzt an den Fußmarsch aufs Gelände. Trotz bequemem Bett und ausreichend Schlaf, macht sich langsam etwas Erschöpfung breit. Erstes Ziel wird der Kaffee-Stand sein. 😁🤘🏻
    Foto: Marc Schulz
    Heute ist der letzte Tag des mutmaßlich heißesten WOA. Auf dem Campground sind die Leute immer erfinderischer, sich abzukühlen. Mein Kollege Marc hat eine Poolparty in einer 360-Grad-Aufnahme festgehalten.
    Guten Morgen, wir starten in den letzten Wacken-Tag. Heute drehen wir noch mal auf und öffnen uns zum Frühstück mal fremden Kulturen: Rap. Um den Schock milde zu halten, gibt es den Sido-Song "Mein Block" hier aber in einer Version mit ordentlich Geküppel. 
     
     
    Nachtstimmung in Wacken.
     
     
    Wir hoffen, ihr seid gut durch die Nacht gekommen. Auf unserem Campingplatz war zumindest ziemlich viel los. Unter anderem torkelte ein Herr über den Platz und beschwerte sich über zu laute Generatoren. Sich auf einem Metal-Festival über Lautstärke beschweren....tja 😒
    Schwere Glieder und noch nicht so richtig in Schwung?! Hier gibt es etwas zum Nachwerden: Elton John - in einer verträglichen Version - im Mashup mit Chop Suey von System of a down.
     

    Heimlicher Ausflug aus dem Altenheim

    Eine Streife hat gegen 3 Uhr zwei betagte Herren aufgegriffen, die sich aus einem Dithmarscher Altenheim auf den Weg nach Wacken gemacht hatten. Die Beamten konnten die beiden sicher nach Hause bringen - auch wenn die Senioren sich nur widerwillig auf den Heimweg machen wollten.

    Drogen abgefangen

    Aus polizeilicher Sicht ist das diesjährige W:O:A bisher eine wie aus den Vorjahren gewohnt friedliche Veranstaltung, teilte die Polizei am Sonnabend mit. Dennoch gab es mehrere Drogendelikte. 

    Am Freitagnachmittag versuchte ein 42-Jähriger, mit zwei Joints auf das Gelände zu gelangen. Das Sicherheitspersonal entdeckte die Drogen und informierte die Polizei. Der Mann aus Baden-Württemberg musste die Joints abgeben und wird sich wegen des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten müssen. Drei seiner Begleiter waren ebenfalls mit Rauschmitteln im Gepäck unterwegs - sie erwartet ebenfalls eine Anzeige.

    Auch ein 44-jähriger Hamburger wollte mit Cannabiskraut und einem Joint in der Tasche aufs Gelände und wurde von der Polizei abgefangen.

    Zudem versuchte ein 29-Jähriger aus dem südlichen Baden-Württemberg, mit Drogen in der Tasche durch den Wacken-Plaza-Eingang zu kommen. Auch in diesem Fall stellte die Polizei Strafanzeige.

     

    Die neue Ausgabe der Festival Today ist da. Auf dem Wacken-Gelände als Zeitung und online unter shz.de/wacken

    Auch eine waschechte Lovestory ist in der Festival Today: Florian und Dominique haben sich auf dem Festival verlobt 😍

    Das Metal-Mekka neigt sich dem Ende entgegen. Dabei müssen wir heute voraussichtlich nicht so viel schwitzen wie die vergangenen Tage, Mit rund 26 Grad und der ein oder anderen Wolke vor der Sonne soll das Wetter deutlich kühler werden - zum Glück!

    Am Freitag zogen sich bei Temperaturen von mehr als 30 Grad  viele Besucher einen kräftigen Sonnenbrand zu, wie der Rettungsdienst mitteilte.

    Zudem sollen am Sonnabend die ersten Musiker des 30. Jubiläums vorgestellt werden, das im kommenden Jahr stattfinden soll. 2018 standen laut Veranstalter knapp 200 Bands auf den Bühnen.

    Wie ihr schon mitbekommen habt, unser Tickerteam besteht aus Menschen mit unterschiedlichen "Wackenerfahrungsstufen". Merle (das erste Mal in Wacken und Heimschläferin) und Dani (wackenerprobt, schläft stilecht auf dem Campingplatz) haben mal ihren Morgenroutine für euch gegenübergestellt.

    Wassermarsch. Ein kleiner Versuch, dem Staub Herr zu werden.

    Unsere Videoreporterin Svenja hat sich von Metalheads herausfordern lassen.
     
     
    Festival-Reporter Michael Althaus hat mit dem Religionsexperten Gregor Betz gesprochen und fragte ihn:
     
    Fans sprechen von Wacken als „Metal-Mekka“, nennen das Festivalgelände „Holy Ground“ und tragen T-Shirts mit der Aufschrift „Metal is religion“. Wird hier ein Festival zur Ersatzreligion? 
    Betz: Ich würde, weniger abwertend, eher von Religionsäquivalent sprechen. Es ist richtig, dass beim Wacken-Open-Air zahlreiche religiöse, insbesondere christliche Bestandteile übernommen werden, etwa auch das Motto „Louder than hell“ oder der brennende Schädel, der an das Kreuz erinnert. Überhaupt hat das ganze Festival Züge einer Wallfahrt.

    Das ist der Emergency Room auf dem WOA: Während des Festivals betreiben hier Jürgen Schumacher vom Deutschen Roten Kreuz Kaltenkirchen und 600 weitere ehrenamtliche Mitarbeiter die Klinik für die temporäre Großstadt Wacken.

    Das Dörflein mit etwa 1800 Einwohnern dehnt sich während des WOA auf 120.000 Menschen auf, die hier natürlich auch eine entsprechende ärztliche Versorgung benötigen. "Poliklinik Wacken" nennt Schumacher das weiße Zelt ein wenig abseits vom Infield. "Wir machen hier alles, was sonst auch in einer Notaufnahme ankommt", sagt der 57-Jährige. Von Zahnschmerzen, kleineren Verletzungen bis hin zu hitzebedingten Kreislaufproblemen sei hier alles vertreten. "Aber im Vergleich zu einer Stadt mit dieser Einwohnerzahl ist es eher ruhig. Die lLeute sind friedlich und es gab bisher noch keine schweren Notfälle wie Schlaganfälle." Besonders häufig in diesem Jahr: Hitzeerschöpfung. Einige kamen durchgegart mit Pusteln an.

    Karsten Wiese nimmt die Patienten auf und schaut, was zu tun ist. Normalerweise arbeitet er in der Uniklinik Bonn, doch seit elf Jahren macht einmal im Jahr die Wackener Notaufnahme. „Es ist ein cooles Zusammenarbeiten“, sagt er. Gerade nimmt er jemanden auf, der sich am Fuß verletzt hat. Eine Moshpit-Verletzung. Der Patient gibt sich tapfer.

    In diesem Jahr haben sich bereits 3000 Patienten im Sanizelt behandeln lassen. Jürgen Schumacher vom DRK sagt: "Das ist nicht so viel, wenn man bedenkt, dass darunter auch Leute sind, die nur mal ein Pflester brauchen." 125 Patienten mussten aber ins Krankenhaus nach Itzehoe gebracht werden. Denn alles machen die Sanis im Zelt nicht.
     
    "Letztes Jahr kam sogar ein australischer Gast, der regelmäßig zur Dialyse musste", sagt Schumacher. "Das können wir hier schlecht machen. Den haben wir dann nach Itzehoe gebracht."

    Lioba kümmert sich um die Patienten mit ernsteren Problemen. Sie ist froh, dass es aber keine krassen Fälle gab. „Unsere Metaller sind ja lieb“, sagt sie. Von anderen Festivals habe sie da schon ganz andere Sachen gehört.

    Ich muss ja zugeben, dass ich bisher einen Bogen um das eSports-Zelt gemacht habe. Es ist in diesem Jahr zum ersten Mal in Wacken und hat auch einiges an Kritik abbekommen. Denn die ganz eingefleischten Metalfans fürchten um die Trueness des Festivals. Unser Videoteam hat mal geschaut, was die Gamer so machen. 
     

    Kleine Träumerin (l.) und Surreal Spheres laufen als Bodypaint-Models über das Festival und sammeln Spenden, wenn jemand ein Foto machen möchte. Das Geld geht an die Wacken Foundation.

    Wacken. Das war bis 1990 irgendeine kleine Gemeinde im Kreis Steinburg. Eine, wie es viele gibt in Schleswig-Holstein. Nach dem ersten Open Air wurde Wacken zum Treffpunkt der Heavy-Metal-Szene in Norddeutschland. Im Jubiläumsjahr 2014 hat unsere Kollegin Barbara Maas ein Paar besucht, das seit den Anfängen des Festivals dabei war. Jörg Schönberg und Kerstin Fölster aus Hohenlockstedt erzählen in einer großen Multimediareportage vom Zauber des WOA.
    Die Körperkunst entsteht mit der Hilfe von Farbenzauber und Fleischfaerber. "Das dauert etwa vier Stunden, bois man fertig ist", sagt Surreal Sheres (die ihren echten Namen nicht verraten mag).
     
    Ich habe sie auch gefragt, ob sie Probleme mit übergriffigen Besuchern hatte. "Nein, die Leute können sich hier benehmen", sagt sie. "Die allermeisten sind respektvoll und ich bin auch schon allein so rumgelaufen."

    Dieses Wacken macht echt hungrig.
    Ich bin beeindruckt wie gut die Verpflegung der mehreren hundert Helfer klappt. Von 6 Uhr bis 11 Uhr gibt es Frühstück. Abschließend bis 16 Uhr Mittag und bis 4 Uhr nachts Abendbrot. Ständig wird alles mögliche nach- und aufgefüllt. Es gibt immer Salat und Obst. Nur das Wacken-Eis ist schnell vergriffen und die Truhe bleibt dann leer.

    Peter Hinrichs forscht an der Christian-Albrechts-Universität Kiel über die Metal-Szene.
     
    Viele Angehörige der Metal-Szene sehen sich selbst als eine Art Underground-Gemeinde. Aber vielleicht ist die Szene mittlerweile gar nicht mehr so underground, denn zumindest in der Wissenschaft wird Metal immer mehr Beachtung geschenkt. Metal Studies sind mittlerweile im allgemeinen Forschungsdiskurs etabliert; es gibt Forschung, Fachkonferenzen und Promotionsvorhaben zum Thema.
     
    Mit einem, der wissenschaftlich auf die Metal-Szene schaut, haben wir im Vorfeld von Wacken gesprochen. Peter Hinrichs arbeitet am Seminar für Europäische Ethnologie/Volkskunde an der Christan-Albrechts-Universität zu Kiel und forscht hier zur Kreativität in der Metalszene.
     
    Und den ganzen Rest erzählt er euch selbst.
     
    Wer sind Sie und was machen Sie?
    Was ist eine Szene und was zeichnet die Metalszene aus?

    Peter Hinrichs forscht über die Metal-Szene. Aber was ist eine Szene überhaupt? (1/2)

     

    Szenen werden in den Kultur- und Sozialwissenschaften als Vergemeinschaftungsformen verstanden, in denen Menschen auf Basis eines gemeinsamen Interesses an einem Thema (Musik, Sport, Politik etc.) miteinander kommunizieren und interagieren und so ein lockeres Netzwerk formen. Dabei ist davon auszugehen, dass die Menschen eine starke Bindung zu dem jeweiligen thematischen Gegenstand entwickeln und eine darauf bezogene Gesinnung teilen.

    Peter Hinrichs forscht über die Metal-Szene. Aber was ist eine Szene überhaupt? (2/2)
     
    Die Medien, allen voran das Internet, haben dabei die Art und Weise, wie man an Themen herantritt (z.B. das Entdecken von Musik) massiv beeinflusst. Die Beschäftigung mit einer Szene steht deshalb prinzipiell jedem offen, weshalb man auch nicht davon ausgehen sollte, dass Szenen homogene Kollektive sind, sondern dass hier ganz unterschiedliche Personen zusammenkommen. Eine Szene umfasst damit neben den Treffen auf entsprechenden Veranstaltungen auch die Kommunikation und Interaktion im Netz.
    Die Metalheads vom "Ausrastplatz" lassen es am letzten Tag des WOA ruhig angehen. Ihr Motto: nicht schwitzen!
     

    Was ist die Metal-Szene? (1/2)

    Das Thema der Metal-Szene ist natürlich die Musik. Alles, was seit den musikalischen Anfängen von Bands wie Black Sabbath oder Deep Purple mit dem Begriff Metal in Verbindung gebracht wurde und wird, ist Teil der Metal-Historie und damit auch prinzipiell von Bedeutung für die Metal-Szene und ihre zahlreichen Subgenres und Subszenen. Metal hat wie kaum ein anderes Musikgenre zahlreiche Varianten hervorgebracht, die mitunter so unterschiedlich sind, dass der gemeinsame Nenner manchmal nur schwer zu erkennen ist.

    Für Stimmung sorgen heute unter anderem die Bands "In Extremo" und "Die Apokalyptischen Reiter".

     
    In Extremo
     
    In Extremo gehört in diesem Jahr zum Wacken Line-up. Die siebenköpfige Band ist für ihren Mittelalter-Rock bekannt.1,5 Millionen Platten hat die Band bisher verkauft und gehört damit zu den erfolgreichsten im Bereich Mittelalter-Rock. Im vergangenen Jahr spielte In Extremo als Vorband für KISS.
     
    Hier gibt es schon mal eine kleine Kostprobe. Live stehen die Musiker am Sonnabend ab 01.40 Uhr auf der Harder Bühne.
     
    Was ist die Metal-Szene? (2/2)
     
    Gerade diese Vielfalt ist sicherlich auch ein Grund dafür, neben der gestiegenen Präsenz in den Medien, dass Metal immer populärer wurde, da die Auswahl so groß ist und die verschiedenen Stile und Inszenierungen von Bands auch unterschiedliche Geschmäcker ansprechen. So gestaltet sich auch die Suche nach dem typischen Metalfan als schwierig, wenn man nicht nur vom stereotypen Muster des langhaarigen, bärtigen Mannes ausgeht, der sich mit okkulten Symbolen schmückt. Daher kann man hinsichtlich sozialer und kultureller Hintergründe sowie politischer Einstellungen auch kein eindeutiges Bild dieser Szene zeichnen. Metal ist mittlerweile ein weltumspannendes Phänomen.
    Was ist Kreativität und wie äußert sich diese in der Metal-Szene?

    Was ist Kreativität? (1/2)

     

    Der Begriff der Kreativität stammt vom Lateinischen „creare“ (= schöpfen) und taucht in der Kulturgeschichte in synonymen Formen bereits in den griechischen Schöpfungsmythen auf, wo er als Eigenschaft von Göttern und Demiurgen beschrieben wird und semantisch zwischen Schöpfung und Zerstörung, Ordnung und Chaos pendelt.

    Was ist Kreativität? (2/2)
     
    Während Kreativität im Kontext der Philosophie seit Jahrhunderten ein Thema war, hat sich die Psychologie erst Mitte des 20. Jahrhunderts, ausgehend von der Intelligenzforschung, eingängig mit ihr beschäftigt. Eine Gemeinsamkeit zwischen philosophischen und psychologischen Verständnissen von Kreativität besteht darin, dass zwei (vermeintlich) gegensätzliche Denkformen aufeinandertreffen, deren Synthese als Kreativität bezeichnet werden kann. Philosophisch lässt sich dies als Verbindung von Noesis und Aisthesis (vereinfacht ausgedrückt rationales Denken und sinnliche Wahrnehmung), psychologisch als Zusammentreffen von konvergentem und divergentem Denken (das eher lineare Denken gegenüber dem nonlinearen, „wilden“ Denken) beschreiben. Die Sozialpsychologie gab der Forschung um Kreativität weitere wichtige Impulse, indem sie den Zusammenhang zwischen kreativen Individuen und ihrer sozialen Umgebung fokussierte.
    Die Frage nach dem Wesen und der Wirkung von Kreativität beschäftigt immer noch viele Disziplinen.
    Foto: dpa
    Während ich bei In Flames war, spielte übrigens Otto auf der Bühne nebenan.Daher hier der dpa-Bericht:

    "Ich freue mich hier zu sein, in Wacken", begrüßt er das Publikum. "Dann fangen wir doch gleich an mit einem kleinen Friesenlied. (...) Denn wir sind ja in Norddeutschland." Spätestens jetzt sind die letzten Zweifler im Publikum überzeugt. Die allermeisten in der Menge stimmen bei Friesenjunge ein. Noch lange nachdem Otto von der Bühne verschwunden sein wird, werden die Fans seine spezielle Version von Stings Welthit Englishman in New York im Chor weitersingen.

    Obwohl er in der Nacht zum Samstag mit dem Headliner In Flames konkurriert, sind Tausende gekommen. "Ich bin sehr überrascht, dass Otto auf Wacken so viele Leute anzieht", sagt Peter Schieritz. Das eigentlich für Heavy Metal bekannte Festival zieht vor allem Fans der harten bis härtesten Rockmusik an. "Otto ist ein Idol aus meiner Kindheit, deswegen bin ich hier", sagt der 41-jährige Sebastian Bohnstaedt.

    Ich habe heute einen Frank aus Frankfurt (ursprünglich aus Franken) getroffen, der sagte: "Man konnte Otto gar nicht richtig hören. In Flames war einfach viel lauter." Er zuckt mit den Schultern.

    Und Kreativität auf die Metal-Szene bezogen … (1/2)

     

    lässt sich sagen, dass auch die Metal-Szene eine eigene soziokulturelle Umwelt darstellt, die mit einem spezifischen Wissen über Musik, Symbole und generell Ästhetik einhergeht. Kreativität muss hier also in diesem Kontext gedacht werden. Eine Szene ermöglicht nicht nur kreatives Handeln, weil man sich hier auf informellen Wegen Wissen aneignet und mit zahlreichen Ideen konfrontiert wird, sondern sie limitiert Kreativität auch zu einem bestimmten Grad.

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