US-Luftangriff in Syrien
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US-Luftangriff in Syrien Live

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich aus aktuellem Anlass auf der Veranstaltung zur «Würdigung Ehrenamtlicher in der Flüchtlingskrise» im Kanzleramt zur Lage in Syrien geäußert.



  • Die Handlungen der USA sollten für eine Verhinderung weiterer Kriegsverbrechen durch das (syrische) Regime, darunter gegen die Zivilbevölkerung, unterstützt werden.

    Das ukrainische Außenministerium zur Offensive der USA.
  • Unterstützung für US-Präsident Donald Trump von der ehemaligen Rivalin: Noch vor den US-Angriffen äußerte die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, dass die Luftstützpunkte in Syrien aus dem Weg geräumt werden müssen und immer noch sollten.



  • Kanzlerkandidat und SPD-Chef Martin Schulz will um 14.45 Uhr eine Erklärung zur Entwicklung in Syrien abgeben.

  • Der UN-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien rät zu neuen Anstrengungen für eine Verhandlungslösung. «Das beste Gegengift zu dem Leiden ist Frieden», so O'Brien nach Angaben seines Sprechers. O'Brien. «Wir müssen den verschiedenen Dialog-Foren eine Chance geben, eine Friedenslösung zu finden.»

  • Zum ersten Mal äußert sich nun auch Syriens Präsident Syriens Baschar al-Assad. Er verurteilt den US-Raketenangriff als «rücksichtslos und unverantwortlich». Die Bombardierung sei mit Kurzsichtigkeit sowie politischer und militärischer Blindheit für die Realität erfolgt, erklärt das Präsidentschaftsbüros in Damaskus in einer Stellungnahme. Die USA hätten bei dieser «schändlichen Tat» den Flugplatz eines souveränen Staates angegriffen. Sie hätten gedacht, damit ihre «Komplizen unter den Banden und terroristischen Organisationen» unterstützen zu können. Die Aggression stärke aber nur die Entschlossenheit Syriens, diese zu vernichten, heißt es weiter.


    Foto: SANA/AP/dpa/Arrchiv
  • Momentaufnahme aus der türkischen Hauptstadt Ankara: Mitglieder der türkischen Handelsgewerkschaft beten stehend neben schwarz lackierten Kinder-Särgen mit Fotos derjenigen Kinder, die bei dem mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Chan Scheichun, getötet wurden. 


    Foto: Burhan Ozbilici, AP/dpa
  • Die Nato plant vorerst kein Sondertreffen zur neuen Lage Syrien. Die Bündnispartner seien aber in engem Kontakt und tauschten sich gegenseitig aus, so eine Nato-Sprecherin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur

    Ein militärisches Engagement der Nato in Syrien gilt weiter als äußerst unwahrscheinlich. Gegen eine stärkere Nato-Beteiligung hatte sich bislang unter anderem Deutschland ausgesprochen. Als Grund wurde genannt, dass ein Bündnisengagement Konflikte verschärfen oder zumindest Friedensbemühungen erschweren könnte.

  • Nach offiziellen syrischen Angaben sind bei den US-Luftschlägen neun Zivilisten getötet worden, darunter vier Kinder. Sie seien ums Leben gekommen, als Raketen in zwei naheliegenden Dörfern gelandet seien, meldet die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf nicht näher genannte lokale Quellen. Sieben Zivilisten seien verletzt worden, heißt es weiter.

    Syriens Armeeführung hatte zuvor von sechs Toten gesprochen. Unter ihnen sind nach offiziellen Angaben mindestens drei Armeeangehörige.


    Satellitenaufnahme vom al-Shayrat Flugfeld in Syrien. Die USA haben den Flughafen der syrischen Armee attackiert. Foto: DigitalGlobe via Department of Defense/AP/dpa
  • Inzwischen bestätigt auch der Kreml, von den USA vorab über den Angriff informiert worden zu sein. Das bestätigt der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dmitri Peskow. Unkommentiert lässt er die Frage, ob russisches Militär die Marschflugkörper absichtlich nicht abgefangen habe. Russland hat in Syrien auch das Abwehrsystem S-400 stationiert. 

    Russland stuft den Angriff als «Aggression gegen einen Verbündeten» ein, erklärt Peskow. Zudem rechtfertigt er auch die Aussetzung der Vereinbarung, mit der Militärs aus Russland und den USA Zwischenfälle in Syrien vermeiden wollten. «Das Memorandum hat mit dem Angriff heute Nacht seinen Sinn verloren.» Das Risiko von Zwischenfällen am Himmel über Syrien wachse dadurch nicht, es sei wegen des Vorgehens der USA ohnehin hoch.

  • Der russische TV-Sender Rossija 24 veröffentlicht zur Stunde Videoaufnahmen, die die Zerstörung auf dem angegriffenen syrischen Luftwaffenstützpunkt  zeigen sollen:

    YouTube | by Россия 24
  • Haben die USA mit dem Luftangriff gegen das Völkerrecht verstoßen? Stefan Talmon, Professor für Völkerrecht an der Universität Bonn, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur: «Hier haben die USA mehr oder weniger als Ankläger, Richter und Vollstrecker gehandelt, was völkerrechtlich natürlich nicht in Ordnung ist.» Für die Bombardierung habe keine Ermächtigung durch den UN-Sicherheitsrat vorgelegen.

    «Es handelt sich hier um eine Strafaktion, um eine Vergeltungsmaßnahme», meint Talmon. Militärmaßnahmen als Antwort auf eine Verletzung der Menschenrechte seien aber im internationalen Recht nicht vorgesehen.

  • EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ruft dazu auf, den Konflikt nicht weiter militärisch auszutragen. «Die Anstrengungen, die Spirale der Gewalt in Syrien zum Stillstand zu bringen (...), sollten nochmals verdoppelt werden», erklärt er. Lediglich ein politischer Prozess könne zu dauerhaftem Frieden führen. Der 62-Jährige macht zugleich deutlich, dass es für ihn «einen klaren Unterschied zwischen Luftangriffen auf militärische Ziele und dem Einsatz von Chemiewaffen gegen Zivilisten» gebe.

  • Das russische Verteidigungsministerium kündigt derweil an, die syrische Luftabwehr als Reaktion auf den US-Angriff zu verstärken. «Um die syrische Infrastruktur besser zu schützen, werden in Kürze mehrere Maßnahmen zur Stärkung und Verbesserung der Luftabwehr der syrischen Streitkräfte getroffen», so Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow.

  • Weitere Statements von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. Der SPD-Politiker warnt vor einer neuen Gewaltspirale in Syrien und fordert Russland auf, seinen Einfluss auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad geltend zu machen. «Natürlich ist Russland besonders gefordert, denn Russland unterstützt das Assad-Regime», erklärt der 57-Jährige. «Und zu was dieses Regime fähig ist, haben wir leider nicht erst vor wenigen Tagen gesehen. Es ist ein mörderisches Regime.»

  • Nach Darstellung des russischen Verteidigungsministeriums haben nur 23 Marschflugkörper ihr Ziel erreicht. Nach 36 weiteren «Tomahawk» werde gesucht, teilt das Ministerium in Moskau mit. «Die Effektivität des amerikanischen Raketenangriffs auf den syrischen Stützpunkt war extrem niedrig», erklärt Ministeriumssprecher Igor Konaschenkow. 

    Bei dem Angriff seien sechs Kampfjets zerstört worden, unter anderem auch ein Lagerraum, eine Kantine und eine Radarstation.

  • Im Netz kursieren derweil Videoaufnahmen, die die US-Luftangriffe auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt zeigen sollen. Das Filmmaterial stamme vom russischen Militär und sei mit einer Drohne aufgenommen worden.



  • Die syrische Regierung trägt nach Einschätzung von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg die volle Verantwortung für den US-Angriff auf einen ihrer Luftwaffenstützpunkte. «Jeder Gebrauch von Chemiewaffen ist inakzeptabel und kann nicht unbeantwortet bleiben», erklärt er. Die Verantwortlichen müssten ur Rechenschaft gezogen werden. Stoltenberg äußert sich nicht zu einer möglichen Ausweitung des Nato-Engagements. Er sagt lediglich: «Die Nato unterstützt alle internationalen Bemühungen, die darauf abzielen, in Syrien zu Frieden und zu einer politischen Lösung zu kommen.»

    Ein militärisches Engagement der Nato in Syrien gilt allerdings weiter als äußerst unwahrscheinlich. Sie ist bislang nicht einmal offizielles Mitglied der internationalen Koalition, die in Syrien und im Irak die IS-Terrormiliz bekämpft.

  • Für den Giftgaseinsatz in Syrien vom 4. April ist nach Einschätzung des deutschen Außenministeriums sehr wahrscheinlich das syrische Militär verantwortlich. Das Auswärtige Amt habe ein Kontaktnetzwerk in dem Bürgerkriegsland, erklärt ein Sprecher des Ministeriums.

    Verletzte seien in die Türkei gebracht worden, Bundesaußenminister Sigmar Gabriel habe gestern Abend mit seinem türkischen Kollegen Mevlüt Cavusoglu telefoniert. «Von daher gibt es eine große Anzahl von verschiedenen Informationen und Quellen, die alle daraufhin deuten und es damit sehr hochplausibel machen, dass dieser Angriff durch das Assad-Regime durchgeführt wurde», so der Sprecher.

  • Die türkische Regierung fordert die sofortige Ablösung der Regierung von Präsident Baschar al-Assad. «Man muss dieses Regime umgehend von der Spitze Syriens entfernen», so Außenminister Mevlüt Cavusoglu im Gespräch mit der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. «Die beste Methode dafür ist es, umgehend einen Übergangsprozess zu beginnen. (...) Man muss eine Übergangsregierung bilden.»


    Foto: Rainer Jensen, dpa/Archiv
  • Nach den Giftgas-Toten in der syrischen Stadt Chan Scheichun ist der Ort Aktivisten zufolge erneut aus der Luft angegriffen worden. Ein Flugzeug habe heute mindestens eine Rakete abgeschossen, teilt die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Es habe keine Opfer gegeben. Unklar sei, ob ein syrisches oder russisches Flugzeug für den Angriff verantwortlich sei.


    Überreste einer Granate: Bei einem mutmaßlichen Giftgas-Angriff in Chan Scheichun Anfang der Woche waren mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen. Foto: Edlib, ZUMA/dpa
  • Die USA demonstrieren mit den Luftschlägen die Entschlossenheit, die es angesichts der barbarischen chemischen Angriffe braucht.

    EU-Ratspräsident Donald Tusk zum US-Angriff. Die EU werde mit den USA zusammenarbeiten, um den Grausamkeiten in Syrien ein Ende zu bereiten.


  • «Es besteht Kriegsgefahr», meint EU-Außenexperte Elmar Brok. Der US-Luftangriff könne einen sehr ernsten Konflikt auslösen, so der 70-Jährige im Gespräch mit der Tageszeitung «Welt». «Wenn Moskau jetzt auf den amerikanischen Angriff militärisch reagiert und dieses wiederum Reaktionen auf amerikanischer Seite auslöst, kann dies zu einer Eskalation zwischen zwei Atommächten führen, die sich schnell hochschaukelt und unkontrollierbar werden könnte.»

    Der US-Angriff könne aber auch eine «Initialzündung für eine produktive Lösung» im Syrienkrieg sein, sagt Brok. «Um weitere Konfrontationen zu vermeiden, könnte Russland den Angriff als Signal verstehen, sich als Konfliktpartei in Syrien zurückzuziehen und die faktische Blockade der Genfer Friedengespräche endlich aufzugeben.» Dadurch würde Europa eine wichtige Mittlerrolle übernehmen.

  • Der Grünen-Abgeordnete Hans-Christian Ströbele wirft der Bundesregierung vor, US-Angriffen «ohne rechtliche Grundlage» zu akzeptieren. Sie «ermuntert Trump damit zum Weitermachen», schreibt Ströbele auf Twitter.



  • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Außenminister Sigmar Gabriel und SPD-Chef Martin Schulz über die Lage in Syrien beraten. Zudem habe sie am Vormittag mit dem italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni telefoniert, so Regierungssprecher Steffen Seibert. Er betont, die Bundesregierung setze sich geschlossen für einen politischen Übergang in Syrien und eine demokratische Beendigung der Regierung von Präsident Baschar al-Assad ein.

  • Donald Trump 2017: Auszug aus der Erklärung des US-Präsidenten aus der Nacht: «Ich habe heute Abend einen gezielten Militärangriff auf den Flugplatz in Syrien angeordnet, von dem aus die Chemieattacke gestartet wurde. Es liegt im entscheidenden nationalen Sicherheitsinteresse der USA, die Verbreitung und den Einsatz tödlicher Chemiewaffen zu verhindern und davon abzuschrecken. Es kann nicht in Frage gestellt werden, dass Syrien verbotene Chemiewaffen einsetzte, damit gegen seine Verpflichtungen gemäß der Chemiewaffenkonvention verstieß und die Aufrufe des UN-Sicherheitsrates ignorierte.»

    YouTube | by U.S. Department of State | by U.S. Department of State
  • Blick zurück: US-Präsident Donald Trump hatte seinem Amtsvorgänger Barack Obama in sehr ähnlicher Situation vor wenigen Jahren entschieden davon abgeraten. «Noch einmal, an unseren sehr dummen Anführer, greifen Sie Syrien nicht an», schrieb Trump im September 2013 in einer von mehreren ähnlich lautenden Twitter-Nachrichten. «Wenn Sie das tun, werden viele sehr schlimme Sachen passieren, und von dem Kampf haben die USA nichts!», hieß es weiter in dem Tweet, den der Bauunternehmer komplett in Großbuchstaben schrieb. Obama hatte damals dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad mit Luftangriffen gedroht, sollte er Chemiewaffen gegen das eigene Volk einsetzen.



  • Nach Ansicht des Grünen-Politikers Jürgen Trittin hat US-Präsident den Angriff vor allem aus innenpolitischen Gründen angeordnet. «Ich glaube, hier haben weniger völkerrechtliche Gründe eine Rolle gespielt als der Umstand, dass Donald Trump den ganzen Wahlkampf über Barack Obama als Weichei dargestellt hat», sagte Trittin im Deutschlandfunk. Trump sei «auf allen Kanälen» massiv unter Druck geraten, Unterschiede zu seinem Vorgänger zu demonstrieren.



  • Der russische Außenminister Sergej Lawrow vergleicht den US-Angriff mit der US-Invasion im Irak verglichen. «Das erinnert alles an die Lage 2003, als die USA und Großbritannien mit ihren Verbündeten in den Irak einmarschiert sind ohne die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates», so Lawrow. «Es ist bedrückend, dass den ohnehin zerbrochenen Beziehungen zwischen Russland und den USA weiterer Schaden zugefügt wird», erklärt Lawrow im Gespräch mit der Agentur Interfax. «Bleibt zu hoffen, dass diese Provokationen keine unumkehrbaren Ergebnisse nach sich ziehen.»

  • Ein Statement gibt es auch aus Ankara. Bereits gestern hatte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan in einer Rede gefordert, der US-Präsident müsse seinen «Worten Taten folgen lassen». «Wir betrachten die Luftangriffe der Vereinigten Staaten gegen die Schairat-Luftwaffenbasis an diesem Morgen als eine positive Antwort auf die Kriegsverbrechen des Assad-Regimes», teilt Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin mit. «Die Zerstörung der Schairat-Luftwaffenbasis ist ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass chemische und konventionelle Angriffe gegen die Zivilbevölkerung nicht ungestraft bleiben

  • Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat nach eigenen Angaben frühzeitig von dem US-Luftangriff erfahren. «Heute Nacht hat mich mein Kollege James Mattis über den Luftschlag auf eine syrische Luftwaffenbasis informiert», teilt die CDU-Politikerin mit.


    «Es kann nicht sein, dass in Idlib wieder Chemiewaffen eingesetzt wurden und die Welt nur zuschaut. Assad trägt für sein Handeln die volle Verantwortung»: Ursulan von der Leyen. Foto: Gregor Fischer, dpa/Archiv
  • Die Nato war über Angriff auf den Luftwaffenstützpunkt der syrischen Streitkräfte informiert. «Wir können bestätigen, dass der Generalsekretär im Vorfeld vom Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten informiert wurde», teilt eine Bündnissprecherin mit. Ob sich Nato-Gremien mit der neuen Entwicklung im Syrien-Konflikt beschäftigen werden, ist zunächst unklar. Man werde sich später zu dieser Frage äußern, so die Sprecherin.

  • Die Menschen in Syrien leiden sehr. Wir fordern alle Seiten dazu auf, ruhig zu bleiben und die Probleme durch Dialog und politische Maßnahmen zu lösen. (...) Die Friedensgespräche müssen vorangetrieben werden, um in der Region wieder Stabilität zu schaffen. 

    Hua Chunying, Sprecherin chinesischen Außenministeriums. 
  • Nach Angaben der syrischen Armee sind bei US-Angriff auf den Militärflugplatz sechs Menschen getötet worden. Es habe zudem Verletzte und großen materiellen Schaden gegeben, heißt in einer Erklärung der Militärführung in Damaskus.

    Die «amerikanische Aggression» verstoße gegen internationale Gesetze und untergrabe den Kampf Syriens gegen den Terrorismus. Die USA seien zu einem Partner der IS-Terrormiliz und des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida geworden. Der angebliche Chemieangriff auf die Stadt Chan Scheichun sei nur ein Vorwand gewesen. 

  • SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fordert, dass Europa sich im syrischen Bürgerkrieg stärker diplomatisch engagiert. «Viel zu lange haben wir Europäer nur auf die Vereinigten Staaten und Russland geschaut», erklärt der SPD-Chef. Europa müsse mehr Verantwortung übernehmen - «politisch, nicht militärisch». Syrien brauche es jetzt umso drängender eine diplomatische Lösung des Konflikts. «Das ist die Stunde der Gespräche, nicht der Bomben», so Schulz.

    Dass der UN-Sicherheitsrat nicht in der Lage sei, auf einen mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien «eine klare Antwort zu formulieren», nennt Schulz «mehr als beunruhigend.» Die Weltgemeinschaft dürfe nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

  • Weitere Reaktionen: Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande stellen sich hinter den US-Luftangriff in Syrien. Syriens Präsident Baschar al-Assad «trägt die alleinige Verantwortung für diese Entwicklung», heißt es in einer verbreiteten gemeinsamen Erklärung Merkels und Hollandes. «Sein wiederholter Einsatz von chemischen Waffen und seine Verbrechen gegen die eigene Bevölkerung verlangten eine Sanktionierung, wie Frankreich und Deutschland sie bereits im Sommer 2013 nach dem Massaker von Ghuta gefordert hatten», heißt es weiter.

    Merkel und Hollande haben in den frühen Morgenstunden in einem Telefonat die Situation in Syrien nach dem Giftgaseinsatz vom 4. April und der US-Reaktion besprochen.


    Foto: Geert Vanden Wijngaert, AP/dpa/Archiv
  • Mittlerweile hat sich auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel geäußert. Er pocht auf eine politische Lösung in dem Bürgerkrieg. «So nachvollziehbar nach dem Versagen des Weltsicherheitsrats der Militäreinsatz der USA gegen die militärische Infrastruktur auch war, so entscheidend ist es jetzt, zu gemeinsamen Friedensbemühungen unter dem Dach der UN zu kommen», erklärt Gabriel am Rande seiner Mali-Reise.

    Es gelte jetzt, mit aller Kraft die Arbeit der Vereinten Nationen zu unterstützen, um eine politische Lösung zu erreichen. «Europa und auch Deutschland stehen dafür bereit», sagt Gabriel.


    Foto: Michael Kappeler, dpa
  • Im Gegensatz zu Russland und dem Iran begrüßen Israel, Saudi-Arabien und Großbritannien das Vorgehen des US-Präsidenten. «In Worten und Taten hat Trump eine starke und klare Botschaft ausgesandt, dass der Gebrauch chemischer Waffen nicht toleriert werden wird», heißt in einer Mitteilung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

    Aus London heißt es: «Die britische Regierung unterstützt die US-Aktion vollkommen. Sie war unserer Meinung nach eine angemessene Antwort auf die barbarische Attacke des syrischen Regimes mit chemischen Waffen. Sie zielt darauf ab, vor weiteren Angriffen (mit Chemiewaffen) abzuschrecken.»

  • Auch der Iran geht mit Washington hart ins Gericht: «Diese militärischen Alleingänge sind gefährlich und schädlich», erklärt Außenamtssprecher Bahram Ghassemi. In der derzeitigen Lage würden diese Operationen nur die Terroristen stärken, die Krise in Syrien noch weiter eskalieren lassen und Hoffnungen auf eine politische Lösung noch mehr erschweren, so der Sprecher laut Nachrichtenagentur ISNA. Außerdem seien die Hintergründe des mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien immer noch unklar, heißt es von Ghassemi.

  • Die Reaktion aus Moskau ließ nicht lange auf sich warten: Kreml-Chef Wladimir Putin verurteilt das US-Bombardement gegen syrische Regierungstruppen als Angriff auf die Souveränität Syriens verurteilt.

    «Präsident Putin hält die amerikanischen Angriffe für eine Aggression gegen einen souveränen Staat, gegen das Völkerrecht, dazu noch mit einem erdachten Vorwand», erklkärt Kremlsprecher Dmitri Peskow am frühen Morgen. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt. 

  • US-Präsident Donald Trump stellt den US-Luftangriff als Akt der Verteidigung nationaler Sicherheitsinteressen der USA dar. Er habe den Angriff selbst angeordnet, so Trump. Von dem ins Visier genommenen Flugplatz sei vor wenigen Tagen ein Angriff mit Giftgas ausgegangen, erklärt Trump.

    «Ich rufe heute alle zivilisierten Nationen auf, sich uns anzuschließen»
    , sagt Trump. Das Blutvergießen müsse beendet werden. Mit dem Giftgasangriff habe Syrien seine internationalen Verpflichtungen und UN-Resolutionen verletzt. 


    Foto: Alex Brandon, AP/dpa
  • Die «Tomahawk» ist der bekannteste Marschflugkörper der USA. Die Waffe gibt es in verschiedenen Versionen mit Reichweiten bis zu 2500 Kilometern. Sie sind auf Schiffen und U-Booten stationiert. «Tomahawks» wurden unter anderem im Golfkrieg 1991 und im Irakkrieg 2003 massiv eingesetzt.


    Foto: Robert S. Price, US-Navy/AP/dpa
  • Mehrere Dutzend Raketen des Typs Tomahawk seien abgeschossen worden, erklärt eine Pentagon-Mitarbeiterin. US-Medien berichten von mehr als 50 Raketen, die von Kriegsschiffen im Mittelmeer abgefeuert worden seien. 


    Foto: Ford Williams, US-Navy/AP/dpa
  • Liebe Leserinnen und Leser, in Syrien droht die Lage zu eskalieren. Wenige Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff lässt US-Präsident Trump Raketen auf einen Flughafen der syrischen Armee abschießen. Er ruft zu einer internationalen Koalition auf, um das «Schlachten» zu beenden. Wir begleiten die aktuellen Entwicklungen am heutigen Tag mit einem Liveblog! 

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