Schnee-Chaos in und um Flensburg

Schnee-Chaos in und um Flensburg

In der Region Flensburg geht es am Donnerstagmorgen nur ganz langsam voran. Die Schule fällt aus und die Menschen kämpfen sich ihren Weg zur Arbeit frei.

    Nach Polizeiangaben war die Frau gegen 15 Uhr mit ihrem Opel Corsa von Schwarzenbek über die Dörfer auf dem Weg nach Lauenburg, um dort ihre Enkelkinder zu besuchen. Kurz vor Gülzow fuhr sie in eine Schneewehe, so dass sie die Kontrolle über ihr Auto verlor und auf dem Dach im rechten Straßengraben landete. Der von einem Zeugen angeforderte Rettungsdienst und hinzu gerufene Feuerwehrleute aus Gülzow und Kollow befreiten die Frau aus dem zerstörten Auto.
    Eine Schwarzenbekerin (85) verunglückte am Donnerstagnachmittag zwischen Kollow und Gülzow schwer, als sie mit ihrem Kleinwagen in eine solche Verwehung auf der Straße geriet, ins Schleudern kam und sich überschlug. Der Notarzt brachte die Seniorin mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. 
     
    Gefährliche Situation auf den Landstraßen im Lauenburgischen: Eigentlich sind die Straßen bereits von den am Montag und Dienstag gefallenen Schneemassen befreit gewesen. Doch jetzt sorgen überraschend auftretende Schneewehen auf den Straßen außerorts für Gefahr. Foto: Timo Jann
     

    In Flensburg sorgt der Schnee nicht nur für Probleme, sondern auch für Erheiterung.

    Wie sich das Schnee-Chaos auf den Straßen in und um Flensburg darstellt, hat unser Reporter Peter Wüst im Video festgehalten.

    Wie sieht es am Freitag aus? Im Tagesverlauf ist weiterhin mit Schneefall zu rechnen. Die Lage entspannt sich weiter.
    • Dauerfrost und Schnee sollen nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes DWD auch am Wochenende die Herrschaft über Schleswig-Holstein behalten.
    • Am Montag droht dann Blitzeis auf den Straßen in SH.
    • Das Betreten von Eisflächen im Land bleibt weiterhin lebensgefährlich
    • Die Feuerwehr befreite in Flensburg zahlreiche Häuser von gefährlichen Eiszapfen und Schnee.
    • Der Busverkehr in Nordfriesland und Schleswig-Flensburg ist zum Teil eingeschränkt.
    • Die Elbfähre Glückstadt-Wischhafen stellt ihren Betrieb bis einschließlich Sonntag ein.
    • Zwischen Flensburg und Süderbrarup sind am Freitagmorgen mehrere Züge im Regionalverkehr ausgefallen. Es hatte Schneeverwehungen gegeben.
    • Auf der Elbe sorgen Eisgang und Frost für Behinderungen.
    • Auch so mancher Briefkasten blieb leider leer. Unsere tapferen Zeitungs-Zustellerinnen und -Zusteller geben ihr Bestes, damit jede Zeitung ausgeliefert wird. Wir bitten um Ihr Verständnis.
    Aufgrund der derzeitigen Witterungslage fällt der Unterricht an allen öffentlichen Schulen in der Stadt Flensburg aus. Auch in den Kreisen Nordfriesland und Schleswig-Flensburg sind einige Schulen vom Unterrichtsausfall betroffen. Eine Übersicht:
     
    Kreis Nordfriesland:
    Süderlügum
    Neukirchen
    Ladelund-Achtrup
    Klixbuell
    Niebuell
    Risum-Lindholm
    Leck (einschl. Außenstelle Enge-Sande)
    Langenhorn
    Bredstedt
    Bredstedt-Breklum-Bordelum
    Drelsdorf – Joldelund
     
    Kreis Schleswig-Flensburg:
    Adelby
    Harrislee
    Handewitt
    Schafflund
    Großenwiehe
    Wanderup
    Oeversee
    Sieverstedt
    Gluecksburg
    Munkbrarup
    Langballig
    Steinbergkirche
    Sterup
    Satrup
    Suederbraup
    Husby
    Tarp
    Sörup
    Böklund
    Medelby
    Kappeln
    Karby
    Gelting
    Eggebek
    Jörl
     
    Nicht Wladiwostok, sondern die Fußgängerzone von Flensburg: Räumdienste haben Schneeberge en masse zusammengeschoben. Foto: Gunnar Dommasch
     
    Und noch mehr Wintersportler sind in Flensburg unterwegs, hier in der Schloßstraße. Foto: Sand
     
    Snowboarder, ein wirklich seltener Anblick in Flensburg. Foto: Benjamin Nolte
     
    Wer die Chance hat, sollte sich seinen Schlitten oder ähnliche Gefährte schnappen. Das sieht nach jeder Menge Spaß aus. Foto: Benjamin Nolte
     
    Die Feuerwehr ist in Flensburg dabei, extrem lange Eiszapfen vorsichtshalber zu entfernen. Foto: Benjamin Nolte
     
    Schmunzel-Stück, Part III, aufgenommen bei Freienwill: "Seitenstreifen nicht befahrbar"
     
    Die Polizei gibt noch keine Entwarnung. "Noch hat sich die Lage auf den Straßen nicht beruhigt. Es muss weiterhin mit starken Verkehrsbehinderungen in Flensburg und den Kreisen Schleswig- Flensburg und Nordfriesland gerechnet werden. Wer die Möglichkeit hat, der sollte auf sein Fahrzeug verzichten."
    Die meisten Unfälle wurden bei der Kreisregionalleitstelle als „Verkehrsbehinderung“ oder „Gefahrenstelle“ geführt. Bedeutet: Autos und Lastwagen hatten sich in Schneewehen festgefahren oder kamen einfach nicht mehr vor oder zurück.
     
    In einem Fall hatten sich gegen 5 Uhr bei Grundhof fast gleichzeitig sechs Fahrzeuge in einer Schneewehe festgefahren. Zumeist blieb es bei leichten Blechschäden.
    Bei einem Unfall um 12.08 Uhr auf der B 199 bei Hasselberg wurde allerdings ein 78-jähriger Mann schwer verletzt.
     
    Jetzt kommt die erste offizielle Zwischenmeldung der Polizei: Wie schon auf unsere Nachfrage vorhin gesagt, wurden mehr als 50 Schnee-Einsätze bis zum Mittag wahrgenommen. Dazu kommen noch unzählige Einsätze die von Feuerwehr, THW und anderen Organisationen bearbeitet wurden.
    In Harrislee ruht das öffentliche Leben heute weitestgehend: Der Busverkehr im Kreisgebiet, darunter in Harrislee, auf den Linien 1530 - 1540 ist am heutigen Donnerstag aufgrund der Witterungsverhältnisse eingestellt. Das Bus-Unternehmen Hansen-Borg schreibt dazu: "Hier geht doch die Sicherheit aller Menschen vor!!" Auch die ADS-Kindergärten in Harrislee bleiben heute aufgrund der Witterungsverhältnisse "grundsätzlich" geschlossen, auch der evangelische Kindergarten öffnete nicht. Ebenso bleiben die Sporthallen in Harrislee und die VHS-Räume in der Zentralschule Harrislee zu. Der Harrisleer Wochenmarkt allerdings, so steht es auf Harrislee.de, soll am Freitag, 2. März, wie gewohnt stattfinden.
    Das Technische Betriebszentrum bittet die Flensburger Bürger, keine Tonnen an den Straßenrand zu stellen, um die Begehbarkeit der Gehwege nicht noch weiter einzuschränken. Über einen möglichen Ausfall der Müllabfuhr in den kommenden Tagen wird das TBZ zeitnah auf der Internetseite www.tbz-flensburg.de sowie über die Medien informieren. Das TBZ bittet um Verständnis.
    Und noch eine Info: Wegen des „wetterbedingt geringen Publikumsaufkommens und der ebenfalls durch das Wetter ausgelösten, ausgedünnten Personalsituation“ schließt das Flensburger Rathaus mit allen Dienststellen für das Publikum heute bereits um 16 Uhr.
    Am Freitag wird in Flensburg der reguläre Betrieb der städischen Kitas angestrebt. Demnach werden die Einrichtungen am 2. März grundsätzlich geöffnet haben. Da witterungsbedingte Einschränkungen auch für morgen nicht ganz ausgeschlossen werden können, werden die Eltern gebeten, sich direkt bei ihrer zuständigen Kita zu erkundigen und dort auch mitzuteilen, wenn die Kinder nicht in die Kita gebracht werden.
    Gemeinsam mit der DKB Handball-Bundesliga sowie der HSG Wetzlar wird schnellstmöglich versucht, ein Ersatzspieltermin zu finden. Dieser wird voraussichtlich am 7./8. März in der Flens-Arena stattfinden. Die Eintrittskarten für die Partie behalten ihre Gültigkeit, können aber nicht zurückgegeben werden.
     
    Spielabsage in der Handball-Bundesliga
     
    Auf Empfehlung von mehreren Behörden hat die DKB Handball-Bundesliga gemeinsam mit der SG Flensburg-Handewitt entschieden, das heutige Heimspiel gegen die HSG Wetzlar aufgrund von sehr schlechten Witterungsverhältnissen durch starken Schneefall abzusagen. Den finalen Ausschlag gaben die Einschätzungen des zuständigen Katastrophenschutzes sowie der Berufsfeuerwehr Flensburg.
    Anhaltender Ostwind drückt weiter der Wasser aus der Deutschen Bucht weg, auch hat sich stellenweise Eis angesammelt. Das führt zu Engstellen im flachen Fahrwasser des Wattenmeeres, wo bei Niedrigwasser selbst Schiffe mit wenig Tiefgang wie die Inselfähren Probleme bekommen.
    Extremes Niedrigwasser von - 1,5 Metern behindert den Fährverkehr zu den Inseln und Halligen in Nordfriesland. Die Halligfähre am Fähranleger in Ockholm verspätete sich am Vormittag um 1,5 Stunden. In Dagebüll wurde der Fährverkehr zu den Inseln Föhr und Amrum ebenfalls beeinträchtigt.
    Foto: Daniel Friederichs
     
    In Flensburg ist der Citti-Markt geschlossen worden. Auf das Lebensmittelgeschäft im Citti-Park drückt in zwei Bereichen die Schneelast aufs Dach, sagt Center-Manager Jörg Barth, deshalb habe man sich für die Räumung entschieden. Die Feuerwehr und das Technische Hilfswerk wurden angefordert. Aller Voraussicht nach werde der Citti-Markt heute auch nicht mehr geöffnet, die übrigen Geschäfte im Citti-Park blieben aber geöffnet. 
    von Onlineredaktion bearbeitet von Christina Norden, shz.de 3/1/2018 1:04:08 PM
    Das eiskalte Wetter hat auch Auswirkungen auf die etwa 1860 Tiere im Hamburger Tierpark Hagenbeck. Während die Eisbären die arktischen Temperaturen genießen, bedeuten sie für die Elefanten und Giraffen „Stuben-Arrest“. Zu ihrem eigenen Schutz, erklärte eine Sprecherin: „Die Tiere könnten mit ihrem Gewicht die dünne Schneeschicht ihrer Außengehege schnell in spiegelglatte Eisflächen verwandeln. Schwere Stürze und die Gefahr von Verletzungen wären sonst vorprogrammiert.
     
    Andere exotische Bewohner wie Löwen oder Paviane können hingegen frei entscheiden, ob sie in ihrem geheizten Haus bleiben. Die Gräben vor dem Tiger-Gehege frieren übrigens nicht zu. Sprudler sorgen dafür, dass das Wasser offen bleibt und weiterhin als Zaun funktioniert, sagte die Sprecherin.
    Zwischenstand vom Sylt-Shutte:
    - Die Syltfähre fährt seit 9.30 Uhr wieder. Für den Rest des Tages wird mit regulärem Verkehr gerechnet.
    - Der Sylt Shuttle verkehrt bereits seit 7:30 Uhr wieder. Für den heutigen Tag müssten sich Fahrgäste jedoch auf abweichende Fahrtzeiten und etwas weniger Abfahrten als gewohnt ein stellen, teilt DB mit.
    - Nach erfolgreicher Räumung von Terminal und Zügen rollt auch der Verkehr des RDC-Autozugs Sylt wieder. Fahrgäste müssten sich aber ggf. auf Verspätungen einstellen, bis sich der Bahnverkehr auf dem Hindenburgdamm fahrplanmäßig wieder eingespielt hat, so der Betreiber.
    Einige Flensburger helfen sich mittlerweile selbst – mit Schaufel und Jodsalz. Richtiges Streusalz dürfen Bürger in der Regel allerdings nur bei Eisregen einsetzen.  Foto: Kevin Mischker
     
    Die Behinderungen der Binnenschifffahrt im Norden dauern an.
    • Wegen Eisganges ist der Elbe-Lübeck-Kanal zwischen Lauenburg und Lübeck nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung bereits seit Mittwoch fast auf ganzer Länge gesperrt.
    • Auf der Elbe ist die Schifffahrt zwischen den Häfen Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern und Bleckede in Niedersachsen behindert, am Hafen Lauenburg und an der Schleuse Geesthacht sind Eisbrecher im Einsatz. 
    • Wegen des Eisgangs warnte das BSH, dass auf der gesamten Länge der Schlei zwischen Kappeln und Schleswig das Befahren mit Schiffen ohne Eisverstärkung beziehungsweise Stahlschiffen mit niedriger Maschinenleistung schwierig sei. Holzschiffe sollten sogar dann in den Häfen bleiben, wenn sie einen Eisschutz haben, hieß es.
     
    Die Behörden warnten in dem Zusammenhang vor dem Betreten gefrorener Gewässer. Das Eis sei noch zu dünn und nicht tragfähig, hieß es. 
    An den Küsten der Nordsee ist das Wasser noch offen. In einigen Häfen gibt es aber auch dort schon dünnes Eis, hieß es. Hier ein Bild aus Dänemark von der Fanø-Fähre: Die Nordsee eist langsam zu.
     
    Nicht nur Schnee ist angesagt: Der eisige Frühlingsbeginn lässt die Meere an Schleswig-Holsteins Küsten weiter zufrieren. An der Ostsee hat sich den Angaben des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie zufolge in den Häfen von Schleswig, Kiel und Heiligenhafen bereits dünnes Eis gebildet. Wegen der zum Teil starken Winde aus nördlichen bis östlichen Richtungen warnte das BSH vor einer möglichen Eisdrift.
     
    Dass auch Marinegeschütze aufgrund der derzeit dauerhaft herrschenden klirrenden Kälte gefrieren können zeigte sich heute Morgen beim Einlauf des ständigen Minenabwehrverbandes 1 der NATO (SNMCMG 1 - Standing NATO Mine Counter Measureses Group 1) im Kieler Tirpitzhafen.
    Foto: Rolf Dunkel
     
     
    Passanten in Flensburg sollten ebenfalls aufpassen: Es drohen Dachlawinen und auch massive Eiszapfen könnten herunterfallen.
     
    An der Steigung der Duburger Straße versuchen sich immer wieder Autofahrer. Viele bleiben auf dem Weg nach oben hängen, bergab ist es eine Schlitterpartie.
     
    In der Schloßstraße auf Duburg haben nur wenige die Muße, ihr Auto freizuschaufeln. Ob man dann wirklich loskommt, ist ohnehin unklar.
     
     
    Die Burgstraße am Donnerstagmittag. Immer wieder fahren sich Autos fest und werden von Anwohnern und Passanten weitergeschoben. Das Schneechaos nehmen die Menschen aber offenbar gelassen. Die Hilfbereitschaft ist groß, man ist nett zueinander und die Dinge werden so akzeptiert, wie sie sind.
     
    von Gerrit Hencke, shz.de bearbeitet von Christina Norden, shz.de 3/1/2018 11:54:20 AM
    Aufgrund der starken Schneefälle im nördlichen Nordfriesland sind die Neben- und teils auch die Hauptwege nur noch unter Schwierigkeiten befahrbar. Landrat Dieter Harrsen meldet sich zu Wort: "Ich bin den freiwilligen Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk sehr dankbar dafür, dass sie unseren Rettungsdienst wieder unterstützen, damit kein Rettungswagen sich im Einsatz festfährt."
    Die Einsatzkräfte sind im nördlichen Nordfriesland heute nur als "Blaulicht-Paare" unterwegs. Das bedeutet, dass Krankenwagen von der Feuerwehr oder dem THW begeleitet werden, um im Notfall selbst schnell wieder aus dem Schnee gezogen werden zu können, wenn sie stecken bleiben. So fährt die Freiwillige Feuerwehr Bredstedt mit einem geländegängigen Unimog der Feuerwehrbereitschaft den Rettungswagen der Rettungswache Högel voraus, um bei Bedarf schnell helfen zu können. Das Foto haben wir gerade Kreissprecher Hans-Martin Slopianka bekommen.
     
    Ein großer Dank an alle Rettungskräfte!
     
    Am Freitag geht es laut DWD so weiter:
     
    Der aktuelle Wetterbericht des DWD für Schleswig-Holstein:
     

    Darf bei keinem Winterwetter fehlen ...

     
    Der Deutsche Wetterdienst hat seine Warnung vor Schneeverwehungen und Schneefall im Norden Schleswig-Holsteins bis Freitag, 8 Uhr, verlängert. Hier geht es zur Original-Meldung.
    Nun wird bei der SG Flensburg-Handewitt überlegt, das Spiel heute Abend gegen die HSG Wetzlar abzusagen. Sind doch die Zufahrten zur Halle teilweise nicht geräumt. Eine Entscheidung soll am frühen Nachmittag fallen.
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