G20 Live Blog
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G20 Live Blog

Das ist der Liveblog für den G20 Gipfel.

  • ▪ ▪ ▪ Das Wichtigste in Kürze ▪ ▪ ▪

    • Auch nach dem Ende des G20-Gipfels kommt es in Hamburg erneut zu gewalttätigen Ausschreitungen. Die Polizei setzt Wasserwerfer, Pfefferspray und Tränengas ein, um Sitzblockaden im Schanzenviertel aufzulösen. 
    • Randalierer werfen Flaschen, Steine oder Böller und rennen vor den Einsatzkräften weg. Die Polizei meldet mehrere Festnahmen
    • Die Konfrontation ist aber deutlich weniger heftig als in den Nächten davor. In den frühen Morgenstunden beruhigt sich die Lage laut Polizei.
    • Insgesamt 476 Polizeibeamte sind seit dem 22.6. im Zusammenhang mit den Einsätzen um den G20-Gipfel verletzt worden.
    • Insgesamt 186 Menschen wurden fest- und 225 in Gewahrsam genommen.

     

    von dpa-live Desk via dpa bearbeitet von Sarah Sauerland, shz.de 7/9/2017 1:31:04 AM
  • Alle Infos rund um den G20-Gipfel in Hamburg stets auf unserer G20-Übersichtsseite.
     
    Fragen oder Anregungen zur Berichterstattung zum G20-Gipfel auf shz.de? Nutzen Sie das Kommentarfeld oben.
  • Hallo liebe Leser, los geht es mit unserem Liveblog zum G20-Gipfel. Erstes Thema: Die Hamburger Linke fordert den Rücktritt von Innensenator Andy Grote (SPD).
  • Grund für die Rücktrittsforderung ist der aus Sicht der Linksfraktion rechtswidrige Polizeieinsatz bei einem G20-Protestcamp auf der Elbhalbinsel Entenwerder. Eine ausführliche Begründung dafür werde die Fraktion am Nachmittag im Rahmen einer Pressekonferenz (14 Uhr) im Hamburger Rathaus geben. Am Sonntagabend hatte es Tumulte in dem Camp auf Entenwerder gegeben, als die Polizei elf Zelte wegen eines von ihr verhängten Übernachtungsverbots entfernte. Die Demonstranten leisteten nach Angaben der Polizei Widerstand, ein Mensch wurde festgenommen. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.
  • Lob für die Arbeit der Polizei gab es von der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG). DPolG-Bundeschef Rainer Wendt sagt: 
     
    „Die bisherige polizeiliche Linie ist voll aufgegangen. Das Konzept ,Deeskalation durch Stärke' verhindert Straftaten schon im Entstehungsprozess und ermöglicht gleichzeitig den friedlichen Protest“.
     
    Trotz einiger Unwägbarkeiten etwa zur Zulässigkeit von Protestcamps habe die Einsatzleitung die richtigen Entscheidungen über Ausrichtung und Personalstärke getroffen. „Das liegt auch daran, dass endlich die Politik aus Bund und Ländern der Polizei den Rücken stärkt.“ Die Ankündigung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), gegen gewalttätige Gipfelstörer hart vorzugehen, nannte Wendt richtig. „An dieser Stelle darf es keine Toleranz geben.“ 
  • Derweil wurde bekannt, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schon vor dem eigentlichen Beginn des G20-Gipfels mit US-Präsident Donald Trump treffen will. Die Kanzlerin habe eine Begegnung „ins Auge gefasst, höchstwahrscheinlich am Donnerstagabend“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Kanzlerin führe als Gastgeberin vorab eine ganze Reihe von Gesprächen. „Das ist also etwas völlig normales“, fügte er hinzu.
    Der Gipfel finde in einer Zeit statt, in der das Prinzip des Multilateralismus nicht von jedem geteilt werde, erklärte Seibert.
     
    Merkel selbst dämpfte die Erwartungen an die Gespräche mit Trump. Sie sagte: 
     
    „Wir kennen ja bestimmte Positionierungen der amerikanischen Regierung, und da erwarte ich nicht, dass wegen einer zweitägigen Reise nach Hamburg diese Positionierungen ausgesetzt werden und sich im Kommuniqué plötzlich wiederfinden“.
     
    Es gebe auf dem Gipfel „jede Menge strittige Fragen“ zu diskutieren. Merkel sagte auch, sie glaube nicht, dass man am Ende aus dem Gipfel mit „geeinigten Positionen“ in allen Fragen hervorgehe, „aber miteinander reden ist ja in allen Fragen der internationalen Diplomatie vernünftig und richtig“. Offiziell beginnt der zweitägige Gipfel der wichtigsten Wirtschaftsmächte am Freitag.
  • Die Gipfel-Teilnehmer stehen vor schwierigen Themen. Klare Meinungsverschiedenheiten seien etwa beim Thema Klimaschutz zu erkennen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. „Das ist anspruchsvoll und schwierig in diesem Jahr - an vielen Ecken.“
     
    Das Redaktionsnetzwerk Deutschlands berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, bei Merkels Gespräch mit Trump solle es unter anderem um eine gemeinsame Initiative zur Eindämmung der Terrorgefahr sowie zur Finanzierung von UN-Friedenseinsätzen gehen. Außerdem wolle die Kanzlerin Chancen für eine globale Antwort auf die Flüchtlingsbewegung und ein entsprechendes G20-Signal ausloten.
     
  • Deutsche Hilfsorganisationen verlangen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), beim G20-Gipfel die wachsende Unterdrückung demokratischer Kräfte in mehreren Teilnehmerstaaten anzuprangern. Wer einfach nur zuschaue, „wie weltweit die Zivilgesellschaft unter Druck gesetzt wird“, dürfe sich nicht wundern, wenn die Welt immer unfriedlicher werde und der Klimaschutz nicht funktioniere, sagte die Präsidentin von Brot für die Welt, Cornelia Füllkrug-Weitzel, am Montag.
  • Barbara Unmüßig vom Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung sprach von einer „beispiellosen Repressionswelle“ in Ländern wie Saudi-Arabien, Russland und China. Diese Staaten setzten viel Eifer und Geld daran, „ihr Autokratie-Modell“ zu exportieren. Die Stiftung erlebe immer öfter, dass die Menschenrechte von Regierungen als etwas „Westliches“ diskreditiert würden.
     
  • Die Bundesregierung spreche oft über die Bekämpfung von Fluchtursachen, sagte der Geschäftsführer von Medico International, Thomas Gebauer. Seine Organisation habe aber festgestellt, „dass eher nur die Flucht bekämpft worden ist oder die Flüchtlinge“.
    Füllkrug-Weitzel warnte die Europäer davor, bei der Abwehr von Flüchtlingen mit Regierungen zusammenarbeiteten, die Menschenrechte missachteten. Dadurch schaffe sie „1a-Annerkennungsgründe für Asyl“.
     
  • Das Bündnis „Welcome to Hamburg“ kündigt wegen der Blockadehaltung der Polizei am Elbpark Entenwerder auf dem Demo-Blog „G20 Welcome to Hell" ein Ultimatum an:
    Sollte bis Dienstag, 04.07., um 10:00 Uhr das Camp mit Schlafplätzen nicht möglich sein, weil die Polizei weiterhin an ihrer Angriffs- und Eskalationsstrategie festhält oder die Politik der Stadt Hamburg es zu verhindern versucht, werden massenhaft und Spektren übergreifend Parks, Plätze, Flächen und Knotenpunkte der Stadt besetzt.
  • Die Polizei Hamburg äußert sich in einem Videostatement zum Einsatz am Protestcamp auf der Elbhalbinsel Entenwerder. Sprecher Timo Zill erklärt, warum man dort keine Übernachtungen duldet.
  • Polizei und Innenbehörde verteidigen ihr Vorgehen rund um das Protestcamp von G20-Gegnern auf der Elbhalbinsel Entenwerder.
     
    „Aus Sicherheitsgründen - auch zum Schutz der Bevölkerung - werden wir diese Camps nicht zulassen“. Polizeisprecher Timo Zill
    Die Rechtsposition der Polizei Hamburg sei vom Verwaltungsgericht ausdrücklich bestätigt worden. Das Gericht hatte die Auflagen gegen das Camp am Montag bestätigt. Demnach dürfen die G20-Gegner weder Schlafzelte aufstellen noch Küchen oder Duschen errichten. Umstritten ist aber, ob die Polizei bereits am Sonntagnachmittag ohne entsprechenden Gerichtsbeschluss die Errichtung des Camps - wie geschehen - hatte beeinträchtigen dürfen.
     
  • Es sei eine schwierige Rechtssituation gewesen, sagte Zill. Ein Nicht-Verbot bedeute aber nicht, „dass man völlig frei ein Camp aufbauen kann“. Es müssten Fragen wie Brandschutz, Fluchtwege und Sicherheitskonzeption vor Ort besprochen werden.
  • Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) stellte sich ausdrücklich hinter die Linie der Polizeiführung. In dem Camp auf der Elb-Halbinsel Entenwerder im Stadtteil Rothenburgsort seien keine Schlafzelte erlaubt, erklärte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow.
     
    Das Verwaltungsgericht Hamburg habe dieses Verbot bestätigt. „Für mich war es kein Rechtsbruch“, sagte Malchow zur Räumung von elf Schlafzelten am späten Sonntagabend. Die Linie für die Polizei sei völlig klar:
    „Niedrigschwellig einschreiten“, sagte der GdP-Landesvorsitzende Gerhard Kirsch.
     
    Die Gewerkschaft unterstütze dieses Vorgehen eindeutig.
  • Unterdessen wurde bekannt, dass auf das Wohnhaus von Hamburgs Zweiter Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) in der Nacht ein Farbanschlag verübt wurde. Gegen 2.45 Uhr in der Nacht seien Farbbeutel gegen die Fassade geworfen worden, sagte eine Polizeisprecherin am Montag auf Anfrage.
     
    Ob es einen Zusammenhang mit dem G20-Gipfel gibt, sei unklar. Es sei sofort eine Fahndung eingeleitet worden, die zunächst jedoch ergebnislos geblieben sei. Weitere Schäden oder Verletzte habe es nicht gegeben. Anders als ihre Partei stützt Wissenschaftssenatorin Fegebank als Teil des rot-grünen Senats das Treffen der Staats- und Regierungschefs in Hamburg.
  • Unter den G20-Teilnehmern ist auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Einen öffentlichen Auftritt des türkischen Präsidenten vor Landsleuten in Deutschland während dieser Reise hatte die Bundesregierung abgelehnt.
     
    Außenminister Sigmar Gabriel hatte erklärt, „dass ein solcher Auftritt angesichts der Konfliktlage, die es mit der Türkei gibt, nicht angemessen wäre und derzeit nicht in die politische Landschaft passt“.
     
    Der Sprecher der türkischen Botschaft, Refik Sogukoglu, hatte später im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ die Auffassung vertreten, für einen Auftritt des Präsidenten in einem türkischen Generalkonsulat bedürfe es keiner Genehmigung durch die Bundesregierung.
  • Einen Überraschungsauftritt von Erdogan in einem Konsulat hierzulande will die Bundesregierung aber nicht akzeptieren. „Ich höre oder lese von Gerüchten über mögliche Auftritte an Generalkonsulaten, vielleicht per Videoschalte“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes. „Für die Bundesregierung kann ich nur noch einmal bekräftigen, dass Auftritte dieser Natur mit einer hinreichend langen Vorlauffrist bei der Bundesregierung per Verbalnote, an das Auswärtige Amt gerichtet, zu beantragen wären.“ Alles andere wäre ein Verstoß gegen den von der deutschen Regierung vorgebrachten Willen.
  • Hamburgs Vorzeige-Drag-Queen Olivia Jones und ihre Freunde haben zum G20-Gipfel in ihren Kiez-Lokalitäten vorsorglich ein Hausverbot gegen „Populisten und Despoten“ verhängt. „Wir müssen leider draußen bleiben“, heißt es dreisprachig auf einem Aufkleber mit den durchgestrichenen Konterfeis der Staatschefs Trump, Erdogan und Putin, der im Vorfeld des Gipfels auf vielen Türen von Kiez-Clubs und St.-Pauli-Treffpunkten zu sehen ist. Foto: Marius Roeer
     
     
  • Die Aktion gehe zurück auf einen kurzen Dialog mit Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Wahl des Bundespräsidenten im Februar, erläuterte Jones. „Ich habe sie auf ein Käffchen in meine Bar eingeladen, aber sie antwortete, sie habe leider keine Zeit und werde Donald Trump schicken. Und bei Trump ist ja nun mal leider mit allem zu rechnen.“ Deshalb hätten sich die Kiez-Gastronomen entschieden, lieber auf Nummer sicher zu gehen und mit einem Hausverbot klare Kante zu zeigen. Olivia Jones - eine Kunstfigur des Travestiedarstellers Oliver Knöbel - betreibt auf St. Pauli mittlerweile mehrere Bars und gastronomische Betriebe.
  • Der saudische König Salman und sein Sohn, Kronprinz Mohammed bin Salman, kommen beide nicht zum G20-Gipfel nach Hamburg. Das bestätigte die saudische Botschaft in Berlin. Staatsminister Ibrahim al-Assaf wird die Delegation des Königreiches beim Treffen der wichtigsten Wirtschaftsmächte leiten. Al-Assaf war bis Oktober 2016 Finanzminister gewesen.
  • Grund für die Absage des saudischen Königs: die Krise mit Katar. Saudi-Arabien hatte die Grenze zu Katar geschlossen und die diplomatischen Beziehungen abgebrochen, weil Katar angeblich Terroristen unterstützt. In einem Ultimatum, das heute um 48 Stunden verlängert wurde,  fordert Saudi-Arabien von Katar das Ende der guten Beziehungen zum Iran und das Abschalten des TV-Senders Al-Dschasira. Der Sender hatte eine Rolle gespielt bei „Atrabischen Frühling“ und diue Reformkräfte publizistisch unterstützt. Das ist vielen Herrschern im Nahen Osten ein Dorn im Auge.
  • Außerdem soll es dem saudischen König gesundheitlich nicht gut gehen. Im Vorfeld des G20-Gipfels war spekuliert worden, er bringe seine Kamele mit. Das dürfte sich nun erledigt haben.
  • Salman ist bereits der zweite Gipfelteilnehmer, der abgesagt hat. Brasiliens Präsident Michel Temer wird ebenfalls nicht kommen. Angeblicher Grund: Der durch eine Schmiergeldaffäre angeschlagene Politiker muss zuhause in Brasilia mit Abgeordneten verhandeln, um im Amt zu bleiben.
  • Eine Übersicht über alle Gipfelteilnehmer finden Sie übrigens auf unserer G20-Seite. 
     
  • Das Wichtigste in Kürze
     

    ▪ Seit dem frühen Morgen kommt es in der ganzen Stadt zu Auseinandersetzungen zwischen Einsatzkräften der Polizei und G20-Gegnern. Nach Polizeiinformationen gibt es in der Hamburger Innenstadt Blockaden mehrerer Straßenkreuzungen.

    ▪ Bereits am Vorabend des G20-Gipfels und der Nacht auf Freitag ist es in Hamburg zu massiven Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen

    ▪ Bei der „Welcome to Hell"-Kundgebung am Donnerstag gegen das Treffen der großen Wirtschaftsmächte flogen Flaschen, Feuerwerkskörper wurden gezündet, später brannten umgestürzte Mülltonnen und mindestens ein Auto. Nach Polizeiangaben sind 111 Beamte verletzt worden. 29 Menschen seien festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Auf Seiten der Demonstranten gab es ebenfalls zahlreiche Verletzte, darunter auch Schwerverletzte. 

    Was am Freitag noch ansteht erfahren Sie hier.

    Alle Infos rund um den G20-Gipfel in Hamburg stets auf unserer G20-Übersichtsseite.
    Fragen oder Anregungen zur Berichterstattung zum G20-Gipfel auf shz.de? Nutzen Sie das Kommentarfeld oben.
     
    von Joachim Dreykluft, shz.de bearbeitet von Miriam Richter, shz.de 7/3/2017 2:30:50 PM
  • So witzelt die heute-show über die Absage des saudischen Königs.
  • Donald Trump kündigt über seinen berüchtigten Twitter-Kanal an, dass er heute mit „Deutschland“ und „Frankreich“ telefonieren wird. Gemeint sind wohl Angela Merkel und Emmanuel Macron. Später ergänzte er „Italien“, also vermutlich Ministerpräsident Paolo Gentiloni.
  • Beim G20-Gipfel sorgen auch Polizisten aus Schleswig-Holstein für Sicherheit. Eine Einheit sichert einen Polizei-Parkplatz am Ausschläger Weg mit Zäunen und Natodraht. Foto: Peter Wüst
     
  • Ein physisches Aufeinandertreffen zwischen Merkel und Trump soll es dann am Donnerstag geben. Die beiden wollen sich vor dem Gipfel in Hamburg treffen, um bilateral Dinge zu besprechen. Dabei dürfte es auch um die Spannungen zwischen den USA und China gehen. Peking fühlt sich provoziert von dem Manöver eines US-Zerstörers im Südchinesischen Meer und Waffenverkäufen der USA an Taiwan. Mit Chinas Staatschef Xi Jinping will sich Merkel bereits am Mittwoch in Berlin treffen.
  • In dieser Phase des G20-Gipfels spielt Humor noch eine große Rolle. Hoffentlich bleibt es so! Besonders gelungen: die Übersetzung von „Bulle“.
  • Als G20-Gegner am Sonntagabend auf der Elbhalbinsel Entenwerder bleiben wollten, wurden sie mit Polizeigewalt zurückgedrängt. Doch sie lassen sich nicht vertreiben. So sah es am Nachmittag in dem Protestcamp aus. Foto: Peter Wüst
     
  • In dem Protestcamp dürfen keine Schlafzelte aufgestellt sowie Küchen und Duschen eingerichtet werden. Zulässig seien aber zehn sogenannte Workshop-Zelte, die als Dauerkundgebung und Ruhezonen dienen können, sagte eine Gerichtssprecherin.
  • Neben dem Camp in Entenwerder beschäftigt auch das geplante Camp im Altonaer Volkspark die Gerichte. Nach einer Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) solle die Versammlungsbehörde als Folge einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nun sagen, ob und in welcher Form sie das Camp duldet oder nicht, sagte eine Gerichtssprecherin.
  • Die Organisatoren des geplanten Camps im Altonaer Volkspark, die als „Notlösung“ im Stadtteil Lurup zwei Zirkuszelte sowie 15 Funktions- und Versammlungszelte aufbauen durften, prüften am Montag nach eigenen Angaben, ob sie das Bundesverfassungsgericht anrufen. Mit Blick auf die Camps sagte Andreas Blechschmidt vom linksautonomen Kulturzentrum „Rote Flora“, er gehe davon aus, dass die Aktivisten den Rechtsweg bis nach Karlsruhe ausschöpfen werden.
  • Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hamburg hat sich für G20-Protestcamps mit Übernachtungsmöglichkeiten ausgesprochen. „Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut in unserer demokratischen Gesellschaft. Daher würde ich es begrüßen, wenn die Stadt angemessene und verlässliche Möglichkeiten schafft, dass die gewaltfreie Auseinandersetzung mit G20 einen Platz erhält - auch mit einem Camp zum Übernachten“, erklärte Hamburgs DGB-Chefin Katja Karger.
  • Für Übernachtungsmöglichkeiten zu sorgen, gehöre als Gipfelausrichter genauso dazu, wie für die G20-Teilnehmer ein guter Gastgeber zu sein, hieß es vom DGB. Die Protestwelle am Sonntag habe gezeigt, dass friedliche und kreative Demonstrationen möglich sind. „Das demokratische Recht zur Kritik unterstützen wir ausdrücklich - und distanzieren uns von jeder Form von Gewalt.“
  • Hamburgs Grünen-Chefin Anna Gallina übt Kritik am Polizeieinsatz auf der Elbhalbinsel Entenwerder. „Der Eindruck, dass die Polizei sowohl den Aufbau des Camps als auch das Beschreiten des Rechtswegs verzögert hat, drängt sich förmlich auf. Diesbezüglich ist der Start in die G20-Woche am Sonntag an dieser Stelle gründlich misslungen“, erklärte sie. Das Bundesverfassungsgericht habe in seinem Beschluss Übernachtungen nicht per se ausgeschlossen. „Es ist auch nicht gut, allen G20-Kritikern, die nach Hamburg reisen und hier übernachten wollen, unlautere Motive zu unterstellen.“
  • Am Sonnabend ruft das Bündnis „Hamburg zeigt Haltung" zu einer großen Demo auf. Und es gibt Gerüchte, wonach sich auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio daran beteiligt. Das dementierten die Organisatoren heute zumindest nicht. „Wir rechnen mit 10.000 Teilnehmern“, sagte Jutta Blankau, ehemalige IG-Metall-Bezirksleiteirn und Ex-SPD-Bausenatorin. 
     
    Bill de Blasio neben einer Bronzestatue in New York. Foto: dpa
     
  • Ziel des Bündnisses „Hamburg zeigt Haltung" sei es, weder den Extremisten noch den Autokraten allein das G20-Feld überlassen.
     
    „Wir sollten endlich die Themen des Gipfels nach vorn rücken und hoffen auf einen Sieg der Zivilgesellschaft“, betont Thalia-Intendant Joachim Lux.
     
    Lux gehört zu den Unterstützern des breiten gesellschaftlichen Bündnisses, das für Sonnabend zur großen Demonstration aufruft. Bunt und gewaltfrei wollen die Teilnehmer dabei von den G20-Politikern Fortschritte bei den globalen Megathemen soziale Gerechtigkeit, Frieden, Gleichberechtigung, Umweltschutz und anderen einfordern.
  • Der Zug soll sich am Sonnabend um 12 Uhr an der U-Bahnstation Meßberg sammeln und von dort über mehr als drei Kilometer den Hafenrand entlang nach Westen führen. Zielpunkt ist der Altonaer Fischmarkt, wo ein buntes Familienfest mit Ansprachen und Livemusik gefeiert werden soll. Hauptrednerin ist Gesine Schwan.
  • Hamburg zeigt Haltung“ wird getragen von mehreren Dutzend namhaften Bürgern aus Kirchen, Parteien, Kultur, Sport und sozialen Initiativen. Dazu zählen Altbürgermeister Ole von Beust, die Künstler Nina Petri und Stefan Gwildis sowie Theatermacher Corny Littmann. Wo, wann und wie in Hamburg demonstriert wird, können Sie hier nachlesen: 
     
  • Am Dienstag werden weitere Protestaktionen gegen das Treffen der Staats- und Regierungschefs erwartet. Im Internet wurden Anwohner auf St. Pauli, im Karoviertel und im Schanzenviertel für den frühen Abend zu einem „hedonistischen Massencornern gegen G20“ aufgerufen: „Gemeinsam wollen wir mit euch auf den Straßen grillen, Spiele spielen, Bier trinken, diskutieren und lachen.“ 
     
  • Die Schlusskundgebung der Demonstration „G20 - not welcome“ darf am 8. Juli weiter nicht auf dem Heiligengeistfeld abgehalten werden, sondern muss auf den Millerntorplatz ausweichen, bestätigte das Hamburgische Oberverwaltungsgericht. Es gebe hinreichende Anhaltspunkte, dass aus der Versammlung Gewaltstraftaten begangen würden, welche die körperliche Unversehrtheit oder das Leben von Polizisten, Unbeteiligten und friedlichen Demonstrationsteilnehmern gefährden könnten. Außerdem gebe es auf dem Heiligengeistfeld die Gefahr einer Massenpanik bei den angekündigten 50.000 bis 100.000 Teilnehmern. Der Millerntorplatz dagegen könne in mehrere Richtungen verlassen werden.
  • Der Hamburger Starkoch Karlheinz Hauser vom Hotel Süllberg und das Atlantik-Hotel übernehmen das Catering für die Gäste bei dem Spitzentreffen in Hamburg, wie eine Regierungssprecherin der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Hauser selbst wollte sich auf Anfrage zunächst nicht äußern.
    Hauser leitet in Hamburg das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Restaurant „Seven Seas“ im Hotel Süllberg. Zuvor war der Fernsehkoch auch im Hotel Adlon tätig. 
    Doch eine besonders wichtige Erfahrung für den Gipfel machte er schon vor einigen Jahren. Der „Zeit“ hatte Hauser im vergangenen Jahr gesagt, er habe von 2004 bis 2006 für Trump gearbeitet, als kulinarischer Consultant im inzwischen berühmt gewordenen Privatclub Mar-a-Lago in Palm Beach in Florida. „Daher kenne ich ihn sehr gut“, sagte er der „Zeit“. Der „Bild“-Zeitung berichtete Hauser im vergangenen Jahr, das Lieblingsessen Trumps sei damals Meatloaf gewesen - ein Hackbraten mit Ketchup und braunem Zucker überbacken.
  • Hamburg hat eine ruhige Nacht erlebt. „Alles friedlich bei uns“, sagte ein Sprecher der Polizei am frühen Dienstagmorgen. In den Nachtstunden habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben, die mit dem Gipfel am 7. und 8. Juli zu tun haben.
    Bei einem Protest-Camp auf der Elbhalbinsel Entenwerder hatte es am Sonntagabend Tumulte gegeben: Polizei und Aktivisten prallten aufeinander, als die Beamten elf Zelte wegen eines von ihr verhängten Übernachtungsverbots entfernten.
    Heute werden weitere Protestaktionen erwartet, unter anderem auf St. Pauli.
  • Der Hamburger Innensenator Andy Grote beharrt auf dem Verbot von Übernachtungen in Protestcamps anlässlich des G20-Gipfels.„Es kann Protestcamps als Versammlungscamps geben, aber keine Übernachtungscamps“, sagte der SPD-Politiker am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin.“ Man wisse, dass dahinter „die militante, autonome Szene“ stehe. Die habe sich vorgenommen, zum G20-Gipfel „den größten schwarzen Block aller Zeiten zu organisieren. Das wäre eine sehr schwierige Sicherheitslage in der Stadt.“ Er erteilte auch einem Ultimatum von Aktivisten, ein zentrales Übernachtungscamp zu schaffen, eine Absage.

    Grote zufolge wird „der allergrößte Teil der Proteste sehr bunt, sehr vielfältig, aber friedlich sein.“ Es werde jedoch auch ein paar gewaltbereite Aktionen geben. „Dafür ist die Polizei vorbereitet.“ Man habe ein sehr hohes Gewaltpotenzial in der linksextremistischen Szene. „Wir können auch einen terroristischen Anschlag nicht völlig ausschließen, dazu haben wir aber keine konkreten Hinweise.“ 
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