Die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa

Die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa

Sie fliehen vor Konflikten und Kriegen, aus Angst vor politischer Verfolgung, Hunger und Armut. Flüchtlinge erhoffen sich in der EU eine bessere Zukunft. Allein in Deutschland werden in diesem Jahr 800.000 Menschen erwartet. Europa steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Verfolgen Sie die Entwicklungen in der Flüchtlingskrise im Newsblog.

    Sie eint nicht nur die Leidenschaft für den gleichen Fußballverein in einem anderen Land, sie teilen auch dieselben Werte: Inspiriert vom FC St. Pauli setzen sich englische Fans des Hamburger Fußballvereins in ihrer Heimat, Yorkshire, für Flüchtlinge und gegen Diskriminierung ein. Sie haben das Projekt «Football For All» ( «Fußball für alle») ins Leben gerufen. Dort laden sie Flüchtlinge zum gemeinsamen Fußballspielen ein, kümmern sich um Ausrüstung und Platzkosten. Außerdem organisieren sie Benefizkonzerte und sammeln spenden.



    Im Grunde ist da gar nichts geregelt, weit davon entfernt. Es irren weiter Hunderte Migranten durch das Camp. Außerdem überschreitet das Migrationsthema die französischen Grenzen sehr weit, sogar die europäischen. Die Blech- und Bretterbuden hatten noch nicht aufgehört zu brennen, als sich dort bereits erneut Ankömmlinge aus Holland oder Schweden einrichteten. Eines der Naturgesetze ist, dass der Dschungel am Ende immer nachwächst.

    Die französische Tageszeitung «Dernières Nouvelles d'Alsace» zur Räumung des Flüchtlingscamps in Calais. 

    Nach neuen Flüchtlingsdramen im Mittelmeer werden 51 Migranten vermisst. Das berichten Überlebende. Die Vermissten seien wegen der schlechten Wetterlage und der Instabilität ihrer Boote ins Wasser gestürzt, teilt die italienische Polizei mit. 

    Ein dänisches Handelsschiff hatte laut Polizei 339 Migranten von drei Schlauchbooten gerettet und in der sizilianischen Hafenstadt Augusta an Land gebracht. Auch ein Toter sei geborgen worden. Die Polizei habe drei Verdächtige, die als Kapitäne agiert hätten, wegen Beihilfe zur illegalen Migration festgenommen. Jeder der Flüchtlinge soll 800 bis 1500 libysche Dinar (523 bis 980 Euro) für die Überfahrt von Libyen nach Italien gezahlt haben. Das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Seeflüchtlingsrouten weltweit. 

    Die Auswirkungen der Räumung in Calais sind auch in der französischen Hauptstadt zu spüren. In Paris lebten immer mehr Flüchtlinge auf der Straße. In den vergangenen zwei Tagen sei die Zahl um ein Drittel gestiegen, sagt die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation dem französischen Fernsehsender BFMTV. Mittlerweile schliefen etwa 3000 Menschen in Zelten und auf Matratzen auf dem Bürgersteig.

    Nach Angaben des Pariser Rathauses leben etwa 1000 Flüchtlinge im Nordosten der Stadt auf der Straße. Bereits vor der Räumung in Calais seien 50 bis 70 Migranten pro Tag in Paris angekommen.  Geplant ist die Eröffnung eines temporären Aufnahmezentrums, um die Situation zu entspannen.



    Weil sie nach dem Feuer und dem Abriss ihrer Unterkünfte offenbar keinen anderen Unterschlupf gefunden haben, mussten zahlreiche Migranten in Calais die vergangenen Nacht im Freien verbringen, berichtet die Zeitung «Le Monde» auf ihrer Webseite. 



    Unterdessen berichten «Ärzte ohne Grenzen» von Dutzenden Minderjährigen, die sich nach der Zerstörung des Lagers,  noch immer unregistriert in Calais aufhielten und nicht wüssten, wohin sie gehen können.



    Das von einem Großbrand verwüstete Flüchtlingslager von Calais soll bis Montagabend komplett abgerissen werden. Das sagt die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio. In den zurückliegenden drei Tagen seien rund 6000 Menschen in sicherere Unterkünfte gebracht worden.

    Flüchtlinge, die versuchen, in das Camp zu gelangen, werden von Polizisten in schwerer Schutzkleidung zurückgedrängt. Rund um das Gelände stehen Polizeiwagen. 

    Die Präfektin hatte die illegale Hütten- und Zeltsiedlung am Ärmelkanal bereits gestern offiziell für leer erklärt. Sie habe keine Kenntnis von neuen Flüchtlingscamps in Calais oder in der Umgebung, sagt Buccio. 


    Ein Reiter beobachtet die Abrissarbeiten im geräumten Flüchtlingslager in Calais. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Hinterlassenschaften der Flüchtlinge im geräumten Elendslager in Calais. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Die Zukunft des wegen der Flüchtlingskrise gestarteten Nato-Einsatzes in der Ägäis ist ungewiss. Bei dem Verteidigungsministertreffen in Brüssel gibt der türkische Vertreter keine Zusicherung, dass sein Land einer von Deutschland und anderen Bündnispartnern gewünschten Fortsetzung der Operation über das Ende des Jahres hinaus zustimmen wird.

    Bundesverteidigungsminister Ursula von der Leyen erklärt am Rande der Gespräche, dass nun zunächst der kommende Überprüfungstermin abgewartet werden solle. «Wir werden dann weiterschauen», sagt sie. Bei dem Einsatz in der Ägäis beobachten die Besatzungen von Kriegsschiffen die Küsten und melden Aktivitäten von kriminellen Schleuserbanden an die türkischen Behörden. 


    Szene auf der Brücke des Versorgungsschiffes «Bonn» vor der türkischen Küste. Foto: John Macdougall, dpa/Archiv

    Das Registrierzentrum für Flüchtlings aus dem wilden Camp in Calais hat endgültig geschlossen. «Es wird nicht wieder öffnen», sagt die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio. Auf dem Gelände harren dennoch etwa hundert Migranten aus. «Die Menschen, die da sind, sind nicht die Menschen, die in dem Camp gelebt haben», sagt Buccio. Für sie sei das Aufnahmezentrum aber nicht gedacht gewesen. In den vergangenen Tagen wurden von dort aus nach Angaben des Innenministeriums etwa 5600 Flüchtlinge auf andere Regionen in Frankreich verteilt


    Das Registrierzentrum in Calais ist endgültig geschlossen. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Tag 4 der Räumung: Arbeiter setzen den Abriss des «Dschungels» mit schwerem Gerät fort. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa 

    In dem aufgelösten Elendslager im nordfranzösischen Calais haben nach Angaben der Behörden vor allem Menschen mit Asylanspruch gelebt. In den vergangenen zwei Jahren hätten mehrere tausend Bewohner des wilden Flüchtlingscamps am Ärmelkanal bereits Asyl in Frankreich beantragt, sagt der Leiter des französischen Flüchtlingsamts, Pascal Brice, dem Radiosender France Info. «70 Prozent von ihnen wurden als Flüchtling anerkannt.» Es gehe also nicht um Wirtschaftsmigranten. Vor 2015 sei das noch anders gewesen.


    Migranten bei der Rückkehr vom Transitzentrum in Calais. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa
    Das Großreinemachen im Dschungel löst kein einziges grundlegendes Problem. Es sorgt lediglich dafür, dass die unerträgliche Konfrontation mit der Migrationsfrage etwas weniger akut und störend ist. Es ist so ähnlich wie mit dem brüchigen Deal (der EU) mit der Türkei. Der hat zwar zur Verringerung der Zahl von Ertrunkenen auf der Fluchtroute nach Griechenland geführt, aber nichts an der Sackgasse geändert, in der Flüchtlinge in der Türkei sowie in Griechenland festsitzen. Ein Teil des Flüchtlingsstroms fließt nun über die viel längere und daher viel gefährlichere ägyptische Route. Immerhin zeigt die Räumung des Dschungels, dass es für die Unmenschlichkeit in Europa ein Limit gibt. Das ist der einzige Lichtblick. Doch eine integrierte, solidarische und realistische Vorgehensweise gegen die Flüchtlingskrise ist damit noch nicht in Sicht.

    Die belgische Zeitung «De Standaard» kommentiert die Räumung des Flüchtlingslagers bei Calais.

    Auf dem Weg nach Europa sind erneut Flüchtlinge im Mittelmeer ums Leben gekommen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) barg die Leichen von zunächst 25 Männern und Frauen aus dem Wasser 26 Seemeilen von der libyschen Küste entfernt. Einige Stunden später meldete die Organisation allerdings, dass die Zahl der Opfer auf 29 gestiegen sei. Bei zwei Einsätzen wurden auf überfüllten Booten mehr als 200 Menschen gerettet, wie mitgeteilt wurde. 23 der Überlebenden hätten wegen teils schweren Verätzungen der Haut medizinisch versorgt werden müssen. 



    Das britische Model Lily Cole (28) setzt sich für mehr Solidarität mit Kindern aus dem geräumten Flüchtlingslager von Calais ein. Bei einer Demo auf der Londoner Millennium-Brücke sprach sie sich dafür aus, unbegleitete Jugendliche rasch in Großbritannien aufzunehmen. Unter dem Motto «Love in Action» schwenkte Cole mit rund hundert weiteren Teilnehmern rote Herzen aus Papier auf der Fußgängerbrücke über der Themse. Cole sagte, sie engagiere sich «als normaler Mensch und als Mutter». 

    Großbritannien hat seit dem 17. Oktober rund 200 minderjährige Flüchtlinge aus dem «Jungle» (Dschungel) genannten Flüchtlingslager im nordfranzösischen Calais aufgenommen.


    Das britische Model Lily Cole (M.) bei einer Demo auf der Londoner Millennium-Brücke. Foto: Facundo Arrizabalaga, epa/dpa

    Griechenland hat unterdessen acht syrische Flüchtlinge in die Türkei zurückgeschickt. Die fünf Minderjährigen, zwei Frauen und ein Mann wurden mit einem Sonderflug von den griechischen Inseln Lesbos nach Adana ausgeflogen, wie die Polizei mitteilt. Sie hätten den Wunsch geäußert, keinen Asylantrag zu stellen und stattdessen freiwillig zurück in die Türkei gebracht zu werden. 


    Zahlreiche Menschen verlassen weiter das nordfranzösische Lager. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Arbeiter reißen derweil weiter Zelte und Behelfsunterkünfte ein. Dazu soll nun auch schweres Gerät eingesetzt werden. 


    Abschiedsfoto - Zwei Migranten beim Selfie, während sich im Hintergrund das Feuer immer weiter ausbreitet. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Ein junger Flüchtling während der Räumung. Foto: Thibault Vandermersch, epa/dpa

    «Das ist ein wichtiger Augenblick», sagt die Präfektin. «Der Einsatz geht zu Ende.» Sie berichtet, dass vier Flüchtlinge wegen des Verdachts der Brandstiftung vorläufig festgenommen worden seien. 

    Alle Migranten seien freiwillig zu dem Transitzentrum gekommen, sagt Buccio. Von dort aus werden die Menschen mit Bussen in Aufnahmezentren in ganz Frankreich gebracht.


    Etwa 1000 Menschen warten noch vor dem Transitzentrum unweit des Lagers,  sagt die Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Ein Beamter, der Journalisten und Migranten am Betreten des Lagers hindern soll. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Einige Flüchtlinge versuchen entgegen der Polizeianweisungen noch einmal ins Lager zu kommen, um dort ihr Hab und Gut zu holen. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa 

    Migranten und Polizeikräfte während der Räumung in Calais. Foto: Thibault Vandermersch, epa/dpa

    Ein Helfer beim Versuch ein Feuer im nordfranzösischen Flüchtlingslager zu löschen. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Einsatzkräfte versuchen die Lage in den Griff zu bekommen. Foto: Thibault Vandermersch, epa/dpa

     Alle Flüchtlinge haben das Lager im nordfranzösischen Calais wegen starker Brände verlassen. «Das Lager ist endgültig leer», sagt die Präfektin Fabienne Buccio dem französischen Nachrichtensender BFMTV in Calais.


    Französischen Polizeikräfte beobachten die Lage im Flüchtlingslager. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Migranten rennen an brennenden Zelten und Unterkünften in dem Lager in Calais vorbei. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Die Rettungseinsätze der europäischen Grenzschutzbehörde Frontex im Mittelmeer bewegen sich immer näher an die libysche Küste heran. «Sie sind mittlerweile fast in libyschen Gewässern», sagt Frontex-Direktor Fabrice Leggeri bei einem Besuch in Rom. Wegen einiger Vorfälle in der Vergangenheit mache er sich auch Sorgen um die Sicherheit der Einsatzkräfte. 

    Die Schmuggler würden die Flüchtlinge zunehmend mit zu wenig Wasser, Essen und Treibstoff ausstatten. «So wird es für die Migranten unmöglich, Italien oder eine europäische Insel zu erreichen», sagte Leggeri. 

    Vergangene Woche hatten sich Unbekannte vor der libyschen Küste mit einem Schnellboot - das als Boot der libyschen Küstenwache gekennzeichnet war - einem Schlauchboot mit Migranten genähert und diese angegriffen. Mindestens vier Flüchtlinge ertranken. Leggeri erklärte, noch sei nicht klar, wer die Angreifer gewesen seien. 


     Frontex-Direktor Fabrice Leggeri. Foto: Ettore Ferrari, epa/dpa

    Spuren der Verwüstung im «Dschungel» von Calais. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Migranten beim Verlassen des Flüchtlingslagers von Calais. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Vor dem Transitzentrum von Calais, wo Flüchtlinge registriert werden, gibt es wieder lange Warteschlangen. Arbeiter räumen - wie schon gestern - leere Zelte und Behelfsunterkünfte weg. Dabei werden auch kleine Schaufelbagger eingesetzt. Helfer fordern verbliebene Flüchtlinge auf, ihre Sachen zu packen und das Lager zu verlassen. Knapp zwei Drittel der Bewohner verließen bisher freiwillig das Elendslager. Viele Zelte und Behelfsunterkünfte stehen bereits leer. 


    Migranten müssen erneut anstehen, wenn sie das Lager von Calais verlassen wollen. Foto: Thibault Vandermersch, epa/dpa

    Fast jeder zweite Deutsche (47 Prozent) hat in den vergangenen Monaten mindestens einmal Kontakt zu Flüchtlingen gehabt und mit ihnen gesprochen. Knapp jeder fünfte (19 Prozent) hat etwas mit Migranten unternommen, ergibt eine aktuelle YouGov-Umfrage. 20 Prozent der Befragten hätten angegeben, bei den Begegnungen schlechte Erfahrungen gemacht zu haben, teilen die Meinungsforscher mit. Von positiven Begegnungen hätten 32 Prozent berichtet, für 39 Prozent der Umfrage-Teilnehmer war die Erfahrung «teils, teils». Jede dritte Begegnung (33 Prozent) kam zustande, weil sich Deutsche und Flüchtlinge in Hilfsinitiativen getroffen haben. 

    Sechs Prozent der Deutschen haben laut Umfrage einen Flüchtling als Freund, 41 Prozent könnten sich das vorstellen. Als Gründe gegen solche Freundschaften wurden vor allem Verunsicherung (33 Prozent) und die Sprachbarriere (32 Prozent) genannt. Insgesamt wird die Zuwanderung weiterhin skeptisch betrachtet: Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer stimmte der Aussage «Es leben zu viele Ausländer in Deutschland» voll und ganz (35 Prozent) oder eher zu (25 Prozent).


    Flüchtlingsjunge in der Nähe von Athen. Foto: Yannis Kolesidis, epa/dpa

    Im Flüchtlingscamp von Calais in Nordfrankreich sind Gasflaschen explodiert. Dabei wurde in der Nacht ein Flüchtling leicht verletzt, wie der Radiosender France Inter berichtet. Demnach gab es auch mehrere Brände. Die Räumung wird heute fortgesetzt.    

    Zum Hintergrund: Die Räumung des riesigen Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais beruht zunächst auf Freiwilligkeit. Die Menschen lassen sich in einer vom Staat hergerichteten Halle registrieren und besteigen Busse, die in verschiedene Regionen Frankreichs fahren. Die energische Präfektin des Départements Pas-de-Calais, Fabienne Buccio, meint, dass ihre Botschaft angekommen ist: «Wir haben mit den Chefs der Nationalitätengemeinschaften in dem Lager gesprochen. Wir haben ganz klar gesagt, dass sie (die Flüchtlinge) gehen müssen.» In dem Camp leben Menschen aus Äthiopien, Eritrea, Afghanistan oder dem Sudan. 

    Die Behörden haben sich eine Woche Zeit gegeben, um das Lager zu räumen. Wie mit den sogenannten Widerspenstigen umgegangen werden soll, die unbedingt bleiben wollen, wird nicht offen gesagt. Erst solle abgewartet werden, wie der freiwillige Abschied vom Camp laufe, heißt es. Am Rande der Räumung ist inoffiziell zu hören, dass am Ende auch Polizei eingesetzt werden könnte.


    Flüchtlinge warten in Calais auf ihren Bus. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Die Auflösung des Flüchtlingslagers von Calais soll nach Angaben der Präfektur etwa eine Woche lang dauern. In der Folge könnte auch Deutschland davon betroffen sein. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rechnet mit mehreren hundert Übernahmeersuchen, wie die «Rheinischen Post» unter Berufung auf Behördenkreise berichtet.

    Paris könnte Deutschland danach vor allem bitten, Flüchtlinge aufzunehmen, die sich auf dem Weg nach Frankreich zuvor in Deutschland registriert oder einen Asylantrag gestellt hatten.


    Ein Migrant winkt beim Verlassen von Calais aus einem Bus. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Auch am zweiten Tag der Räumung in Calais bleibt es weitgehend friedlich. Die Behörden wollten mit dem Abriss von Zelten und Behelfsunterkünften beginnen. Dabei würden keine Bulldozer eingesetzt, sagt der Sprecher der Präfektur Pas-de-Calais.


    Vor dem Transitzentrum stehen wieder Hunderte Flüchtlinge an. Es kam am Tor zu Rangeleien mit der Polizei, dabei gab es aber keine Verletzten, sagt der Präfektur-Sprecher. 


    Polizisten stehen bei einigen minderjährigen Flüchtlingen, die Calais mit Bussen verlassen sollen. Foto: Etienne Laurent, epa/dpa

    Bei der Flucht über das Mittelmeer sind nach UN-Angaben in diesem Jahr bereits mindestens 3740 Menschen umgekommen. Damit sei zu befürchten, dass die Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge bis Ende 2016 den Rekord des Vorjahres noch deutlich übersteigen werde, sagt ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen in Genf. 2015 seien 3771 Todesfälle registriert worden. 

    Die hohe Anzahl Tote in diesem Jahr sei auch deshalb alarmierend, weil sie in starkem Gegensatz zum deutlichen Rückgang der Flüchtlingszahlen insgesamt stehe, erklärt UNHCR-Sprecher William Spindler. Am gefährlichsten ist laut Spindler die Route der Menschenschmuggler über das zentrale Mittelmeer von Libyen nach Italien. Hier bezahle statistisch gesehen jeweils einer von 47 Menschen den Fluchtversuch mit seinem Leben. 



    In diesem Jahr werden nach Schätzungen des italienischen Innenministeriums mehr Migranten denn je über das Mittelmeer nach Italien kommen. Seit Jahresbeginn erreichten bereits 153.450 Migranten die Küsten des Mittelmeerstaates - zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr, wie die Tageszeitung «La Repubblica» unter Berufung auf das Ministerium berichtet. Es werde damit gerechnet, dass die Zahl Ende des Jahres die der 170.000 Ankömmlinge von 2014 übertreffe. 

    Im Haushaltsentwurf für 2017 begründet die Regierung von Premierminister Matteo Renzi die geplante Neuverschuldung auch mit der Flüchtlingskrise: Die Zahl der ankommenden Menschen übe einen «beträchtlichen Druck» auf das Land aus und stelle die Aufnahmekapazitäten auf die Probe, heißt es darin.


    Ein Arzt trägt zwei Flüchtlingskinder, die Palermo auf einem norwegischen Schiff erreicht haben. Foto: Mike Palazzotto, epa/dpa
    Das erste Lager wurde in Calais im Jahr 2002 geräumt. Seitdem wurden dort mehrere weitere Lager aufgelöst. Das hat aber nicht verhindert, dass Flüchtlinge immer wieder dorthin zurückgekehrt sind und neue Siedlungen gebildet haben. Jetzt ist es zuallererst wichtig, dass man diesen Menschen Hilfe zukommen lässt und ihnen eine würdige Unterkunft zur Verfügung stellt. Ein Migrationsphänomen und eine humanitäre Krise, wie sie Europa zur Zeit erlebt, bedürfen aber einer gemeinsamen Politik, die sich auf eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge und auf eine Kontrolle der Migrationsflüsse in den Herkunftsländern stützt.

    Die linksliberale Madrider Zeitung «El País» zur Räumung des Flüchtlingslagers im französischen Calais.

    Grafik: F. Bökelmann

    Nach der begonnenen Räumung des Flüchtlingslagers in Calais will Frankreich das Entstehen neuer illegaler Camps verhindern. «Die Ordnungskräfte vor Ort werden Kontrollen durchführen, vor allem an den Bahnhöfen», kündigt der französische Innenminister Bernard Cazeneuve an. «Um dafür zu sorgen, dass die Camps in Calais und an der Nordküste nicht wieder entstehen.»


    Der «Dschungel» von Calais. Foto: Thibault Vandermersch, epa/dpa
    Der drohende Zusammenbruch des europäischen Flüchtlingsregimes, bei dem Asylbewerber ihren Antrag im ersten sicheren Ankunftsland stellen müssten, sowie der Druck durch Kriege, Dürren und Armut hat den gesamten Kontinent erheblichen Belastungen ausgesetzt. Im Dschungelcamp kamen die Folgen dieser gesellschaftlichen Probleme in geballter Form zusammen. Das Areal mit Bulldozern plattzumachen wird daher kaum eine echte Lösung sein. Solange man nicht die Ursachen des Problems bekämpft, wird lediglich ein Dschungel von einem anderen abgelöst werden. Großbritannien und Frankreich müssen daher zusammenarbeiten, um zu erreichen, dass die nordfranzösische Küste kein Magnet für Migranten ist. Vor allem müssen die Außengrenzen der visafreien Schengen-Zone gestärkt werden. 

    Die Londoner «Times» kommentiert die Räumung des Flüchtlingslagers in Calais
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