Die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa
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Die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa

Sie fliehen vor Konflikten und Kriegen, aus Angst vor politischer Verfolgung, Hunger und Armut. Flüchtlinge erhoffen sich in der EU eine bessere Zukunft. Allein in Deutschland werden in diesem Jahr 800.000 Menschen erwartet. Europa steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Verfolgen Sie die Entwicklungen in der Flüchtlingskrise im Newsblog.

  • Der SSW-Vorsitzende im schleswig-holsteinischen Landtag, Lars Harms, sieht Dänemark vor allem als Opfer europäischen Versagens in der Flüchtlingskrise. „Man kann den Umgang der dänischen Regierung mit der Flüchtlingskrise sicherlich rügen“, sagte Harms am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Man sollte aber nicht vergessen, dass auch Dänemark nur ein Glied in der Kausalkette einer europäischen Flüchtlingspolitik ist, die versagt hat.“ Es könne keine nationale Lösung für ein internationales Problem geben. „Insofern sitzt das Problem nicht in Kopenhagen, sondern in Brüssel“, sagte Harms. Hier sei vor allem die Staatengemeinschaft gefragt.
    „Wir brauchen endlich eine geeinte europäische Asylpolitik, die der Wirklichkeit standhält. In der die Humanität gegenüber den Menschen immer im Vordergrund steht und Spielräume unbürokratisch genutzt werden.“ Dänemark müsse genau wie Deutschland, Ungarn oder Griechenland täglich auf's Neue abwägen zwischen dem, was humanistisch geboten sei, und jenem, wozu man sich international verpflichtet habe. „Wenn Deutschland einseitig die Dublin- III-Verordnung aussetzt, um zu verhindern, dass Kriegsflüchtlinge aus Syrien an Europa Außengrenzen verhungern, dann ist das menschlich geboten und richtig, hat aber auch gravierende Konsequenzen für weitere Nachbarstaaten“, sagte Harms.
    Der SSW ist die Partei der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein. Sie bildet mit SPD und Grünen die Regierungskoalition im Norden.

    von Miriam Richter, shz.de bearbeitet von Christina Norden, shz.de 9/10/2015 12:56:19 PM
  • Bundeskanzlerin Merkel hat die Integration von Flüchtlingskindern an den Berliner Schulen als Modell für ganz Deutschland gewürdigt. Jedem Neuankömmling sehr schnell einen Platz in einer sogenannten Willkommensklasse zu geben, sei ein sehr zukunftsweisendes Konzept, sagte Merkel nach dem Besuch der Berliner Ferdinand-Freiligrath-Schule. 

    Es gibt so viel Enthusiasmus bei den Kindern, so viel Bereitschaft zu lernen. Wir wollen ihnen eine gute Zukunft geben
  • Merkel zeigte sich in Berlin beeindruckt von der Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer. «Wenn jeden Tag 1000 Flüchtlinge nach Berlin kommen, dann ist das eine riesige Herausforderung», sagte sie. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa



  • Flüchtlinge sollen sicherer reisen. Das Europaparlament verlangt von den EU-Regierungen schnellstmöglich, die Wege für schutzbedürftige Menschen sicherer und legal zu machen. Flüchtlinge sollten auch Visa aus humanitären Gründen bekommen und in EU-Botschaften Asyl beantragen dürfen, hieß es in einer gemeinsamen Entschließung von Christdemokraten, Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen, die das Parlament in Straßburg mit großer Mehrheit verabschiedete.

    Die Mehrheit der Mitglieder des europäischen Parlaments in Straßburg stimmt für die Flüchtlinge in Europa. Foto: Patrick Seeger/EPA, dpa 
    von Laura Lewandowski, dpa bearbeitet von Christoph Lignitz, dpa 9/10/2015 12:24:31 PM
  • Dänemark erntet Kritik von Italien

    Der Außenminister Paolo Gentiloni hat den Stopp von Flüchtlingszügen an der dänischen Grenze verurteilt. «Auch weil Dänemark ein Land mit bürgerlichen Traditionen ist, ist die gestern getroffene Entscheidung wirklich überraschend, und ich wünsche mir, dass das nur eine plötzliche und absolut kurzlebige Entscheidung war, die sich nicht wiederholt», sagte Gentiloni laut Nachrichtenagentur Ansa.
  • Madrids linke Bürgermeisterin Manuela Carmena hat sich dazu bereiterklärt, Flüchtlinge auch privat bei sich aufzunehmen. «Ja, wenn das nötig wäre, würde ich das in meinem Haus tun», sagte die 71-jährige pensionierte Richterin in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview der Zeitung «20Minutos».

    Carmena, im Juni zum Oberhaupt der spanischen Hauptstadt gewählt, hatte in den vergangenen Tagen die Bereitschaft Madrids erklärt, Flüchtlinge aus Syrien aufzunehmen. Foto: Juan Carlos Hidalgo

  • Busse warten vor der Stena-Fähre nach Schweden. Die Polizei ist vor Ort, bisher ist die Lage aber entspannt. 


  • Hunderte Flüchtlinge versuchen am Budapester Bahnhof Keleti einen Zug nach Österreich zu erwischen. Vor wenigen Minuten hatte die Regierung dort jedoch wegen des großen Ansturms den Schienenverkehr eingestellt. 
  • Eingestellt wurden den Angaben zufolge die Railjet/EuroNight- und die Eurocity-Verbindung auf der Strecke Wien-Budapest sowie grenzüberschreitende Regionalzüge. «Bis auf weiteres werden keine Tickets für Fahrziele in Ungarn verkauft», erklärten die ÖBB. Für Pendler und Schüler aus dem Grenzgebiet Neusiedl/See und Bruck/Leitha werde ein Schienenersatzverkehr mit Bussen organisiert.
    Die ÖBB riefen freiwillige Helfer und Busunternehmen auf, keine weiteren Reisenden an die Bahnhöfe zu bringen. «Eine geordnete Abwicklung der aktuellen Situation kann sonst nicht mehr gewährleistet werden. Der ohnehin schon starke Zustrom in Kombination mit der großen Zahl der schon jetzt an den Bahnhöfen auf die Weiterfahrt wartenden Menschen übersteigt die vorhandene Zugkapazität bereits seit den Morgenstunden.»
  • Die österreichische Bahn hat den Zugverkehr nach Ungarn vorübergehend eingestellt. Auf ihrer Webseite begründeten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) diese Entscheidung mit der «massiven Überlastung» der aus Ungarn kommenden Züge. 

  • Hoffnung für die Flüchtlinge in Kiel: Stena-Line-Sprecherin Mascha Günther erklärt gegenüber shz.de: "Jeder, der ein gültiges Ticket hat, kommt mit der Fähre nach Göteborg." Die Fährgesellschaft sei in Kontakt mit den schwedischen Behörden, damit die Einreise reibungslos funktioniere.
  • Angesichts der vielen Flüchtlinge fordert die norddeutsche Wohnungswirtschaft bessere Rahmenbedingungen für schnelles und günstiges Bauen. „Wir wollen bauen, bauen, bauen“, sagte der frühere Innenminister und Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner, am Donnerstag in Kiel. Mehr zum Thema: www.shz.de/10678676
  • Eine Unterstützergruppe für Flüchtlinge will mit einer Hausbesetzung in Berlin mehr Unterkünfte schaffen. Ein leerstehendes früheres Gebäude der TU Berlin solle eine selbstverwaltete Notunterkunft für Flüchtlinge werden, teilte die Initiative mit. Nach Angaben einer Polizeisprecherin standen am Vormittag vier bis acht Menschen auf dem Dach des großen Bürohauses direkt an der Spree nahe dem S-Bahnhof Tiergarten. Die Polizei werde die Besetzer aber zunächst nicht aus dem Haus holen, da es keine Räumungsforderung des Besitzers gebe.


  • Im Kieler Hafen sind mittlerweile 45 Flüchtlinge angekommen. Sie haben Fahrkarten für die Weiterfahrt mit der Stena nach Schweden gekauft. Die meisten von ihnen sind mit dem Zug aus Hamburg angereist. Die Stena-Line versorgt die Männer, Frauen und Kinder mit Wasser und Kaffee.
    In drei Bussen sind gerade 156 Flüchtlinge aus Boostedt am Terminal angekommen. Auch sie wollen mit der Fähre nach Schweden. Allerdings ist noch nicht klar, ob alle heute Abend an Bord gehen können. Es herrscht Kabinenzwang auf dem Schiff. Sind alle Kabinen belegt, darf man nicht mehr an Bord. 

    von Miriam Richter, shz.de bearbeitet von Christina Norden, shz.de 9/10/2015 11:29:17 AM
  • Nach zwischenzeitlichen Problemen bei der Flüchtlingsunterbringung nimmt Baden-Württemberg nach eigenen Angaben wieder regulär Asylsuchende auf. Am Mittwoch hatte die Landesregierung zeitweise abgelehnt, weitere Flüchtlinge aus Bayern zu übernehmen, weil die Kapazitäten zur Unterbringung erstmals erschöpft waren. Grundsätzlich muss Baden-Württemberg nach dem Verteilschlüssel rund 13 Prozent aller neu in Deutschland ankommenden Flüchtlinge aufnehmen.
    von Laura Lewandowski, dpa bearbeitet von Christoph Lignitz, dpa 9/10/2015 11:12:46 AM

  •  Eine kurze Bedienungshilfe in arabischer Sprache hängt am 10.09.2015 an einem Fahrkartenautomat im Bahnhof von Flensburg.


  • Für ehrenamtliche Arbeit soll es einen Zuschuss von 3,5 Millionen Euro geben. Die Bundesintegrationsbeauftragte Aydan Özoğuz will mit dieser Anschubfinanzierung helfen, dieses und nächstes Jahr Ehrenamtliche von den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege zu qualifizieren und Flüchtlingsprojekte vor Ort zu fördern.

    Ich habe alle Restmittel, die mir noch zur Verfügung stehen, zusammengekratzt, und das geben wir heute den Verbänden, die das organisieren.



  • Die Lage beruhigt sich allmählich nach dem Chaos am Mittwochabend auf dem Bahnhof in Padborg. Derzeit sind rund 50-70 Flüchtlinge an der Station Padborg und
    warten auf weiterführende Züge nach Norden über Kolding nach Kopenhagen.
    Die Polizei hält sich zurück, es herrscht im Vergleich zu gestern
    eine entspannte Lage.
    Laut Medienberichten aus DK wurde angeordnet, das die Flüchtlinge ohne weitere Registrierung nach Norden Rtg. Schweden und Finnland weiterfahren
    dürfen, so der Sachstand gegen 11 Uhr.

    Foto: Sörensen



  • Angesichts der vielen Flüchtlinge fordert die norddeutsche Wohnungswirtschaft bessere Rahmenbedingungen für schnelles und günstiges Bauen. „Wir wollen bauen, bauen, bauen“, sagte der Direktor des Verbandes norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner, am Donnerstag in Kiel. Es müssten aber hemmende Vorschriften einer „Luxus-Bürokratie“ abgebaut werden: Beim Natur- und Denkmalschutz, dem Vergaberecht, bei Stellplatzvorgaben und auch beim überhöhten Brandschutz für Gemeinschaftsunterkünfte. Mangels Eigenkapitals bräuchten die Wohnungsunternehmen direkte Zuschüsse für neue Projekte. Hier sei der Bund gefordert. In Schleswig-Holstein werden laut Verband bis zu 6000 neue bezahlbare Wohnungen pro Jahr errichtet. Für Flüchtlinge seien jährlich etwa 2000 bis 3000 weitere Wohnungen notwendig.
  • Wer an Syrer denkt, denkt in diesen Tagen an die zahlreichen Flüchtlinge, die ihr Land verlassen. Dabei war Syrien einst selbst für viele Menschen Zufluchtsort. Valerio De Cesaris, Professor an der Ausländeruniversität Perugia in Italien, zeigt woher die Asylsuchenden kamen. 


  • Bundeskanzlerin Merkel hat Behörden und Helfern für ihren anstrengenden Einsatz bei der Flüchtlingsbetreuung gedankt. Eine rasche Integration der in Deutschland asylberechtigten Menschen habe Priorität, etwa durch eine möglichst baldige Vermittlung in Arbeit nach Klärung des Aufenthaltsstatus, sagte sie nach dem Besuch einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge in Berlin.

    Diejenigen, die hier arbeiten, geben ihr Bestes
  • Von Neustadt an der Weinstraße ins ungarische Röszke: Die 22-jährige Studentin packt im Flüchtlingslager nahe der serbischen Grenze mit an. Sie kocht als freiwillige Helferin Suppe und verteilt Hilfsgüter an die Menschen. Foto: Peter Zschunke, dpa 
  • "Diese Bürgerinnen und Bürger sind die stillen Helden des Sommers 2015, sie sind die besten Botschafterinnen und Botschafter unseres Landes. Ihnen allen ein herzliches Dankeschön!", sagt Niedersachsens SPD-Ministerpräsident Stephan Weil in einer Regierungserklärung zum Engagement Tausender Ehrenamtlicher in der Flüchtlingshilfe. Foto: Holger Hollemann, dpa
  • Nach dem Zwangsstopp des Reiseverkehrs zwischen Dänemark und Deutschland hat die dänische Polizei am Donnerstag wieder Züge mit Flüchtlingen passieren lassen. Am Morgen kontrollierten am Grenzbahnhof in Padborg Dutzende Beamte die aus Flensburg kommenden Menschen. Die rund 50 Flüchtlinge seien zu ihren Reisezielen befragt worden, anschließend durfte der Zug in Richtung Kopenhagen weiterfahren, sagte ein Polizeisprecher in Padborg. Wenig später startete in Flensburg ein zweiter Zug mit ebenfalls rund 50 Flüchtlingen.

    Am Flensburger Bahnhof kursierten unterdessen Handzettel mit Reisetipps für Flüchtlinge, die weiter nach Skandinavien wollen. Darin wird den Menschen empfohlen, nicht Dänemark zu passieren, sondern per Schiff direkt nach Schweden zu reisen. So sollten die Flüchtlinge Fähren von Kiel nach Göteborg, von Rostock nach Trelleborg und von Sassnitz auf Rügen nach Trelleborg nutzen, heißt es in den Handzetteln.
  • Die Kosten für die Flüchtlinge steigen, zudem sind Steuerentlastungen geplant: Das drückt dem Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung nach auf den Überschuss des Staatshaushaltes. Der geht nach Einschätzung der Expertin im kommenden Jahr deutlich zurück. In diesem  Jahr war mit einem Überschuss von rund 20 Milliarden Euro zu rechnen, jetzt kalkuliert das RWI für 2016 einen Überschuss von nur noch 8 Milliarden, sagte RWI-Forscher Roland Döhrn.

    Nach einer Schätzung der Forscher könnten die Gesamtausgaben für Flüchtlinge allein in diesem Jahr bei rund zehn Milliarden Euro liegen. Darin enthalten seien aber auch die Ausgaben für Altfälle, so dass es nicht nur um den Zuzug neuer Flüchtlinge gehe. «Das ist eine Belastung, die man sich als reiches Land leisten kann» , sagte Döhrn. Vor dem Hintergrund der erwarteten demografischen Probleme in Deutschland könne sich der Flüchtlingsandrang sogar als «große Chance» erweisen.
    von Laura Lewandowski, dpa bearbeitet von Christoph Lignitz, dpa 9/10/2015 10:10:12 AM
  • Seit gestern steht Dänemark in der Flüchtlingsdebatte in der Kritik. Die Zeitung "Copenhagen Post" schreibt jetzt aber: Die meisten Dänen sind bereit, mehr Flüchtlinge aufzunehmen. 


  •   Die meisten Flüchtlinge haben den Flensburger Bahnhof inzwischen verlassen. Während rund 100 Menschen in Zügen nach Dänemark weiterreisten, brach ein Teil der Flüchtlinge in Richtung Kiel auf. Sie wollen vermutlich mit per Schiff nach Schweden. Viele Flüchtlingen mussten die Nacht in der Bahnhofshalle in Flensburg verbringen. Foto: Christian Charisius, dpa
  • Heute Abend um 20.15 Uhr strahlt das ZDF die Sendung "Menschen Auf der Flucht - Deutschland Hilft!" aus. 


  • Polens Regierungschefin Ewa Kopacz hat die Aufnahme von Flüchtlingen als «Test für die Anständigkeit» ihres Landes bezeichnet. «Wir haben einst von der Solidarität unserer Freunde und Partner in Europa profitiert», sagte die liberalkonservative Politikerin  in einer Rede auf dem Wirtschaftsforum in Krynica. Sie erinnerte damit an die Aufnahme polnischer Flüchtlinge in Westeuropa in den vergangenen Jahrzehnten. «Das dürfen wir heute nicht vergessen.» 

    Kopacz hatte vor wenigen Tagen nach langem Zögern erklärt, Polen sei bereit, mehr als die zunächst zugesagten 2000 Flüchtlinge aufzunehmen. Kopacz erinnerte Politiker und Geschäftsleute außerdem an die Lage im Nachbarland Ukraine: Sollte es dort bei einer Zuspitzung des Konflikts zu Flucht über die Grenzen der Ukraine hinaus kommen, wäre Polen besonders betroffen: «Dann werden wir Hilfe bei der Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen brauchen», sagte Kopacz. 
  • Hunderte Flüchtlinge wollen derzeit von der dänischen Stadt Rodby Richtung Schweden weiterreisen. Manche satteln von Zügen nun offenbar auf private Autos um, wie der dänische TV2- Reporter Rasmus Tantholdt twittert. In Schweden erhoffen sich die Flüchtlinge bessere Lebensbedingungen


  • Europa ist nach Einschätzung eines UN-Experten zum Teil selbst für das Flüchtlingsdrama verantwortlich. Die westlichen Geberländer und die Golfstaaten hätten den Nachbarn des Bürgerkriegslands Syrien nur «Peanuts gegeben, um die schlimmste humanitäre Situation der vergangenen Jahrzehnte zu bewältigen», beklagte Andrew Harper, Chef des UN-Flüchtlingswerks in Jordanien, in einem Interview der Nachrichtenagentur AP. Nun stünden sie vor den Konsequenzen, darunter die wachsende Zuwanderung nach Europa.

    Die Nachbarländer Syriens haben bereits mehr als vier Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Doch haben die Hilfsorganisationen dort aus Geldnot die Versorgung zurückgefahren. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen habe für die Syrienhilfe in diesem Jahr eine Finanzierungslücke von 50 Prozent oder 500 Millionen Dollar (446 Millionen Euro), sagte Harper.


    Am klügsten wäre es für Europa und die Golfstaaten gewesen, Ländern wie Jordanien und dem Libanon vor zwei oder drei Jahren, als wir darum baten, mehr Hilfe zur Verfügung zu stellen

  • Die zwischenzeitliche Unterbrechung des Zugverkehrs zwischen Deutschland und Dänemark hat bislang nicht zum Ausweichen von Flüchtlingen auf die Fährlinie zwischen Rostock und dem schwedischen Trelleborg geführt. Wie ein Rostocker Polizeisprecher sagte, nutzte am späten Mittwochabend lediglich eine Gruppe von etwa 40 Flüchtlingen diese Route. Bei der Morgenfähre seien dagegen keine Flüchtlinge gesehen worden.
  • Indessen warten die Flüchtlinge vor den Zelten der Berliner Feuerwehr auf ihre medizinische Untersuchung. Heute Morgen sind sie am Bahnhof im brandenburgischen Schönefeld angekommen. Foto: Patrick Pleul, dpa 

  • Ein Blick nach Ungarn: Dort werden die Flüchtlinge von dem ungarischen Grenzdorf Röszke mit Bussen nach Gyor gebracht. Die Stadt liegt nur etwa 100 Kilometer von Österreich weg. 


  • Gestern noch gab es Lob für die Pläne zur Flüchtlingsverteilung von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Heute schränkte es Vizekanzler Sigmar Gabriel wieder etwas ein: Dies sei höchstens ein erster Schritt - «wenn man es freundlich sagt», sagte der SPD-Politiker.

    Die Situation müsse realistisch betrachtet werden: Von den 160 000 in der EU umzuverteilenden Flüchtlingen würden rund 31 000 auf Deutschland entfallen, aber im laufenden Jahr seien allein bis Anfang dieser Woche 450 000 Flüchtlinge nach Deutschland gekommen - davon 105 000 im August und in den ersten acht September-Tagen bereits 37 000.


    Wir sind hier keine Zugewinngemeinschaft in Europa, bei der man mitmacht, wenn man Geld kriegt, sondern eine Verantwortungsgemeinschaft.
  • "Wir lieben Dich, aber wir brauchen Schweden", schreiben die Jugendlichen auf ein Papier. Viele erhoffen sich dort bessere Lebensbedingungen als in Dänemark. 



  • Applaus für die Kanzlerin: Angela Merkel ist soeben zum Besuch einer Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge im Berliner Bezirk Spandau eingetroffen. Die Kanzlerin besucht auch eine Erstaufnahmeeinrichtung. Anschließend will sie in der Ferdinand-Freiligrath-Schule im Stadtteil Kreuzberg Schüler einer sogenannten Willkommensklasse treffen. Solche Klassen sind für Flüchtlingskinder gedacht, die noch kein Deutsch sprechen.
  • Wie kommt man eigentlich von Deutschland nach Dänemark? 

    - Der Grenzverkehr zwischen Deutschland und seinem nördlichen Nachbarland Dänemark spielt sich neben dem Luftweg im wesentlichen auf zwei Routen ab.  Die einzigen Landverbindungen bestehen entlang der deutschen Autobahn 7 nördlich von Flensburg sowie weiter westlich entlang der Bundesstraße 5. 

    - Daneben sind beide Länder aber auch über den Fehmarnbelt miteinander verbunden. Derzeit allerdings nur per Schiff von Puttgarden auf der Insel Fehmarn bis nach Rödby in Dänemark.

    - Auf beiden Routen gibt es auch Bahnverkehr. Zwischen Hamburg und Kopenhagen fahren unter der Woche täglich in beide Richtungen je fünf Fernzüge. Sie werden in Puttgarden beziehungsweise Rödby verschifft und setzen mit der Fähre auf die andere Seite über. 
  •  Ich will nach Schweden.

    sagt der 19-jährige Abdullah aus Somalia. Zwei Monate ist er schon unterwegs - glaubt er zumindest. 
  • Inmitten von Kleidern- und Lebensmittelspenden haben die Flüchtlinge die Nacht am Flensburger Bahnhof verbracht. Ein erster Zug ist am Morgen Richtung Dänemark gestartet. Foto: Christian Charisius, dpa
  • Während die Politik schon fleißig Pläne schmiedet, wo und wie die Flüchtlinge später auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können, wird bereits erste Kritik laut. Denn der Deutsche Gewerkschaftsbund warnt die Chefs, Menschen in finanzieller Notlage als billige Arbeitskräfte auszunutzen.

    Die Menschen müssen zu Bedingungen arbeiten können, die denen deutscher Arbeitnehmer entsprechen.

     DGB-Chef Reiner Hoffmann im SWR.

  • Ohne Handy geht es nicht! Für viele Menschen ist das Handy auf der Flucht zu einem der wichtigsten Gebrauchsgegenstände geworden. Über soziale Netzwerke bleiben sie Up-to-Date, organisieren sich und verbreiten beispielsweise Informationen über Menschenschmuggler. Skype oder Whatsapp etwa helfen, mit den Familien in den Herkunftsländern in Kontakt zu bleiben. Foto: Boris Rössler, dpa
  • In den syrischen Nachbarstaaten finden derzeit Hunderttausende Menschen Zuflucht. Allein in der Türkei registrierten die Behörden knapp zwei Millionen. Eine Zukunft haben sie dort aber nicht, sagt Generalsekretär der Deutsch-Syrischen Gesellschaft, Salem El-Hamid. Stattdessen muss Deutschland mehr tun, um den Konflikt zu schlichten


  • In Dänemark regt sich Widerstand: Die rechtspopulistische Volkspartei hat die Regierung des Landes wegen der Weiterreise von Hunderten Flüchtlingen aus Dänemark nach Schweden kritisiert. «Das klingt, als habe die Regierung aufgegeben, die Situation zu steuern», sagte der integrationspolitische Sprecher der Dansk Folkeparti, Martin Henriksen, im dänischen Fernsehen. «Man hat sich damit abgefunden, dass man keine Kontrolle hat. Das ist sehr unbefriedigend.»
  • Für viele Flüchtlinge ging die Reise nach Dänemark weiter. Etwa 240 von ihnen hat die dänische Polizei in der Nacht zum Donnerstag aus der Stadt Rødby auf der Insel Lolland weiterreisen lassen. Foto: Jens Noergaard/EPA, dpa  
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