Die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa
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Die Flüchtlingskrise in Deutschland und Europa

Sie fliehen vor Konflikten und Kriegen, aus Angst vor politischer Verfolgung, Hunger und Armut. Flüchtlinge erhoffen sich in der EU eine bessere Zukunft. Allein in Deutschland werden in diesem Jahr 800.000 Menschen erwartet. Europa steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Verfolgen Sie die Entwicklungen in der Flüchtlingskrise im Newsblog.

  • Der ungebrochene Zuzug von Flüchtlingen setzt das Gesundheitssystem in Deutschland nach Ansicht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unter massiven Handlungsdruck. Für Flüchtlinge seien zur Zeit bei Fachärzten für Nervenheilkunde oder Herzerkrankungen kaum Termine zu bekommen. Schätzungsweise seien 30 bis 40 Prozent der Ankömmlinge traumatisiert, so DRK-Präsident Rudolf Seiters.
  • Die spanische Küstenwache hat in der Nacht wieder Flüchtlinge von mehreren Schiffen gerettet. Foto: Paquet, EFE/dpa
  • Wenn Europa in der Flüchtlingsfrage versagt, dann ginge ein entscheidender Gründungsimpuls eines geeinten Europas verloren. Nämlich die enge Verbindung mit den universellen Menschenrechten, die Europa von Anfang an bestimmt hat und die auch weiter gelten muss.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Generaldebatte im Bundestag.
  • Unbekannte haben eine brennende Bengalo-Fackel auf das Gelände einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin geworfen. Polizisten vor Ort bemerkten in der Nacht die Fackel auf dem Hof und traten die Flamme aus. Verletzt wurde niemand.
    von Dirk Wittenberg, dpa bearbeitet von Daniel Mollitor, dpa 9/9/2015 8:55:46 AM
  • Frankreich hat die ersten von insgesamt 1000 Flüchtlingen empfangen, die das Land in dieser Woche von Deutschland übernimmt. Ein erster Bus aus München ist in der Gemeinde Champagne-sur-Seine südöstlich von Paris eingetroffen.
  • Kanzlerin Merkel hat zur raschen Einbindung der Flüchtlinge in die Gesellschaft aufgerufen. «Wir sollten aus den Erfahrungen der 60er Jahre, als wir Gastarbeiter zu uns gerufen haben, lernen und von Anfang an der Integration allerhöchste Priorität einräumen», so Merkel im Bundestag. 

    «Wenn wir es gut machen, dann bringt es mehr Chancen als Risiken.» Hilfe beim Deutschlernen und zur raschen Arbeitsaufnahme seien zentral. Zugleich mahnte sie: «Wir dürfen nicht wegsehen, wenn sich Milieus verfestigen, die Integration ablehnen, oder wenn sich Parallelgesellschaften bilden.» Hier dürfe es keine Toleranz geben.

     Foto: Michael Kappeler, dpa 
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ungeachtet der Kosten für die Versorgung der Flüchtlinge das Ziel eines weiterhin ausgeglichenen Haushalts unterstrichen:

    Solide Finanzen machen es auch möglich, dass wir auf plötzlich auftretende neue Herausforderungen reagieren können.
  • EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker fordert die EU-Mitgliedstaaten eindringlich dazu auf, einen Mechanismus zur fairen Verteilung schutzbedürftiger Flüchtlinge zu akzeptieren: «Ich rufe die Mitgliedstaaten auf, die Vorschläge der Kommission zur Notumsiedlung von insgesamt 160.000 Flüchtlingen beim Innenministertreffen am 14. September anzunehmen.»

    Foto: Patrick Seeger, EPA/dpa 
  • Hingucker auf der Regierungsbank: Vizekanzler Gabriel kommt mit dem Button «Wir helfen» der Flüchtlingskampagne einer deutschen Tageszeitung am Jackett in den Bundestag. Der SPD-Chef unterstützt wie viele andere Politiker und Prominente die Hilfsaktion des Blattes («#Refugees welcome»). 

    Foto: Kay Nietfeld, dpa 
  • Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hat in der Generaldebatte im Bundestag die Bundesregierung zu einer entschlossenen Bekämpfung von Krieg und Armut als wichtigste Fluchtursachen aufgerufen. Als drittgrößter Waffenexporteur der Welt leiste Deutschland aber stattdessen einen wichtigen Beitrag zur Verschärfung von Konflikten weltweit. «Diese unheilvolle Politik muss überwunden werden.»

    Foto: Kay Nietfeld, dpa 
    von Dirk Wittenberg, dpa bearbeitet von Jan Bülck, dpa 9/9/2015 7:48:42 AM
  • EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Staaten zum Handeln in der Flüchtlingskrise aufgefordert: «Es ist jetzt nicht an der Zeit, erschrocken da zu stehen. Es ist an der Zeit, entschlossen und wagemutig zu handeln.» Die EU-Staaten hätten die Mittel und Möglichkeiten, den Migranten zu helfen. Dies sei «eine Frage der Menschlichkeit und der menschlichen Würde.» Juncker verwies darauf, dass Flüchtlinge lediglich 0,11 Prozent der europäischen Bevölkerung ausmachten.  Angesichts der Streitigkeiten in der EU resümierte Juncker, dass Europa sich in keinem guten Zustand befinde. Er sagte: 

    Es fehlt an Europa in dieser Europäischen Union und es fehlt an Union in dieser Europäischen Union.

  • Zwei Videos, die eine ungarische Journalistin zeigen sollen, die nach Flüchtlingen tritt, sorgen für Gesprächsstoff im Netz. Der zweite Film wurde gestern von Stephan Richter getwittert.

    via YouTube
  • Ungarische Polizisten haben an der Grenze zu Serbien Tränengas gegen rund 150 Flüchtlinge eingesetzt, die auf einer Landstraße Richtung Budapest marschieren wollten. Die Flüchtlinge seien am späten Abend zu Fuß aus Serbien gekommen und hätten sich auf den Weg Richtung Budapest gemacht, berichtet die staatliche ungarische Nachrichtenagentur MTI. Die übrigen, vor allem junge Männer, hätten sich geweigert und «No Camp» und «Budapest, Budapest» gerufen. Zum Tränengaseinsatz kam es laut Polizei, weil einige Flüchtlinge die Polizisten mit Gegenständen beworfen hätten. Niemand sei verletzt worden.
  • Australien will 12 000 Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, weitere humanitäre Hilfe bereitstellen und sich an Luftschlägen gegen den IS beteiligen. Bei den Flüchtlinge sollen «verfolgte Minderheiten» bevorzugt werden, die derzeit in Lagern in der Türkei, Jordanien, dem Irak und dem Libanon leben, sagte Regierungschef Abbott in der Hauptstadt Canberra.


    Die 12 000 Flüchtlinge sollen demnach noch in diesem Jahr aufgenommen werden, zusätzlich zu den 13 750, zu deren Aufnahme sich Australien bereits verpflichtet hat. Es gehe darum, jenen Menschen zu helfen, die voraussichtlich nie wieder nach Hause zurückkehren könnten.
  •  «Nach neuen Schätzungen brauchen wir mindestens rund 350 000 Wohneinheiten jährlich». Foto: Malte Christians, dpa 
    Angesichts des Zustroms von Flüchtlingen muss nach Einschätzung von Bundesbauministerin Hendricks mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. «Nach neuen Schätzungen brauchen wir mindestens rund 350 000 Wohneinheiten jährlich», sagte die SPD-Politikerin der «Rheinischen Post»: «Die anerkannten Flüchtlinge werden absehbar normale, bezahlbare Wohnungen suchen, hinzu kommen die nachziehenden Familien».

    Diese Nachfrage treffe auf ohnehin angespannte Wohnungsmärkte. «Also brauchen wir noch mehr bezahlbare Wohnungen für Menschen mit durchschnittlichen Einkommen, nicht nur, aber auch mit Blick auf die Flüchtlinge», so Hendricks.
  • Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth warnt angesichts der Eskalation des Bürgerkriegs im Jemen vor einem neuen Flüchtlingsdrama. Neues Flüchtlingselend und humanitäre Katastrophen im Jemen, am Horn von Afrika und auch am Mittelmeer seien akut zu befürchten, sagte die Grünen-Politikerin der dpa. «Dass Menschen vor dem Krieg im Jemen über das Rote Meer ins bettelarme und bürgerkriegsgeplagte Horn von Afrika fliehen, zeigt, wie aussichtslos die Situation für die Jemeniten ist.» 
  • Die Flüchtlingskrise bleibt das beherrschende Thema der europäischen Politik. Am Mittwoch wird EU-Kommissionspräsident Juncker erstmals im Europaparlament eine Rede zur Lage der Union halten. Mit Spannung werden seine Vorschläge zur Flüchtlingspolitik erwartet. Auch die Generaldebatte im Bundestag wird im Zeichen dieser Thematik stehen. Unser Blog pausiert nun vorübergehend und steigt am frühen Morgen wieder in die Live-Berichterstattung ein.
  • Auf Dauer kann ein Land wie Deutschland 800 000 Flüchtlinge im Jahr nicht aufnehmen und integrieren.

    Bundesinnenminister de Maizière fordert, Fluchtursachen stärker zu bekämpfen und endlich auf europäischer Ebene gemeinsam vorzugehen. Niemand in Europa solle glauben, dass Deutschland diese Aufgabe allein schultern werde. 

  • Das gegenwärtige Ausmaß der Flüchtlingskrise in Europa wird sich nach Einschätzung des Flüchtlingshilfswerks UNHCR frühestens im November abschwächen. «Bis Ende Oktober ist keine Änderung zu erwarten», sagte Europa-Direktor Vincent Cochetel in Budapest. Allein in den nächsten zehn Tagen sei mit 42 000 weiteren Flüchtlingen auf der Balkan-Route über Griechenland, Serbien und die Türkei zu rechnen. In Griechenland seien zurzeit 30 000 Menschen unterwegs, in Mazedonien 7000. Von den nach Europa flüchtenden Menschen kommen nach UNHCR-Angaben 85 Prozent aus Syrien, dem Irak und Afghanistan.
     
    «Wir sind überzeugt, dass sich das Problem managen lässt», sagte Cochetel. Allerdings werde eine Lösung dadurch erschwert, dass es kein Vertrauen unter den europäischen Staaten gebe. «Diese Krise lässt sich nicht allein von Deutschland lösen», mahnte Cochetel.

    Flüchtlinge warten am Bahnhof in Schönefeld (Brandenburg) auf ihren Transport nach Berlin. Foto: Bernd Settnik, dpa 
  • Marokkanische Aktivisten würdigen den kleinen Aylan Kurdi, der in der vergangenen Woche auf der Flucht aus Syrien im Mittelmeer ertrank. In der gleichen Kleidung wie das Kind nehmen sie an einem Strand in Rabat die Position ein, in der der tote Dreijährige von einer Fotografin abgelichtet worden war. Das Foto sorgte weltweit für große Bestürzung. Foto: Stringer, EPA/dpa 
  • Der Flüchtlingsgipfel muss so schnell wie möglich stattfinden, und die Vorschläge müssen konkretisiert werden.

    Die Co-Fraktionschefin der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, fordert die Bundesregierung auf, den in gut zwei Wochen geplanten Flüchtlingsgipfel mit den Ländern vorzuziehen. Die von der Regierung gemachten Vorschläge müssten jetzt endlich konkretisiert werden. Damit könne nicht bis zum 24. September gewartet werden. Die große Koalition ist bei dem geplanten Maßnahmenpaket auf Zustimmung der Länder mit grüner Regierungsbeteiligung angewiesen.
  • Ungarn will den bisher nur in Teilen fertigen Grenzzaun zu Serbien schneller dicht machen. Regierungschef Orban ist unzufrieden, weil der Zaun Flüchtlinge bislang kaum abhält. Diese drängen weiter gen Westen - per Bahn und zu Fuß. Der Zaun soll außerdem laut den Plänen von Verteidigungsminister Simicsko von 3000 bis 4000 Soldaten kontrolliert werden.  Aus Serbien sollen nach Angaben der Polizei heute weitere 875 Flüchtlinge nach Ungarn gekommen sein.
  • Die kleine Manai aus Syrien spielt auf dem Hauptbahnhof in Lübeck mit Seifenblasen. Eine Gruppe Flüchtlinge wurde dort von der Polizei gestoppt; sie wollten nach Schweden. Foto: Daniel Reinhardt, dpa 
  • Nicht überall in Syrien wird gekämpft. Aleppo ist nicht Damaskus.

    Laut 
    Max Straubinger,  Parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, gibt es 
    auch in Syrien Regionen, in denen man leben könne. Deutschland müsse da, wo es gehe, Flüchtlinge zurückschicken, andernfalls drohe in der Bundesrepublik ein abruptes Ende der bisher herrschenden Hilfsbereitschaft. Wie solche Abschiebungen abgewickelt werden könnten, ließ Straubinger offen. Deutschland hat wegen des Bürgerkriegs in Syrien seine Botschaft in Damaskus geschlossen.

    Max Straubinger
    Foto: Andreas Gebert, dpa/Archiv 
  • Dänemark hat Flüchtlinge im Bus zurück nach Deutschland geschickt. «Es dreht sich dabei um diejenigen, die kein Asyl suchen und sich deshalb illegal in Dänemark aufhalten», teilte die Polizei in Südjütland mit: «Sie sind alle ausgewiesen worden und haben ein Einreiseverbot für zwei Jahre.» Es habe sich zunächst um ein Dutzend Menschen gehandelt. Seit Sonntag sind nach Schätzungen der Polizei mehr als tausend Flüchtlinge in Dänemark angekommen. Knapp 160 von ihnen hätten Asyl beantragt, etwa 300 seien verschwunden und rund 500 in Gewahrsam.
  • Malu Dreyer, SPD-Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, fordert eine bessere Koordination des Bundes bei der Aufnahme zahlreicher Flüchtlinge wie zuletzt aus Ungarn. «Wir kriegen ja nicht vom Bund die Nachricht (...), die offizielle, ihr erwartet jetzt demnächst soundso viele Hundert Leute, sondern wir gucken Fernsehen», so Dreyer in Mainz. Zugleich hält die Landeschefin mehr Geld vom Bund für notwendig: «Natürlich wäre es von Vorteil, wenn der Bund sich auch noch ein ganzes Stück nach oben bewegt.» 
  • Zwei Gruppen von jeweils 100 bis 150 Flüchtlingen haben im Registrierungslager Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze einen Polizeikordon durchbrochen. Sie marschieren zu Fuß Richtung Westen, wie ungarische Medien weiter berichten. Die Gruppe, darunter Familien mit Kindern, folgt demnach der Eisenbahnlinie in Richtung der nächsten Kreisstadt Szeged. Die Polizei behindert die Wandernden nicht weiter, sondern begleitet sie und ließ aus Sicherheitsgründen zeitweise einen Zug anhalten. Die zweite Gruppe gehe auf der Autobahn M 5 Richtung Budapest.

    Das Registrierungslager Röszke an der ungarisch-serbischen Grenze. Foto: Zoltan Gergely Kelemen, EPA/dpa 
  • Mit hochsommerlichen Temperaturen dürfte es in Deutschland zumindest für dieses Jahr vorbei sein. Eine Helferin sortiert am Münchner Hauptbahnhof schon mal warme Kleidung, die an die ankommenden Flüchtlinge verteilt wird. Foto: Andreas Gebert, dpa

  • Drei Jahre und zehn Monate: So lautet das Urteil des Berliner Landgerichts für einen Schleuser syrischer Kriegsflüchtlinge. 236 Menschen habe der 30-Jährige illegal von Italien über Österreich nach Deutschland transportiert, teilweise ging es weiter nach Dänemark. Für jeden Geschleusten hätte der Ägypter gemeinsam mit seinen italienischen Komplizen 700 Euro kassiert. In den Augen des vorsitzenden Richters reine Geldmacherei. 

    Es war kein Gutmenschentum, sondern ein finanzielles Ausbluten der Geschleusten

  • Den Schleusern an den Kragen 

    Kriminelle Schleuser gehören hinter Gitter - diese Auffassung teilen viele. Aber mit welchen Konsequenzen müssen die Schlepper in Deutschland rechnen? Ein Überblick:

    Laut Bundesinnenministerium steht die Schleusung als bedeutende Aktivität der organisierten Kriminalität in Deutschland häufig im Zusammenhang mit weiteren Straftaten wie Dokumenten- und Rauschgiftkriminalität, Menschenhandel und Schwarzarbeit.

    Das Einschleusen wird hart bestraft. Für gewerbsmäßige Täter sieht Paragraf 96 des Aufenthaltsgesetzes mindestens sechs Monate Haft vor. Bis zu zehn Jahre können es werden, wenn der Schleuser bewaffnet ist oder die Flüchtlinge «einer das Leben gefährdenden, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung aussetzt». Kommt ein Migrant ums Leben, sieht das Gesetz für den Schleuser eine «Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren» vor.

    Auch die Beihilfe zur Schleusung ist strafbar. So drohen unter anderem eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Haft, wenn man Unterkünfte oder Beförderungsmöglichkeiten besorgt, Übersetzungsdienste leistet oder über Möglichkeiten zum Grenzübertritt informiert.

  • Notaufnahme-Leiter von Human Rights Watch, Peter Bouckaert, zeigt auf einem Foto Zelte, die nahe der ungarischen Stadt Röszke aufgebaut sind. Von Flüchtlingen sind diese nicht - sondern von den vielen Menschen, die freiwillig angerückt sind und helfen, wo Hilfe nötig ist. 


  • In den vergangenen Tagen war München Mittelpunkt des Flüchtlingsszenarios. Weil es in der bayerischen Landeshauptstadt dadurch zu logistischen Problemen bei der Versorgung und Unterbringen kam, soll nun ein weiteres Drehkreuz her. Als Option gilt der Flughafen Leipzig/Halle. Endgültig entschieden ist nach Angaben eines Sprechers des sächsischen Innenministeriums aber noch nichts. 

    Momentan steht der Bund mit den Ländern in Verhandlungen.
  • Kompromissbereitschaft 

    Bei der Verteilung der Flüchtlinge werden die Rufe nach einer Quote innerhalb der EU-Länder immer lauter.  Weil Deutschland und Schweden die meisten Flüchtlinge aufnehmen, besteht Kanzlerin Merkel zusammen mit Schwedens Ministerpräsident Stefan Löfven deshalb auf einen verbindlichen Schlüssel, wie viele Asylberechtigte die 28 Mitgliedsstaaten künftig aufnehmen müssen. Im Osten Europas stoßen die beiden Regierungschef mit ihrer Forderung auf taube Ohren. Konfrontation und Drohungen bringen in den Augen von Merkel aber nichts:  «Meine Erfahrung ist, dass man, manchmal nach längerer Zeit, doch zu einer gemeinsamen Lösung kommt.» Sie schränkte ein: «Morgen wird es nicht sein und nächste Woche auch nicht, aber möglichst schnell.» 

  • In der ungarischen Grenzstadt Röszke ist die Lage ernst: Viele Flüchtlinge haben nach Angaben der Nachrichtenagentur MTI ihre Registrierung im dortigen Lager verweigert. Sie haben Angst, dadurch ihre Aufnahme in einem anderen EU-Staat zu gefährden. 


  • Geflohen aus Guina, angekommen im Tonstudio. Die Ruhrnachrichten in Dortmund berichten über Flüchtlinge, die mit Musik in Deutschland Fuß fassen. 


  • Auf bundespolitischem Parkett hat sich die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bislang zurückgehalten. Jetzt meldet sich die SPD-Politikerin dafür umso lauter zu Wort: Die Prognose von 800 000 Flüchtlingen für Deutschland in diesem Jahr sei zu optimistisch gerechnet, die vom Bund angekündigte Drei-Milliarden-Hilfe für Länder und Kommunen ab 2016 reiche nicht aus. Stattdessen fordert sie mehr Geld - und zwar noch in diesem Jahr. 


    2015 muss es auch noch einen Zuschlag geben.


  • Milch für die Flüchtlinge, Hilfe für die Bauern. So lautet die Devise der EU-Kommission, die ankündigte, überschüssige Milch und andere Molkereiprodukte kostenlos an Asylsuchende zu verteilen. Wie genau das Konzept ausschaut, ist bislang aber noch nicht geklärt. Vorstellbar wäre, dass die EU mit Mitteln für die Flüchtlingspolitik Milchprodukte aufkauft und sie an Flüchtlinge abgibt. Dadurch könnten die Erzeuger unterstützt werden, die derzeit unter sehr niedrigen Preisen für ihre Produkte leiden.



  • Eine traurige Bilanz nach dem Wochenende:  Bei der Flucht über das Mittelmeer haben allein seit Freitag 58 weitere Menschen ihr Leben verloren. Unter den Toten sei auch wieder ein Kleinkind, berichtete die Internationale Organisation für Migration (IOM). 

    Die meisten der 58 Flüchtlinge ertranken laut IOM zwischen der Küste Libyens und Sizilien. Insgesamt habe sich die Zahl der im Mittelmeer auf dem Weg nach Europa zu Tode gekommenen Migranten damit bis zum 8. September auf 2760 erhöht - das seien über 500 Tote mehr als im selben Zeitraum des Vorjahres. 


  • Die Lage am Münchner Hauptbahnhof entspannt sich. Bis zum frühen Nachmittag kamen rund 1300 Flüchtlinge an. Das sind laut Präsident der oberbayerischen Regierung, Christoph Hillenbrand, deutlich weniger im Vergleich zu den anderen Tagen. Wie sich die Situation bis zum Abend noch entwickelt, sei aber noch unklar. 
  • Angesichts der wachsenden Flüchtlingszahlen müssen in der Politik Nägel mit Köpfen gemacht werden. Die wichtigsten Termine für September im Überblick: 

    - 9. September: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker spricht vor dem Europaparlament in Straßburg zur Lage der EU. Er wird seine Pläne zur Verteilung von 120 000 Flüchtlingen präsentieren.

    - 14. September: Auf einem Sondertreffen der EU-Innen- und Justizminister geht es um konkrete Schritte für eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge.

    - 24. September: In Berlin treffen Bund und Länder zu einem Flüchtlingsgipfel zusammen. Spannend ist vor allem, wie sich die neun grün-mitregierten Länder zu dem Beschluss der Bundesregierung verhalten, weitere sichere Herkunftsländer auf dem Balkan auszuweisen.

  • Für viele Flüchtlinge sind Smartphones das Kommunikationsmittel Nummer eins. Ungarische Greenpeace-Aktivisten hatten deshalb gestern am Ostbahnhof in Budapest den Zugang "Refugees Internet" eingerichtet. Die Idee kam gut an: Nur kurze Zeit später standen etwa hundert Menschen im Pavillon, um drahtlosen Empfang und Strom zu zapfen. 

    Foto: Peter Zschunke, dpa 

  • KEINE MACHT DEN SCHLEPPERN Die österreichischen Behörden wollen wieder gezielt gegen Schlepperbanden vorgehen. Seit gestern hat die Polizei sechs Verdächtige festgenommen, insgesamt wurden bislang mehr als 60 gefasst. Erst Ende August hatte der tragische Fund von 71 Leichen im Laderaum eines Lastwagens die Welt erschüttert. Foto: Matthias Röder, dpa

  • Deutschland und Schweden bestehen gemeinsam auf einer verbindlichen Quote für die Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der Europäischen Union. Bei einem Treffen in Berlin verlangten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Stefan Löfven einen festen Verteilungsschlüssel für alle 28 EU-Mitglieder. Derzeit nehmen beide Länder in Europa die meisten Asylbewerber auf. In der Bundesrepublik werden mindestens 800 000 Migranten erwartet, in Schweden mehr als 80 000. Merkel äußerte sich optimistisch, dass es trotz des Widerstands von Ländern wie Ungarn einen Kompromiss geben werde. Man solle sich jetzt nicht in Drohungen überbieten.

    Stefan Löfven und Angela Merkel in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa 
  • Die Bundespolizei hat am Dienstagmorgen um 9.08 Uhr einen Zug am Lübecker Hauptbahnhof gestoppt. An Bord waren etwa 250 Flüchtlinge. Ziel des Zuges EC31 war Kopenhagen in Dänemark. Auch im nachfolgenden EC von Hamburg und Kopenhagen, der Lübeck gegen 10 Uhr erreichte, befanden sich rund 150 Flüchtlinge. Auch dieser Zug wurde gestoppt.
  • Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat die katholischen Gemeinden zur verstärkten Solidarität mit den Flüchtlingen aufgerufen. Er gehe davon aus, dass Pfarreien, die dazu in der Lage seien, mehr als eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen, sagte der Münchner Erzbischof. Sein Münchner Bistum stelle als Soforthilfe fünf Millionen Euro zur Verfügung. Auch die Hilfe der anderen großen Bistümer bewege sich in dieser Größenordnung. Dazu kämen die Mittel von Hilfsorganisationen wie die Caritas.

    Erst am Sonntag hatte auch Papst Franziskus alle Pfarreien, religiösen Gemeinschaften, Klöster und Wallfahrtsorte in Europa aufgefordert, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen.

    Kardinal Reinhard Marx ruft Kirchen auf, Flüchtlingen zu helfen. Foto: Bernd von Jutrczenka, dpa 

    von Laura Lewandowski, dpa bearbeitet von Christoph Lignitz, dpa 9/8/2015 11:55:49 AM
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