Der Terroranschlag von Paris

Der Terroranschlag von Paris

    Liebe Leserinnen und Leser, seit Freitagnacht vergangener Woche haben wir Sie rund um die Uhr über die aktuellsten Entwicklungen zu den Terroranschlägen in Paris auf dem Laufenden gehalten. Wir beenden an dieser Stelle den Liveticker. Sollte sich die Nachrichtenlage dramatisch ändern, sind wir für Sie selbstverständlich erneut mit einer Echtzeit-Berichterstattung am Start. Vielen Dank für Ihr Interesse und fürs Mitlesen!
    Hier noch einmal das Wichtigste vom Tage in aller Kürze:

    · Die Terrorserie von Paris könnte laut französischer Regierung nur der Auftakt einer Angriffswelle sein. Die IS-Terrormiliz bereite weitere Attacken gegen Europa und seine Verbündeten vor. Auch der US-Geheimdienst CIA warnt vor neuen Attentaten islamischer Extremisten. Die Dschihadisten drohten indes in einer neuen Videobotschaft mit weiteren Anschlägen.

    · In Frankreich durchsuchte die Polizei landesweit rund 170 Wohnungen und nahm 23 Verdächtige fest. Dabei wurden schwere Waffen beschlagnahmt. Ziel der Razzien war nach Regierungsangaben vor allem, weitere Anschlagspläne zu vereiteln.

    · Auch in Belgien gab es neue Razzien. Spezialeinsatzkräfte suchten in Brüssel vor allem nach dem flüchtigen Belgier Salah Abdeslam - allerdings erfolglos. Der 26-Jährige ist der Bruder eines Selbstmordattentäters von Paris und zur Fahndung ausgeschrieben.

    · Das Auswärtige Amt identifizierte ein zweites deutsches Todesopfer - ein Mann (51), der ursprünglich aus Niedersachsen kam.
    Nach den Anschlägen von Paris sprechen sich republikanische Gouverneure von 13 US-Bundesstaaten gegen die Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien aus. Präsident Barack Obama hatte die Aufnahme von 10.000 Flüchtlingen im laufenden Haushaltsjahr zugesagt. «Die Bedrohung für Texas durch den IS (Terrormiliz Islamischer Staat) ist sehr real», schreibt der Gouverneur des Südstaates, Greg Abbott, in einem Brief an Obama. «Ein syrischer Flüchtling scheint unter den Attentätern gewesen zu sein», heißt es in dem Schreiben weiter, über das die Plattform «The Hill» berichtet. Neben Texas haben sich auch Bundesstaaten wie Alabama, Florida, Arizona oder Ohio gegen die Aufnahme von Syrern ausgesprochen.

    Dieser gefundene syrische Pass auf gibt viele Fragen auf: Ein Attentäter hatte es bei sich. Noch ist die Echtheit nicht bestätigt, die Fingerabdrücke des toten Terroristen stimmen aber mit denen eines in Griechenland registrierten Mannes überein.


    Ganz Europa trauert auch am dritten Tag nach den Anschlägen in Paris. Einige Impressionen in der Bilderstrecke: 

    Der Eiffelturm strahlt in den französischen Nationalfarben.  Foto: Malte Christians/dpa
     «Fluctuat Nec Mergitur», das Motto von Paris, steht in weißen Lettern auf dem beleuchteten Eiffelturm. Foto: Malte Christians/dpa
    Eine junge Französin sitzt in Stuttgart vor Kerzen und Blumen. Foto: Christoph Schmidt/dpa 
    Der Hashtag #prayforparis ist an einem Verkehrsinformationsbildschirm in Berlin zu sehen. Foto: Jörg Carstensen/dpa
    Auch in Barcelona werden Kerzen für die Opfer in Paris angezündet. Auf einem Schild steht: Der Islam ist nicht Terrorismus. Foto: Andreu Dalmau/EFE/dpa 
    In Genf zündet eine Frau Kerzen an. Foto: Salvatore Di Nolfi/Keystone/dpa 
    In Bern brennen zahlreiche Kerzen vor dem in den französischen Nationalfarben angestrahlten Schweizer Parlament. Foto: Lukas Lehmann/Keystone/dpa
     
     

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    Heute Nachmittag wurde mit einer Schweigeminute in Frankreich und europaweit der Opfer von Paris gedacht (wir berichteten). Der Europäische Rat hat ein Video zusammengestellt, welches wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

    Quelle: Twitter/@EUCouncil
    von dpa ∙ live Desk
    Auf eine direkte Konfrontation mit so schwer bewaffneten und auch kriegserfahrenen Attentätern sind wir denkbar schlecht vorbereitet

    Der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, hat sich im ZDF besorgt geäußert. Die deutsche Polizei sei nicht ausreichend für den Kampf gegen Terroristen wie in Paris gerüstet. Wendt kritisiert, dass die europäischen Staaten zu wenig investierten, um ihre Sicherheitsbehörden vernünftig auszustatten. 


    Bundespolizisten am Berliner Hauptbahnhof. Foto: Kay Nietfeld/dpa 


    Muslime in aller Welt verurteilen die schrecklichen Anschläge in der französischen Hauptstadt. Unter dem Hashtag #NotInMyName, zu deutsch nicht in meinem Namen, posten sie Fotos und Videos in den sozialen Medien und stellen sich gegen den IS:

    Wie der französische Fernsehsender Europe 1 Im Kurznachrichtendienst Twitter mitteilt, wird US-Außenminister John Kerry morgen in Paris erwartet: 


    Auch Wasser kann leuchten: Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho postet eine Fontäne in Blau-Weiß-Rot auf Twitter - er scheint am Genfersee zu sein:

    Ein Todesopfer des Terrors von Paris kommt aus Niedersachsen. In der Landeshauptstadt leuchtet das Anzeiger-Hochhaus in den Farben der Tricolore: 

    Es sind viele Puzzleteile, die die Ermittler nach dem Terror von Paris zusammen setzen müssen. Nach und nach werden immer mehr Details bekannt über die Attentäter und ihre Verbindungen.

    von dpa ∙ live Desk


    Das zweite identifizierte deutsche Todesopfer der Terroranschläge in Paris kommt aus Niedersachsen. Das hat die Deutsche Presse-Agentur von der Familie erfahren, die in der Nähe von Hannover lebt. Die Angehörigen hätten am Sonntagabend vom Tod des 51-Jährigen erfahren.

    Weiße Rosen als Zeichen der Trauer hängen nahe des Musikclubs Bataclan in Paris an einem Zaun. Foto: Malte Christians/dpa 




    Blick nach Dresden: Das Gedenken an den Terroranschlag von Paris hat der Pegida-Bewegung kaum zusätzlichen Zulauf beschert. Tausende Menschen haben sich an der Kundgebung der islam- und fremdenfeindlichen Bewegung beteiligt. Nach ersten Schätzungen der Studentengruppe «Durchgezählt» versammelten sich am Abend zwischen 9000 und 12.000 Anhänger auf dem Theaterplatz vor der Semperoper. 

    In den letzten drei Wochen lag die Zahl der Teilnehmer zwischen 8000 und 12.000. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Innenminister Markus Ulbig hatten davor gewarnt, die Anschläge von Paris politisch zu missbrauchen. Gegen Pegida gingen etwa 1000 Menschen auf die Straße.

    «Ein Angriff auf Paris ist ein Angriff auf Europa und damit auch auf Deutschland! Grenzen zu Frau Merkel. Es reicht!!!». Foto: Arno Burgi, dpa
    Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, aber es sind noch viele Fragen offen. Ein Überblick: 

    · Bisher gibt es keine näheren Informationen zur Identität des zweiten deutschen Todesopfers. Außerdem ist unklar, ob unter den Toten und Verletzten womöglich weitere Deutsche sind.

    · Offen ist nach wie vor, wie viele Terroristen und Komplizen es insgesamt gab - und damit auch, wie viele Täter noch auf freiem Fuß sind. Besteht noch akute Gefahr?

    · Noch sind nicht alle getöteten Attentäter identifiziert. Lebten sie in Frankreich oder kamen sie aus dem Ausland? In welcher Verbindung standen die Terroristen zueinander, wie organisierten sie sich? Und welche Rolle spielte der angebliche Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud sein, der meistgesuchte Islamist Belgiens? 

    · Rätsel gibt ein Mann aus Montenegro auf, der vor gut einer Woche von der Polizei in Oberbayern mit Maschinenpistolen, Handgranaten und Sprengstoff im Auto gestoppt wurde. Angeblich war er damit auf dem Weg nach Paris. Ein Zusammenhang mit den Anschlägen wird geprüft.

    · Unklar ist auch die Rolle eines nach den Anschlägen im Sauerland festgenommenen Algeriers. Er soll gegenüber Mitbewohnern in einer Flüchtlingsunterkunft geäußert haben, dass in Paris etwas passieren werde. Wusste er wirklich etwas? Oder wollte er sich nur wichtig tun?

    Der US-Geheimdienst CIA rechnet damit, dass die IS-Terrormiliz weitere Anschläge vorbereitet. «Ich gehe davon aus, dass dies nicht die einzige Operation ist, die der IS in der Pipeline hat», so CIA-Direktor John Brennan mit Blick auf die Terrorserie von Paris. «Ich sehe dies sicherlich nicht als einmaliges Vorkommnis an.» Es sei klar, dass der IS eine Agenda außerhalb seines Stammgebietes verfolge und dass er entschlossen sei, diese Art von Anschlägen zu verüben. Für ihn sei sei «keine Überraschung» gewesen, dass es zu den Anschlägen in Paris gekommen ist, es habe «strategische Warnungen» gegeben. «Wir wussten, dass diese Art von Planungen zur Verübung dieser Anschläge im Gange sind, mit einem besonderen Fokus auf Europa als Schauplatz», meint Brennan.

    Der Geheimdienstchef erklärt, die Geheimdienste seien durch die Politik vor allem in Europa in den vergangenen Jahren - «nach einer Reihe nicht autorisierter Veröffentlichungen» - in ihrer Arbeit beschnitten worden. «Ich hoffe, das ist ein Weckruf, besonders für bestimmte Regionen in Europa», betont der CIA-Direktor.

    «IS hat möglicherweise noch mehr Anschläge geplant»: CIA-Direktor John Brennan. Foto: Justin Lane, EPA/dpa 
    Die Équipe Tricolore tritt morgen Abend im Wembley Stadion zu einem Testspiel gegen England an.  Nationalcoach Didier Deschamps hebt auch die emotionale Bedeutung der Partie vier Tage nach den Terrorattacken von Paris hervor. «Dieses Spiel hat nicht nur eine sportliche Dimension, sondern noch viel mehr. Wir werden zeigen, dass wir stolz sind, Franzosen zu sein», so der Trainer. «Wir sind hier, um unser Land zu repräsentieren, unsere Farben.»

    Foto: Etienne Laurent, EPA/dpa 
    Ein ganz normaler Junge

    So beschreibt Mohamed Abdeslam seinen 26-jährigen Bruder Salah, der an den Terroranschlägen in Paris beteiligt gewesen sein soll und auf der Flucht ist. Sein anderer Bruder Ibrahim (oder: Brahim) war einer der Selbstmordattentäter von Paris. 
    Mohamed Abdeslam selbst war seit Samstag in Polizeigewahrsam und ist seit heute wieder auf freiem Fuß. Er gab nach seiner Freilassung in Brüssel ein Interview. Mohamed beschreibt darin ein ganz normales Familienleben: «Wir sind eine Familie, wir sind eine offene Familie, wir hatten niemals Probleme mit der Justiz.» Seine Eltern stünden unter Schock, «sie können noch gar nicht verstehen, was da passiert ist.» 

    Das französische Medium «L'Obs» hat Kinder nach den Anschlägen in Paris befragt. Viele von ihnen wissen, was Freitagnacht passiert ist. Ein Mädchen spricht von toten Menschen. Ein Junge antwortet auf die Frage, ob er nun Angst habe, mit einem klaren Nein.



    Was geht in Kindern vor, die von der Terrorserie in Paris erfahren haben? Das französische Medium «L'Express» veröffentlicht Bilder, die die Kleinen gemalt haben: 


    Wegen Terrorverdachts ermitteln polnische Behörden gegen einen 23-jährigen Mann. Er soll einer in Syrien aktiven Terrororganisation angehören, wie die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft im zentralpolnischen Lodz meldet. Entgegen vorheriger Berichte handele es sich dabei nicht um die IS-Terrormiliz, bestätigen die polnischen Behörden. Der Pole war gestern nach seiner Abschiebung aus Norwegen am Warschauer Flughafen festgenommen und dann nach Lodz gebracht worden. Ihm drohen bis zu acht Jahre Haft. Der Verdächtige wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern.
    Mit dem steigenden Bedarf an Sicherheit befasst sich auch die «Süddeutsche Zeitung» in ihrer morgigen Ausgabe:

    In Europa bedarf es eines weitaus stärkeren polizeilich-geheimdienstlichen Einsatzes, als es sich unsere Wohlfühlgesellschaften eingestehen wollen. Die Tentakeln des Kalifats reichen ... auch nach Deutschland; ein Attentat hier ist vielleicht nur eine Frage der Zeit.
    In den Metropolen Europas werden nach dem Terror in Paris die Sicherheitsvorkehrungen verschärft: Wie hier vor dem Petersdom in Rom...

    Italienische Sicherheitskräfte vor dem Petersdom in Rom. Foto: Ettore Ferrari/Ansa/dpa 

    ... oder im Hauptbahnhof in Berlin.

    Bundespolizisten im Hauptbahnhof in Berlin. Foto: Kay Nietfeld/dpa 





    Blick nach Paris: Mittlerweile leuchtet der Eiffelturm à la Tricolore.


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