Bombenanschlag am Flughafen Brüssel

Bombenanschlag am Flughafen Brüssel

Am Brüsseler Flughafen Zaventem ist es zu zwei Explosionen gekommen. Sie haben sich in der Abflughalle ereignet. Reisende werden evakuiert, Rettungsdienste sind vor Ort. Nach Angaben von Zeugen vor Ort soll es mehrere Verletzte geben.Die aktuellen Ereignisse begleiten wir im LiveTicker.

    Nach der für 12.00 Uhr geplanten Schweigeminute sollen in Belgien die Glocken läuten. Die katholischen Bischöfe riefen Kirchen und Kapellen im ganzen Land auf, im Anschluss an den Moment der Stille mehrere Minuten lang die Glocken zu läuten.
    Erneut meldet sich Papst Franziskus zu den Brüsseler Terrorattacken zu Wort und ruft die Weltgemeinschaft dazu auf, die Anschläge auf das Schärfste zu verurteilen. «Ich richte erneut einen Appell an alle Menschen guten Willens, diese grausamen Abscheulichkeiten, die nur Tod, Terror und Entsetzen erzeugen, einstimmig zu verurteilen», so das Kirchenoberhaupt bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz. Er bittet die Gläubigen dafür zu beten, dass «diese von einem grausamen Fundamentalismus geblendeten Leute» sich bekehren. Sein Herz sei schwer, so Franziskus. Er sei der gesamten belgischen Bevölkerung sowie den Angehörigen der Opfer und allen Verletzten nah und bete für sie, erklärt der Argentinier.

    Foto: Giorgio Onorati, epa/dpa 
    Die Toten und Verletzten der Anschläge kommen aus etwa vierzig Ländern. Das meldet die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den belgischen Außenminister Didier Reynders.

    Grafik: A. Brühl 


    Großer Andrang auf dem Platz vor der Börse: 


    Kondolenzschreiben aus dem britischen Königshaus: 

    In Belgien herrscht weiterhin die höchste Alarmstufe: 
    Der Flughafen in Brüssel bleibt auch morgen geschlossen:


    Das für kommenden Dienstag geplante Fußball-Länderspiel zwischen Belgien und Portugal ist abgesagt worden. Die Stadt Brüssel habe aus Sicherheitsgründen und als Vorsichtsmaßnahme darum gebeten, teilt der belgische Verband auf Twitter mit. 


    Der Terrorverdächtige Najim Laachraoui ist offensichtlich doch nicht gefasst. Die belgische Zeitung «La Dernière Heure» berichtet, im Gegensatz zu früheren Informationen des Blattes sei Laachraoui doch nicht festgenommen worden. Zuvor hatten mehrere andere Medien bezweifelt, dass ein im Brüssler Stadtteil Anderlecht festgenommener Mann der mutmaßliche Dschihadist Laachraoui sei. 

    Der 24-Jährige wird mit den Attentaten von Paris im November 2015 in Verbindung gebracht und könnte auch an den Brüssler Anschlägen beteiligt gewesen sein. Die belgische Polizei hatte ihn am Montag - einen Tag vor den tödlichen Attentaten auf den Flughafen und die U-Bahn in Brüssel - öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben.


    Ermittler haben nach Angaben von Frankreichs Premierminister Manuel Valls mehr als 30 Personen identifiziert, die mit den Pariser Terroranschlägen vom November im Zusammenhang stehen sollen. «Elf sind verstorben, zwölf sind hinter Schloss und Riegel, andere werden gesucht», so Valls im Interview mit dem Radiosender Europe 1. Im Hinblick auf mögliche Zusammenhänge mit den Brüsseler Anschlägen blieb er vorsichtig: «Sind einige von ihnen bei den Attentaten von Brüssel? Wir werden es sehen», so Valls.
    Viel Geduld muss man in diesen Tagen in Brüssel mitbringen:


    Eindrücke von der Schweigeminute:

    Foto: Olivier Hoslet, epa/dpa 
    Foto: Olivier Hoslet, epa/dpa 
    Foto: Federico Gambarini, dpa 
     
     

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    Mehr als Tausend Flugpassagiere die Nacht in Behelfsunterkünften verbracht. Etwa 1500 Transitpassagiere seien unter anderem in einer Sporthalle in dem Ort Haasrode sowie einer Turnhalle in Zaventem nahe des Flughafens untergekommen, berichtet die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf Provinzgouverneur Lodewijk De Witte. Wie bereits berichtet, soll der Brüsseler Airport auch am morgigen Donnerstag für Passagierflüge geschlossen bleiben. Die Zahl aller gestrandeten Passagiere dürfte demnach noch höher liegen. Hotels in der belgischen Hauptstadt boten Betroffenen der Terroranschläge kostenlose Zimmer an.
    Einer der Selbstmordattentäter der Brüsseler Anschläge ist als Ibrahim El Bakraoui identifiziert worden. Er sei der Mann in der Mitte des Fahndungsfotos vom Flughafen, sagt Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw am in Brüssel.
    Bei dem Attentäter in der Brüsseler Metro handelt es sich um Khalid El Bakraoui. Er ist der Bruder des Selbstmordattentäters vom Flughafen, Ibrahim El Bakraoui, sagt Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw.
    Van Leeuw sagt weiter, der Mann auf der linken Seite des Fahndungsfotos vom Flughafen sei bisher nicht identifiziert. Ein dritter Mann, der eine weiße Jacke trug, sei flüchtig. 
    Der Staatsanwalt erläutert, Ermittler hätten einen Computer mit dem Testament des mutmaßlichen Flughafen-Attentäters Ibrahim El Bakraoui sichergestellt. Der Rechner sei in einem Müllbehälter in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek gefunden worden. In Schaerbeek hatte es am Dienstagabend Razzien  gegeben.
    Van Leeuw sagt, Ibrahim El Bakraoui habe in dem sogenannten Testament angegeben, er wisse nicht mehr, was er tun solle. Er werde gesucht. 
    In Schaerbeek haben die Ermittler laut Staatsanwalt auch eine Art Bombenfabrik gefunden. Van Leeuw sagt, es seien unter anderem 15 Kilogramm hochexplosives Azetonperoxid (TATP), ein Koffer mit Nägeln und Schrauben, sowie weiteres Material für den Bombenbau sichergestellt worden.
    Hier noch einmal in der grafischen Darstellung, wo genau die Anschläge in Brüssel verübt wurden:

     Grafik: Mühlenbruch/Dengl, dpa-Infografik
    • UPDATE
    Bei den Terroranschlägen in Brüssel sind auch mehrere Deutsche verletzt worden. Das Auswärtige Amt schließt auch nicht mehr aus, dass Bundesbürger getötet wurden. Mindestens ein Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft erlitt schwere Verletzungen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagt: «Wir müssen leider bestätigen, dass unter den bei dem Terroranschlag verletzten Personen auch deutsche Staatsangehörige sind, darunter mindestens eine schwer verletzte Person.» Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa liegt die Zahl der deutschen Verletzten aktuell «im einstelligen Bereich». Bislang war nur bekannt, dass eine Bundesbürgerin leicht verletzt wurde.

    Vermutlich wird es aber noch längere Zeit dauern, bis Gewissheit über die Zahl der deutschen Verletzten und mögliche deutsche Todesopfer besteht. Nach Angaben des belgischen Außenministeriums kommen die Opfer aus etwa 40 Nationen. Das Auswärtige Amt hatte gleich nach den Anschlägen einen Krisenstab eingesetzt, der sich auch um besorgte Angehörige kümmert.
    Nach bisherigen Erkenntnissen sind 31 Menschen bei den Anschlägen ums Lebens gekommen und 270 verletzt worden. Das sagt Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw. Der Generaldirektor des nationalen Krisenzentrums, Alain Lefèvre, ergänzt, es gebe noch keine endgültige Bilanz zu den Opfern der Attentate vom Dienstag. 
    In Belgien gilt auch weiterhin die höchste Terrorwarnstufe


    Unter den Verletzten sind nach offiziellen Angaben auch drei Mitarbeiter der EU-Kommission. Das sagt EU-Kommissarin Kristalina Georgieva in Brüssel. «Unsere Gedanken sind mit den Opfern der Anschläge und ihren Freunden und Familien.» Wegen den Anschlägen auf die Metrostation Maelbeek sei auch ein Kommissionsgebäude in der unmittelbaren Nähe noch geschlossen, sagt Georgieva. Es werde geprüft, ob die Bausubstanz des Gebäudes nachhaltig beschädigt sei. Die EU-Kommission stellte ihren Mitarbeitern frei, am Mittwoch von zu Hause zu arbeiten. 
    Bei drei in Bayern festgenommenen Kosovaren haben Ermittler bisher keine Hinweise auf einen Terrorbezug festgestellt. Ein Terrorhintergrund habe sich nicht bestätigt, sagt der bayerische Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer. Die Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft München. 
    Der Brüsseler Börsenplatz bleibt weiterhin der Ort, an dem viele Menschen ihre Trauer zum Ausdruck bringen. Hier hinterlassen sie Nachrichten zum Gedenken an die Getöteten und Verletzten.

     Foto: Yoan Valat, epa/dpa
    Der niederländische König Willem-Alexander hat die Terror-Anschläge von Brüssel als «feigen und schrecklichen Angriff» scharf verurteilt. «Wir müssen standhaft bleiben», sagt der König bei einem Besuch in einem Den Haager Stadtviertel, in dem viele Muslime wohnen.  

    Ungewöhnlich deutlich warnt der König auch vor einem Ausschluss muslimischer Bürger: «Alle, die in den Niederlanden wohnen und an unsere freie und offene Gesellschaft glauben, müssen unabhängig von ihrer Herkunft, an dieser offenen und freien Gesellschaft teilhaben können. Wenn wir das nicht mehr tun können, dann gewinnen die Terroristen, und dann können wir nicht mehr leben, wie wir wollen.» 

    Nach den Brüsseler Terroranschlägen zeigen Belgien und Frankreich demonstrative Geschlossenheit. «Mehr als je zuvor sind Frankreich und Brüssel im Schmerz vereint», sagt der belgische Premier Charles Michel bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem französischen Premierminister Manuel Valls. Er spricht von einem «tiefen Schmerz im Bauch». Valls sagt: «Wir sind Brudervölker.» 

    Der französische Premier fordert: «Die Antwort muss europäisch sein. Europa ist angegriffen worden.» Sein Land arbeite eng mit Belgien zusammen, die Ermittlungen würden aber noch dauern und einen «langen Atem» fordern. Er verlangt erneut Fortschritte beim europäischen Austausch von Fluggastdaten.

     Manuel Valls, Charles Michel und Jean-Claude Juncker (v. l. n. r.). Foto: Etienne Ansotte, epa/dpa
    Das belgische Königspaar hat Verletzte im Erasmus-Krankenhaus in Anderlecht besucht. Begleitet wurden sie dabei von Premierminister Charles Michel und Gesundheitsministerin Maggie de Block.. 


    Aufmerksame Zuhörer: Der König und die Königin. Foto: Dirk Waem, epa/dpa
    Bulgarien hat nach den Terroranschlägen von Brüssel umfassende Kontrollen an seinen Grenzen eingeführt. Als besonders wichtig gelten die verschärften Kontrollen an den EU-Außengrenzen wie etwa am größten Grenzübergang zur Türkei bei Kapitan Andreewo. An diesem «Tor nach Europa» werden jetzt die Ausweise aller Einreisenden – auch von EU-Bürgern – überprüft. Auch alle Fahrzeuge würden kontrolliert, berichtet der Fernsehsender bTV.

    Bulgarien hatte an seinem größten Grenzpunkt zur Türkei ähnliche Sicherheitsmaßnahmen auch nach den Attentaten von Paris im November 2015 eingeführt. Auch Bulgariens Grenzen zu Serbien und zu Mazedonien sind EU-Außengrenzen.
    Auch die Bundespolizei hat die Sicherheitsvorkehrungen an den Grenzen verschärft. So wie etwa am Übergang Lichtenbusch an der deutsch-belgischen Grenze.

     Foto: Marius Becker, dpa
    US-Vizepräsident Joe Biden und seine Frau Jill haben in Washington die belgische Botschaft aufgesucht und den Belgiern ihr Beileid ausgesprochen.  


    Am Brüsseler Flughafen Zaventem hat König Philippe derweil einen Blumenkranz niedergelegt. Während des Besuchs hatten Philippe und die Königin das Krisenzentrum vor Ort aufgesucht und mit Helfern gesprochen. 

    Zuvor hatte das Königspaar unter anderem an einer Schweigeminute im Gebäude der EU-Kommission in Brüssel mit Belgiens Premier Charles Michel und Frankreichs Premierminister Manuel Valls teilgenommen. 


    Brüssel und die Folgen für Deutschland: 

    Wie haben die deutschen Sicherheitsbehörden reagiert?
    ▪ Wie andere EU-Staaten hat Deutschland seine Sicherheitsvorkehrungen hochgefahren. Das heißt, es wurden zum Beispiel die Kontrollen im Grenzraum, an Flughäfen und Bahnhöfen intensiviert. 

    Was passiert hinter den Kulissen?
    ▪ Polizei und Geheimdienste schauen sich nochmals genauer die deutsche Islamisten-Szene an und suchen nach möglichen Querverbindungen zu den Tätern. Sie durchforsten das Internet nach Hinweisen und Reaktionen der Szene und tauschen sich öfter als üblich im Gemeinsamen Terrorabwehrzentrum aus, wo 40 Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern vertreten sind. 

    Was bedeuten die Anschläge für die Sicherheitslage in Deutschland? 
    ▪ Die Lage ist seit Monaten enorm angespannt. Schließlich wurden mehrere direkte Nachbarn Deutschlands in jüngster Zeit vom Terror heimgesucht. Die erneuten Attacken ändern an der Terrorgefahr für Deutschland im Grunde nichts. Die Sicherheitsbehörden betonen regelmäßig, dass auch hier ein Anschlag nicht auszuschließen sei.

    Gibt es Bezüge der Täter zur deutschen Islamisten-Szene? 
    ▪ Bislang nicht. Es handele sich dabei aber nur um einen Zwischenstand, sagt ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Die Ermittlungen liefen schließlich noch. 
    • UPDATE
    Ein mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris, Salah Abdeslam, hat im September im bayerischen Unterfranken übernachtet. Der Mann, der am Freitag in Brüssel festgenommen worden war, sei mit zwei anderen Männern im Landkreis Kitzingen in einem Gasthof gewesen, sagt der bayerische Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer. Unter anderem der Bayerische Rundfunk hatte zuerst davon berichtet.

    Geprüft wird Schmidbauer zufolge noch, ob es sich bei einem der beiden anderen Männer um den Terrorverdächtigen Najim Laachraoui gehandelt haben könnte. «Dazu haben wir keine Erkenntnisse.» Der 24-jährige Laachraoui wird mit den Attentaten von Paris im November 2015 in Verbindung gebracht und könnte auch an den Anschlägen in Brüssel beteiligt gewesen sein. Der Bundesanwaltschaft zufolge hat sich Abdeslam zwei mal «kurz» bei Kitzingen und Ulm aufgehalten, im September und Oktober letzten Jahres. Eine Sprecherin sagte, weitere Details - etwa, wer ihn begleitet hatte - könne sie wegen laufender Ermittlungen nicht sagen.
    Die belgischen Atomkraftwerke haben an den Standorten Doel und Tihange ihr Personal wieder aufgestockt. Es sei wieder die übliche Belegschaft im Einsatz, berichtet die Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf die Betreiberfirma. Demnach gelten aber noch erhöhte Sicherheitsvorkehrungen. Am Dienstag war das Personal auf ein Minimum reduziert worden. Damit sollte demnach das Risiko minimiert werden, dass gefährliche Personen auf das Gelände gelangen. Tihange liegt 70 Kilometer von Aachen entfernt nahe der ostbelgischen Stadt Lüttich. Doel liegt bei Antwerpen. 

     Das Atomkraftwerk Tihange. Foto: Julien Warnand, epa/dpa/Archiv
    Weil in Brüssel auch Deutsche verletzt wurden, will nun die Bundesanwaltschaft ermitteln. «Wir leiten ein Ermittlungsverfahren ein», sagt eine Sprecherin der Karlsruher Behörde. Die Zuständigkeit der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde ergebe sich immer dann, wenn Deutsche unter Terroropfern sind. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung.
    Die Deutsche Bahn lässt nach den Anschlägen in Belgien in ihren Bahnhöfen keine Foto- und Filmaufnahmen von Medienvertretern mehr zu. Dies gelte «bis auf Weiteres», sagt eine Bahnsprecherin auf Anfrage in Berlin. Private Aufnahmen seien aber weiterhin zugelassen. 

    Die Sprecherin verwies auf die allgemeine Sicherheitslage. Einen konkreten Grund für das Film- und Fotoverbot nannte sie aber auch auf Nachfrage nicht. Die Bahnhöfe gehören in der Regel der Deutschen Bahn, das bundeseigene Unternehmen hat dort das Hausrecht. Bislang wurden Anträge auf Film- und Fotoaufnahmen fast immer problemlos erteilt.
    Einen Eindruck davon, welche Auswirkungen die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen in der belgischen Hauptstadt derzeit zumindest für die Metro-Fahrgäste haben, vermittelt dieses kurze Video der Journalistin Megan Specia: 


    Belgiens Premierminister im Kurzporträt
     
    Er ist derzeit auf allen Kanälen: Charles MichelDem belgischen Premierminister ist die große Betroffenheit über die beispiellosen Attentate anzumerken. «Bewegt, aber standfest» - so beschreibt die Brüsseler Zeitung «Le Soir» die Haltung des liberalen Regierungschefs. Der 40-Jährige Michel, der eine Mitte-Rechts-Koalition führt, wirkt üblicherweise bei öffentlichen Anlässen etwas reserviert. Der gelernte Jurist ist kein Mann der lauten Töne. Angesichts der Krise ruft er die Belgier ruhig und entschlossen auf, geeint zu bleiben. 

    Michel gehört zu den wenigen Regierungschefs in der jüngsten Geschichte des Landes, die aus dem Süden des Landes, also der Wallonie kommen. Da er auch in Amsterdam studierte, ist sein Niederländisch gut - dies gilt als ein wichtiger Pluspunkt im flämischen Bevölkerungsteil. Michel nennt die Dinge beim Namen, nicht nur in der belgischen Innenpolitik, sondern auch in der EU. Den Terror in seinem Heimatland brandmarkte er als «blinde, gewalttätige und feige Attentate». Die Täter bezeichnet er nicht als Terroristen, sondern als «Feinde». 

     Foto: Stephanie Lecocq, epa/dpa
    Wie die niederländische EU-Ratspräsidentschaft mitteilt, soll es an diesem Donnerstag ein Sondertreffen der für Innere Sicherheit zuständigen EU-Minister im EU-Ratsgebäude in Brüssel geben. Nach früheren Angaben des niederländischen Justizministers Ard van der Steur hat Belgien um das Treffen gebeten. Ein ähnliches Sondertreffen hatte es nach den Anschlägen von Paris im vergangenen November gegeben.
    BND-Präsident Gerhard Schindler setzt nach den Anschlägen von Brüssel und Paris auf eine stärkere Überwachung von Verdächtigen. Bei den Anschlägen seien viele Terroristen in Netzwerken organisiert und einige auch den Behörden bekannt gewesen, sagt der Chef des Bundesnachrichtendienstes in Hamburg. «Für die Nachrichtendienste bedeutet dies, dass wir noch stärker in diese Netzwerke infiltrieren müssen mit menschlichen Quellen.» Außerdem müsse die technische Überwachung der Kommunikation der Terroristen «wirkungsvoll gestaltet» werden.

    Generell gelte für ihn, «dass Nachrichtendienste notwendiger denn je sind, denn wir brauchen Informationen weit vor den Anschlägen, um sie zu verhindern, statt Informationen nach den Anschlägen». Zur Kritik an der Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden über die Landesgrenzen hinaus wollte sich Schindler nicht äußern. 

     Foto: Axel Heimken, dpa
    Die Türkei hat die belgischen Sicherheitsbehörden nach Angaben des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor einem der Attentäter von Brüssel gewarnt. Der Verdächtige sei im vergangenen Juni im südtürkischen Gaziantep an der syrischen Grenze gefasst und anschließend ausgewiesen worden, sagt Erdogan in Ankara bei einer im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz. Die belgischen Behörden seien von der Türkei am 14. Juli 2015 gewarnt worden, dass es sich bei dem Mann um einen «ausländischen terroristischen Kämpfer» handele. Trotz der türkischen Warnungen hätten die Belgier den Verdächtigen aber freigelassen. 

    Bereits nach der Terrorserie von Paris im vergangenen November hatte es aus der Regierung in Ankara geheißen, die Türkei habe die französischen Behörden zwei Mal vor einem der Terroristen gewarnt. Die französischen Behörden hätten darauf aber nicht reagiert. 

     Foto: epa/Turkish President Press/dpa/Archiv
    Der belgische Geheimdienst soll nach einem israelischen Zeitungsbericht konkrete Warnungen vor den Terroranschlägen in Brüssel bekommen haben. Auch andere westliche Geheimdienste seien im Bilde gewesen, schreibt die Zeitung «Haaretz». Das Blatt nennt allerdings keine genauen Quellen für seine Informationen.

    Die belgischen Sicherheitsbehörden hätten «mit großer Sicherheit» gewusst, dass in naher Zukunft Anschläge am Flughafen und offenbar auch in der Metro geplant seien, berichtet die links-liberale Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Trotz der konkreten Geheimdienstwarnungen seien die Sicherheitsvorkehrungen in der EU-Hauptstadt angesichts der schweren Bedrohung nur unzulänglich gewesen. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die Anschläge in der syrischen IS-Hochburg Rakka geplant worden, schreibt «Haaretz».


    Das Netzwerk der Terrorverdächtigen in Brüssel ist groß. Wer sind die Attentäter vom Dienstag? 

     Brahim (l.) und Khalid El Bakraoui. Foto: Interpol/dpa

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